Mehrmals täglich wird er von Frauen auf der ganzen Welt aufs Neue durchsucht - der Kleiderschrank. Im (seltenen) Idealfall hat er das Fassungsvermögen eines mittelgroßen Stausees. Doch unabhängig davon erklingt nach wenigen Minuten ein Seufzer mit der Erkenntnis, dass es das passende Kleidungsstück nicht gibt. Ein ewig währendes Ritual, ein Teufelskreis, aus dem es kein Entrinnen gibt? Keineswegs. Die Lösung: Eine Basisgarderobe, bei der die meisten Teile miteinander kombinierbar sind. Der Schrank wird so zum Baukasten für die Persönlichkeit.
Denn das richtige Outfit macht die Frau attraktiv und selbstbewusst - und nicht erst seit Lagerfeld und Dior. In den städtischen Zentren des 14. und 15. Jahrhunderts beispielsweise begann aus Kleidung "Mode" zu werden. Die Unterkleider wurden feiner, die Formen der Ärmel auffälliger. Eng anliegende Schnitte boten tiefe Einblicke und betonten die Körperformen. Kleidung wurde zum wichtigen Attribut weiblicher Repräsentanz, kennzeichnete ihre Stellung, ihren Beruf - und machte sie zum Objekt der Betrachtung. Styling ist für Frauen somit ein wichtiger Faktor der Selbstdarstellung. Daher ist deren Kleiderschrank auch vielfältiger und zahlreicher bestückt als bei Männern.

Systematik ohne Logik?
Die Systematik eines weiblichen Kleiderschranks scheint sich auf den ersten Blick jeder Logik zu entziehen - dabei beginnt sie mit ein paar grundlegenden Stücken. Ein- oder zweireihiger Blazer, feminin tailliert oder mit geradem Schnitt. Er passt zu allen Anlässen und lässt sich in den Farben Dunkelblau oder Schwarz gut kombinieren. Mit einem Rock getragen, wird er zum Kostüm, mit einer Hose kombiniert zum Anzug. Selbst mit Jeans macht das Allround-Talent eine gute Figur, in einer solchen Verbindung wirkt er nicht mehr schick, sondern sportlich. Unter den Blazer passt einfach alles: Hemdbluse, T-Shirt oder Rolli.
Eine kragenlose Jacke, die entweder bis zur Taille oder zur Hüfte reicht, eignet sich ebenfalls bestens zum Kombinieren mit Pullovern, Jeans, Bundhosen und Röcken. Dabei darf es auch eine kontrastreiche Farbe wie beispielsweise Rot sein. Auch ein Trenchcoat bietet eine gute Alternative für so manchen Mode-Mix.
Abgestimmte Materialien und Farben

Eine schmale, dunkle Hose wirkt gut zu T-Shirts oder Blusen und gehört ebenso wie ein schmaler Rock zur Basisgarderobe. Beide sollten in Material und Farbe auf die Blazerjacke abgestimmt sein. Der klassische Rock ist wadenlang, die Hose sollte auf dem Schuh leicht aufsitzen - Drei viertel- oder Siebenachtellänge sind Varianten, die den klassische Hosenschnitt höchstens ergänzen. Auch eine Bundfaltenhose ist ein Muss, denn mit dem Blazer verwandeln sich die beiden Einzelteile in eine schicke Kombination für viele Gelegenheiten.
Eine Auswahl an T-Shirts, Blusen, Tops gehört ebenso in die Sammlung wie ein kleines, aber feines Repertoire an Pullovern, Rollis - und als Ergänzung ein sportlicher Pullunder und eine Strickjacke. Neben dem klassischen, schmalen Rock - mit Stretchanteil oder seitlichen Schlitzen, damit Frau besser laufen kann - wird der Kleiderschrank je nach Gusto aufgefüllt mit Wollröcken oder Minis.
Glitter und herbe Erotik
Und dann gibt es noch die Abendgarderobe, die zwar selten benutzt wird, aber dennoch unverzichtbar ist. Allerdings hat die rauschende Robe ausgedient, Abendmode zeigt sich schlicht. Schwarz ist und bleibt der Renner, alternativ wirkt auch pures Rot. Statt auf Glitter setzen Designer heute eher auf klare Schnitte und edle Stoffe. Ein echter All-Time-Favourite: Das kleine Schwarze. Kaum ein Kleidungsstück hat so viele Trends und Moderrichtungen überdauert. Der Erfolg des Dauerbrenners liegt in seiner Kombination aus Strenge, vornehmer Zurückhaltung und sinnlicher Eleganz. Auch ein Hosenanzug kann im Kleiderschrank Einzug halten: Marlene Dietrich hat ihn einst provokant getragen und damit ein Zeichen weiblicher Unabhängigkeit gesetzt. Die "Marlene-Hosen" sind auch heute noch in den Kollektionen der Haute-Couture-Designers vertreten - und faszinieren die Männerwelt durch ihre herbe Erotik.
Im Freizeitbereich liegen die Dinge anders. Noch nie war Mode so unkompliziert: Kombi-Fashion zum Wohlfühlen lautet hier die Devise. Luftige Shirts, bunte Kleider und Röcke, Tops, Strickjacken, Schlaghosen, Hüfthosen inklusive. Lockere, fließende Stoffe und bunte Farben verbreiten Sommerlaune. Ein Evergreen ist und bleibt die Jeanshose - heutzutage aktueller denn je. Beim Biken, Joggen oder Skaten muss es sportlich-leger sein. Funktionalität und Freizeitkomfort ist hierbei besonders wichtig: Keine überflüssigen Nähte, Stoffe aus feuchtigkeitstransportierenden Materialien und atmungsaktive Kleidung sind die optimalen Outdoor-Begleiter.
Nicht immer jedem Trend folgen
Damit der Kleiderschrank aber künftig nicht überquillt, sollten einige Regeln befolgt werden. Vor dem Kleiderkauf lohnt sich eine Art Einkaufsliste, auf der alle im Sortiment noch fehlenden Stücke aufgelistet werden. Aufwendige Einzelteile, die sich schlecht kombinieren lassen, lohnen sich nur in den seltensten Fällen. Auch muss Frau den Kleiderschrank nicht immer nach dem aktuellen Modestil ausrichten. Denn nichts ist so kurzlebig wie Fashion-Trends. Hier reichen wenige kombinierbare Teile, die nach der Saison auch wieder mutig ausgemistet werden müssen, damit der Schrank nicht aus allen Nähten platzt.









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