"Netzwerken" ist in. Seit Facebook, Xing und Twitter von immer mehr "fans", "Freunden" und "Kontakten" genutzt werden, wird es immer schwerer, sich den Sozialen Netzwerken zu entziehen, ohne als a-sozial zu gelten. Genauer betrachtet ist der Begriff "Social Networks" allerdings redundant. Denn Netzwerken ist immer ein gesellschaftliches und damit soziales Phänomen. Dass es heute vor allem online - auf eigens zu diesem Zweck eröffneten Plattformen - stattfindet, ändert nichts daran, dass es sich beim "Netzwerken" um ein tief in der Geschichte verwurzeltes, menschliches Verhalten handelt. Allianzen schmieden, Kontakte knüpfen, Informationen oder Referenzen in Tauschgeschäften einlösen, Empfehlungen aussprechen sowie Wissen und Erfahrungen (mit-) teilen - das sind wahrlich keine Erfindungen des Web 2.0.
"Ich stelle Euch mal auf Xing vor."

Wer Kontakt zur Personalabteilung seines Wunschunternehmens herzustellen versucht, wer eine Expertenmeinung in einem juristischen Streitfall braucht oder einen tüchtigen Handwerker sucht, der könnte zur Anwort den Vorschlag bekommen: "Ich stelle Euch mal auf Xing vor." Denn diese Business-Plattform ist die größte professionelle Kontaktschmiede Deutschlands. Auch für Recruiting-Zwecke wird sie immer wichtiger. Ihr großer Vorteil: Mitmachen kann jeder, der einen Onlinezugang besitzt - sowie die Fähigkeit, sich gut zu verkaufen. Damit ist Netzwerken inzwischen eine demokratische Sache.
Massentaugliches Netzwerken
Anders als die klassischen Netzwerke der Offline-Welt sind die digitalen Communities auf Masse und Wachstum ausgelegt. So zählte Facebook im Januar 2011 600 Millionen aktive Nutzer weltweit. In Deutschland tauschten sich zu diesem Zeitpunkt 15 Millionen Facebook-Freunde untereinander aus.
Dagegen ist eines der wichtigsten Alleinstellungsmerkmale etwa von politischen Seilschaften ihre Exklusivität. Je kleiner der Zirkel der Eingeweihten, desto größer die Möglichkeiten, sich vertrauliche Informationen oder sogar Prämien und Posten zuzuschachern. Doch auch studentische Alumni-Netzwerke zeichnen sich durch Exklusivität aus. Sie sind besonders an den Business Schools von großer Bedeutung und steigern nochmals die Attraktivität der ohnehin beliebten Eliteschmieden. Denn: Wer es einmal in die heiligen Hallen dieser meist privaten und immer teuren Wirtschaftshochschulen geschafft hat, ist im Club. Für immer.
Netzwerken: So macht's die Elite

Häufig gründen Alumni-Netzwerke Stiftungen, um "junge Talente" während ihres Studiums mit Stipendien zu unterstützen. Besonders wichtig sind gute Kontakte zu den Alumni für die Studenten jedoch auch in dem Moment, in dem sie die Uni verlassen und ihre Karriere starten wollen, zählen zu den Absolventen der Business Schools doch Schwergewichte wie "Business Angel", Cornelius Boersch oder Ex-Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke. Probleme auf dem Arbeitsmarkt dürften Absolventen, die auf diesem Niveau netzwerken, kaum haben.
Und falls doch, stehen ihnen an immer mehr Hochschulen die "Career Services Center" offen, die den kooperierenden (internationalen) Unternehmen das Recruitment erleichtern. Etwa mit Campus-Messen, wie dem "Career Day", den auch die Munich Business School veranstaltet. Auf den elitären Jobmessen werden die "Young Professionals" und "High Potentials" ausdrücklich zum Netzwerken mit ihren künftigen Arbeitgebern aufgefordert.
Doch nicht nur Jobeinsteiger dürfen sich auf ihr Alumni-Netzwerk verlassen. Auch, wer den zweiten Karriereschritt plant, wird durch Förderungen wie das "Post-Placement-Programm" der WHU Otto Beisheim School gefördert: Unternehmen können hier ganz exklusiv ihre Stellenangebote platzieren. Der Otto-Normal-Bewerber wird Xing und Twitter vergebens nach vergleichbaren Traumjobs durchforsten.
Netzwerken für Antiquierte?
Während der Berufsanfänger also in der Regel versucht, das Vitamin B der Verwandten und Freunde zu nutzen, ist das Business-Netzwerken an Elite-Universitäten stark institutionalisiert. Doch wer meint, dabei handele es sich um eine Erfindung der jüngeren Vergangenheit, der irrt. Die Wurzeln der Alumnis reichen weit in die Vergangenheit zurück. Wenn man's genau nimmt, war Netzwerken bereits im Mittelalter gang und gäbe.
Damals war es üblich, dass die Scholaren in internatsähnlichen Bursen lebten - nach territorialer Herkunft organisiert. Sie entschied nicht nur darüber, wo ein "Bursgesell" unterkam, sondern auch, welcher "Nation" seiner Universität er angehörte. Wer mit wem netzwerken konnte, war demnach eine Frage der Herkunft. Aus den "Nationen" sollten sich im 16. Jahrhundert die studentischen "Landsmannschaften" entwickeln, die später ihren territorialen Charakter verlieren und zu schlagenden, Farben tragenden Verbindungen werden sollten.

Burschenschaftler in voller Montur zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Noch immer existieren in Deutschland zahlreiche schlagende Verbindungen. Im Dachverband Deutsche Burschenschaften sind allein 120 Burschenschaften organisiert, die ihren Mitgliedern zum Beispiel bei der Wohnungssuche oder beim Zurechtfinden auf dem Campus helfen sowie Nachhilfe in Karriereplanung geben. Auch die Corps haben es ins digitale Zeitalter geschafft. Wiederum reine Männervereine unterstützen bei den gut 160 in Deutschland, Österreich und der Schweiz befindlichen Corps die "Alten Herren", die "Aktiven", beim Start ins Berufsleben. Betriebsbesichtigungen, Vorträge und private Empfänge in den Häusern der Arrivierten sind Standard.
Dennoch: Mögen die schlagenden Verbindung auch häufig unter Verdacht stehen, intolerant, altbacken und arg nationalistisch zu sein, haben doch auch die Korporierten längst den Schritt in die Moderne gewagt und sich Twitter- und Facebook-Profile angelegt. Auch sie haben begriffen, wo sich das Netzwerken im 21. Jahrhundert am meisten lohnt, nämlich im Netz selbst.









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