Sind wir mit einem Problem befasst, drehen wir uns bei der Lösungssuche oft im Kreis. Jeder Gedanke scheint schon mal gedacht. Wie aber kommen wir aus einer solchen Situation heraus und an Ideen heran, die noch niemand in Betracht gezogen hat? Eine hilfreiche Methode ist der sogenannte Morphologische Kasten. Er gilt als optimales Werkzeug zur Lösungsfindung. Besonders in der Produktentwicklung und in Phasen der Ideengenerierung lohnt es sich, darauf zurück zu greifen. Beliebt vor allem wegen seiner Anschaulich- und Übersichtlichkeit. Denn hier wird ein Problem systematisch in abgrenzbare Einzelelemente, auch Parameter genannt, und in Variationen der Einzelelemente zerlegt. Die gefundenen Begriffe werden in eine mehrspaltige Tabelle notiert. Plötzlich bekommt das Abstrakte Form und Farbe. Und siehe da, das Problem erscheint uns endlich nicht mehr wie ein unentwirrbares Knäuel.

Beispiele zur Veranschaulichung: Bei der Konzeption eines TV-Krimis finden sich unter anderem die Parameter Titelheld und Todesursache. Die Ausprägungen des Parameters Mörder könnten der betrogene Ehemann, die Society-Lady oder der stets hilfsbereite Nachbar sein. Bei der Todesursache könnte man Gift, Erwürgen und Ertrinken auflisten. Im Bereich der Produktentwicklung könnte ein Unternehmen ein neues Bett konstruieren wollen. Dazu werden Begriffe zu Parametern wie Material, Form, Gewicht und Farbe gesucht. Auch zu kommunalen Problemen wie etwa die Optimierung der Müllabfuhr können Parameterlisten gebildet werden. Aber auch bei ganz persönlichen Entscheidungen hilft diese Technik, kreative Lösungen zu finden.
Methode
Der Morphologische Kasten wird nach seinem Erfinder, dem Schweizer Astrophysiker Fritz Zwicky (1898–1974) auch "Zwicky-Box" genannt. Ziel ist es, neue Problemlösungsansätze zu entwickeln. Die Grundidee besteht darin, das Problem in seine Komponenten zu zerlegen und möglichst viele Kombinationen und Variationen von potentiellen Lösungen zu entwickeln und zu untersuchen. Idealerweise sollte dabei das komplette Spektrum an Lösungen abgedeckt werden. Der Morphologische Kasten ist ein Ordnungsschema - jede nach einem bestimmten Verfahren erzeugte Ordnung wird als Morphologie bezeichnet. Der Begriff "Morphologie" stammt aus dem Griechischen und bedeutet die "Lehre der Formen". "Kasten" steht hier gleichbedeutend mit "Matrix".
Einsatzgebiete
Insbesondere in Phasen der Ideengenerierung, hilfreich um Originelles zu entwickeln, Lösungsfindung bei komplexen Problemstellungen
Teilnehmer
Geeignet auch für Einzelpersonen, vor allem aber für die Arbeit in Kleingruppen, optimale Größenordnung liegt bei fünf bei sieben Teilnehmern, Moderator notwendig
Zeitbedarf
Zählt zu den eher aufwändigeren Methoden, mindestens 60 bis 120 Minuten einkalkulieren, Zeitbedarf allerdings oft schlecht planbar
Ablauf
Am Anfang steht die Formulierung des Problems. Ist es klar definiert, dann ran an Papier oder Flipchart – und los geht es. Ganz links in die Tabelle und untereinander werden die Parameter gesetzt. In die Spalten – von links nach rechts- werden nun jeweils alle möglichen Parameterausprägungen zugeordnet und notiert. Dabei entsteht nicht in jedem Fall eine rechteckige Matrix, da die Anzahl an Ausprägungen pro Parameter variieren kann. Um überschaubar zu bleiben, ist es empfehlenswert, sich auf maximal zehn Parameter sowie zehn Lösungsmöglichkeiten zu beschränken. Mangelt es an Ideen, können andere Kreativitätstechniken herangezogen werden, beispielsweise die 635-Methode. Steht die Tabelle, werden die Lösungen analysiert. Dann erfolgt die Wahl der optimalen Lösung – und in einem letzten Schritt deren Realisierung.








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