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Nachhaltige Elektronik - Das sind die grünsten Handys

Smartphones, Tablets und Laptops sollen grüner und nachhaltiger werden. Das zumindest versprechen die Hersteller seit vielen Jahren immer wieder. Aber halten sie sich auch daran? Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat das überprüft und nun ein Branchenranking zu grüner Elektronik veröffentlicht. Das Ergebnis: Wer umweltverträgliche Geräte möchte, sollte auf Apple oder Fairphone setzen - und von Samsung lieber die Finger lassen.

Smartphonenutzer
78 Prozent aller Deutschen ab 14 Jahren nutzen Smartphones - Tendenz weiter steigend.

Kaum ein Deutscher kommt heutzutage noch ohne Mobiltelefon, Laptop oder Tablet aus. Die meisten von uns besitzen sogar gleich mehrere Geräte. Für die Umwelt allerdings ist der Boom der digitalen Elektronik problematisch. So steckt in jedem Handy eine Vielzahl von Metallen und seltenen Erden, bei deren Gewinnung beispielsweise in Afrika auf Umweltstandards in vielen Fällen kaum geachtet wird.

Auch im Verlauf der weiteren Produktion ist die Herstellung der Geräte alles andere als grün: Da kommen teils giftige Chemikalien zum Einsatz und es werden Unmengen an Energie verbraucht. Hinzu kommt, dass Smartphones und Co oft nur eine geringe Lebensdauer haben: Entweder sie gehen kaputt oder sie landen in der Schublade, weil ihr Besitzer unbedingt das neue Nachfolgermodell haben möchte.

17 Hersteller im Umweltcheck

Immerhin haben sich inzwischen viele Hersteller das Ziel gesetzt, ihre Produkte nachhaltiger zu machen. Doch nicht bei allen gelingt das auch: "IT-Konzerne geben sich ein visionäres, umweltbewusstes Image. Gleichzeitig entwickeln viele Marktführer Produkte für die Müllhalde", sagt Manfred Santen von Greenpeace. Aus diesem Grund schaut die Umweltschutzorganisation seit einigen Jahren regelmäßig genauer hin: Welches Unternehmen tut wirklich etwas für die Umwelt - und von wessen Produkten sollten umweltbewusste Verbraucher lieber die Finger lassen?

Für das diesjährige Ranking hat Greenpeace 17 Technologieunternehmen in drei Kategorien geprüft: dem Einsatz von erneuerbaren Energien und Chemikalien sowie dem Recycling von Rohstoffen. In die Bewertung floss zudem ein, wie gut sich Smartphones, Tablets und Laptops reparieren lassen. Dazu hatte Greenpeace gemeinsam mit Experten der US-Firma iFixit im Juni 2017 40 Geräte untersucht.

Kinderarbeit in der kongolesischen Wolframmine Kailo
In jedem Handy stecken Rohstoffe, bei deren Gewinnung beispielsweise in Afrika auf Arbeits- und Umweltstandards kaum geachtet wird.

Viel Lob für Fairphone und Apple

Das Ergebnis: Viel Lob gibt es für den iPhone-Hersteller Apple. Er belegt direkt nach der mit besonderem Fokus auf die Umweltverträglichkeit gegründeten Firma Fairphone Platz zwei der Greenpeace-Bestenliste. Beide Unternehmen verzichten demnach auf gefährliche Chemikalien und produzieren klimafreundlich. Als einziger Konzern hat Apple zugesagt, nicht nur Datenzentren und Büros, sondern zukünftig die gesamte Lieferkette mit erneuerbaren Energien zu versorgen.

Dell und HP folgen auf den nächsten Plätzen. Sie punkten, weil sie reparier- und aufrüstbare Geräte anbieten. In dieser Kategorie schneidet Apple eher schlecht ab. Auch bei Microsoft ist die Reparierbarkeit der Geräte den Experten zufolge mangelhaft. Auf Wegwerfhandys, die maximal zwei Jahre genutzt werden, setzen ebenfalls die chinesischen Firmen Huawei, Oppo und Xiaomi. Sie produzieren aktuell ein Viertel der weltweit verkauften Smartphones.

Wie Greenpeace kritisiert, verwenden viele der überprüften Hersteller entgegen früherer Zusagen weiterhin umwelt- und gesundheitsschädliche Chemikalien wie PVC und bromierte Flammschutzmittel in ihren Produkten. Neben Apple verzichtet von den großen Herstellern nur Google konsequent darauf.

Schlechtes Ergebnis für Samsung und Amazon

Zu den insgesamt am schlechtesten bewerteten Unternehmen im Ranking zählen Mi, Vivo, Oppo und Amazon. Doch auch der südkoreanische Marktführer Samsung gehört zu den Schlusslichtern im Greenpeace-Check. Der Grund: Samsungs Geräte werden in Ostasien vor allem mit klimaschädlichem Kohlestrom gefertigt. Kohlekraftwerke verschmutzen die Atemluft und heizen den Klimawandel an.

Das Unternehmen hat 2016 mehr als 16.000 Gigawattstunden Energie verbraucht, nur ein Prozent stammte aus erneuerbaren Energien. Auch Recycling von wertvollen Rohstoffen wird bei Samsung kaum betrieben. Die Wiederverwertung von 4,3 Millionen zurückgerufenen Notes 7-Geräten fand dieses Jahr nur auf Druck von Greenpeace statt, wie die Umweltschutzorganisation betont.

Greenpeace / DAL, 20.10.2017
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