Enzyklopädien und Lexika gab und gibt es zu allen Zeiten, in denen Menschen den Wunsch hatten, das Wissen ihrer Zeit systematisch zusammenzutragen und geordnet festzuhalten. Mit dem Online-Portal SPIEGEL Wissen ging im Februar 2008 ein völlig neues Nachschlagewerk an den Start.

Alexandria wurde 331 v. Chr. von Alexander dem Großen gegründet. Nach seinem Tod gründete sein Feldherr Ptolemaios ein neues Herrscherhaus in Alexandria. Die neue Residenz profitierte gewaltig vom Ansehen des pharaonischen Ägypten als Wiege der Weisheit. Die Stadt erlebte in den folgenden Jahrhunderten einen immensen wirtschaftlichen Aufschwung und entwickelte sich zum geistigen Zentrum. Gelehrte wie der griechische Mathematiker Euklid kamen zu Forschungszwecken hierher. In den Bibliotheken Alexandrias, allen voran der großen Bibliothek der Gelehrtenakademie Museion, war das Wissen der damaligen Zeit auf rund 900 000 Schriftrollen gesammelt. Doch bereits 49 v. Chr. gingen diese unersetzbaren Schätze in den Wirren der Thronstreitigkeiten zwischen Kleopatra und ihrem Bruder Ptolemaios XIV. in Flammen auf.
Die neue Ordnung von A bis Z
Das erste alphabetisch geordnete Lexikon stammt aus dem Jahr 1503 und wurde - wie zu dieser Zeit üblich - in lateinischer Sprache verfasst. Als erstes alphabetisch geordnetes Lexikon in einer lebenden Sprache erschien 1674 das Grand Dictionnaire historique von Louis Moréri. Mit diesem Werk beginnt die Geschichte der neuzeitlichen enzyklopädischen Lexikographie. Insgesamt kam es im 17. Jahrhundert, dem Zeitalter des Barock, zu einer regelrechten "Sammelwut" und damit zu einer Expansion großer alphabetischer Lexika, in denen man das Wissen der Welt vereinen wollte.
Das große Zeitalter der Lexika ist dann das 18. Jahrhundert, die Epoche der Aufklärung, die ihr Augenmerk auf die Enzyklopädien richtete. In Frankreich entstand in Distanz zu den Lehren der katholischen Kirche die berühmte Encyclopédie ou dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers des Denis Diderot und des Jean d'Alembert, die mit ihrem Großwerk gesellschaftspolitisch (d.h. aufklärerisch) wirken wollten. Diderot formulierte den Wert seiner Encyclopédie so: "Dieses Werk könnte einem Berufsgelehrten als Bibliothek dienen für alle Fächer, die er nicht selbst betreibt. Es wird die Elementarbücher ersetzen." Kein Wunder, dass besorgte Buchhändler immer wieder die Befürchtung laut werden ließen, dass Lexika die Absatzchancen anderer Werke mindern könnten. Ein Ruf, der uns heutzutage in anderer Form allzu bekannt vorkommt.
Fast jede Nation schuf in dieser Epoche ihr "Nationallexikon": In Großbritannien entstand die Encyclopaedia Britannica, in Italien die Enciclopedia Italiana, in Spanien die Enciclopedia Universal Ilustrada und in Deutschland Zedlers Großes Universal-Lexikon.
Gepflegte Konversation als Anlass
Im 19. Jahrhundert wurden die sogenannten Konversationslexika entwickelt (F.A. Brockhaus 1809, Meyer 1839, Herder 1854), die eine Abgrenzung von der akademischen Wissensvermittlung vollziehen und eine Bildung vermitteln wollten, die speziell auf das Alltagsbedürfnis des Bürgertums zugeschnitten war. Der Begriff "Konversationslexikon" orientierte sich an der "gepflegten Konversation" als Kennzeichen eines gehobenen gesellschaftlichen Lebensstils, wie er sich vom Adel her auf immer weitere Kreise des Bürgertums ausbreitete. Nicht zu fachlich sollte die Konversation sein, aber auch nicht zu oberflächlich - wer in diesem Stil mitreden konnte, "gehörte dazu", mit Hilfe des Konversationslexikons.
Der Wandel durch das Internet

Das Recherchieren im World Wide Web ist heutzutage eine Selbstverständlichkeit. Doch die Masse von Informationen erschwert es, das Gesuchte schnell, leicht und in verifizierter Form zu finden.
- das Lexikon mit rund 115 000 verifizierten lexikalischen Artikeln zur ersten Orientierung, inklusive Stöhrig Deutsche Rechtschreibung und Bertelsmann Deutsches Wörterbuch als Hilfe bei der Rechtschreibung und der Begriffserklärung
- Wikipedia: die größte freie Enzyklopädie im Netz mit mehr als 670 000 Stichwörtern
- SPIEGEL-Archiv mit mehr als 700 000 Artikeln aus mehr als 60 Jahren SPIEGEL-Verlagsgeschichte, bei SPIEGEL Online und im SPIEGEL-Länderlexikon sowie Uni-SPIEGEL, Kultur-SPIEGEL und SPIEGEL TV
- die Archive von manager magazin und manager-magazin.de
Der wörtliche Sinn des aus dem Griechischen stammenden Wortes Enzyklopädie (enkyklios = kreiförmig + paideia = Bildung, also Bildungskreis) für das immer wiederkehrende, allgemein übliche Wissen, bekommt in diesem Zusammenhang eine völlig neue Bedeutung.







0 Kommentare