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THEMEN

Krieg

Aspekte des Kriegsbegriffs

Unter Krieg versteht man in der Regel einen mit Waffengewalt ausgetragener Konflikt zwischen Staaten zur Durchsetzung ihrer Interessen. Bewaffnete innerstaatliche Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Konfliktgruppen werden als Bürgerkrieg bezeichnet.

Bereits in der Antike finden sich theoretische Erörterungen zum Krieg bzw. zum Kriegsrecht. So befasste sich der um 455 v. Chr. geborene griechische Historiker Thukydides in der Geschichte des Peloponnesischen Krieges differenziert mit den Enstehungsgründen dieses innergriechischen Konfliktes. Seine Unterscheidung von Anlass und Ursache des Krieges versucht Gesetzmäßigkeiten aufzuzeigen, um einseitige Schuldzuweisungen zu vermeiden.

Da ein Krieg furchtbares Leid über Völker und Staaten brachte, suchte man früh nach Gründen, um Kriege moralisch zu rechtfertigen. Besonders wichtig wurde dabei die Lehre vom "gerechten Krieg". Nach Augustinus (354-430) ist ein gerechter Krieg als Mittel zur Wiederherstellung verletzten Rechts, mit gerechtem Ziel und unter Anwendung rechtmäßiger Methoden erlaubt.

Die moderne Theorie der Kriegsführung begründete der preußische General Carl von Clausewitz mit seinem erst nach seinem Tode 1831 erschienen Werk "Vom Kriege". In Auswertung der Erfahrungen der napoleonischen Kriege analysierte er die Wechselwirkungen politischer, militärischer und gesellschaftlicher Aspekte. Dabei sieht Clausewitz den Krieg als politisches Mittel: "Der Krieg ist nicht bloß ein politischer Akt, sondern ein wahres politisches Instrument, eine Fortsetzung des politischen Verkehrs, ein Durchführen desselben mit anderen Mitteln." Die Theorien von Clausewitz beeinflussten auch maßgebliche marxistische Theoretiker wie Lenin.

Im 20. Jahrhundert wurden völkerrechtliche Regelungen der Kriegsführung kodifizert. Das allgemeine Kriegsrecht ist in der Haager Landkriegsordnung von 1907 geregelt. Fragen der humanitären Behandlung von Verwundeten, Kranken und Schiffbrüchigen sind darüber hinaus umfassend geregelt (Abkommen von 1864, 1899, 1906, 1929, zuletzt 1949). Ähnliches gilt für die Rechtsstellung der Kriegsgefangenen und für den Schutz von Zivilpersonen (IV. Genfer Abkommen zum Schutz von Zivilpersonen in Kriegszeiten von 1949).

Neben theoretischen Grundlegungen zum Kriegsbegriff sind auch typologische Merkmale zur Charakterisierung bestimmter Kriegsformen wichtig.

So unterscheidet man Kriege nach ihren Motiven: 1. ideeller Art: Religionskrieg (z. B. Kreuzzüge), Heiliger Krieg (Islam); 2. politischer Art: Wirtschafts-, Kolonialkrieg; nach Ziel und Anlage: Präventiv-, Angriffs-, Eroberungs-, Vergeltungs-, Verteidigungskrieg, Befreiungskrieg, ; nach Umfang: begrenzte feindliche Aktion, Weltkrieg, totaler Krieg; nach dem Schauplatz: Landkrieg, Luftkrieg, Seekrieg; nach den Waffen: Bombenkrieg, U-Bootkrieg, Atomkrieg u. a.

Einen neuen Kriegscharakter zeigte der von den USA nach den Anschägen des 11. Septembers 2001 begonnen Feldzug gegen den internationalen Terrorismus. Damit trat der Begriff der asymmetrischen Kriegsführung in den Vordergrund. Nicht mehr klassische Staatenkonflikte wie sie traditionelle Kriegsszenarien prägen, beherrschten nun die Debatte, sondern der Kampf von Staaten gegen global operierende Terrorkommandos. In diesem Kampf revolutioniert die digitale Vernetzung von Waffen- und Informationssystemen auf der Ebene der Aufklärung, der Einsatzführung und des Gefechtsfelds (sog. Netzwerk-zentrierte Kriegsführung) die militärische Strategie. Dadurch sollen sich die Risiken für das Leben der Soldaten minimieren, während die Wirksamkeit der Waffen dramatisch erhöht wird. Der Faktor Informationsverarbeitung, der schon in der Ökonomie (Globalisierung) eine beherrschende Stellung einnimmt, wird zum entscheidenden Mitspieler auf dem Schlachtfeld.

Erhebliche menschen- und völkerrechtliche Probleme verursachte die Frage der Zulässigkeit des von den USA 2003 geführten Kriegs zur Entwaffnung des Iraks. Im Irak zeigte sich auch deutlich der neue Trend, militärische Dienst- und Sicherheitsleistungen in die Hände privater Firmen zu geben.

  1. Aspekte des Kriegsbegriffs
  2. Krieg und Rüstungskontrolle

Bibliografie:

  • Carl von Clausewitz, Vom Kriege. Ungekürzter Text. Berlin 1998
  • Tom Holert, Mark Terkessidis, Entsichert. Krieg als Massenkultur im 21. Jahrhundert. Köln 2002
  • Herfried Münkler, Die neuen Kriege. Reinbek 2002
  • Ders., Über den Krieg. Velbrück 2002
  • Ignacio Ramonet, Kriege des 21. Jahrhunderts. Die Welt vor neuen Bedrohungen. Zürich 2002
  • Rolf Uessler, Krieg als Dienstleistung. Berlin 2008
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