Lexikon
neue Linke
zusammenfassende Bezeichnung für eine vorwiegend von Intellektuellen getragene politische Richtung, die im Zuge der vom Neomarxismus geprägten Studentenbewegung seit Mitte der 1960er Jahre vor allem in den westlichen Demokratien eine große Rolle als oppositionelle Strömung gespielt hat. Die nicht homogene neue Linke richtete sich sowohl gegen die kapitalistische Gesellschaft als auch gegen den Sowjetmarxismus; ein Teil wandte sich dem Maoismus zu. Charakteristisch war die Propagierung unkonventioneller Protestformen wie sie etwa im Universitätsbereich Anwendung fanden (Sit-in u. Ä.). In den 1970er Jahren verlor die neue Linke im herkömmlichen Sinne an Bedeutung. In gewisser Weise ist der linke Terrorismus ein Zerfallsprodukt der neuen Linken, ebenso wie die maoistischen K-Gruppen. Auch Teile der Grünen wurden wesentlich vom Ideengut der neuen Linken inspiriert.
Außerparlamentarische Opposition: Kundgebung
Außerparlamentarische Opposition: Kundgebung
Rudi Dutschke, führender Kopf der antiautoritären Studentenbewegung Westberlins und der Bundesrepublik Deutschland (1965–1968) während einer Kundgebung
© Corbis/Bettmann/UPI
Seit den 1980er und 1990er Jahren konnte sich zunächst im Zusammenhang der Friedensbewegung, dann mit der Kritik am ökonomischen Globalisierungsprozess eine neue Linksbewegung etablieren. Sie wendet sich vor allem gegen eine neoliberale Finanz- und Wirtschaftspolitik sowie gegen die „imperiale“ Politik der USA. Diese neue Linke manifestiert sich in Organisationen wie Attac und artikuliert sich bei öffentlichen Großereignissen (z. B. Weltsozialforum). Vor diesem Hintergrund entstanden auch globalisierungskritische Theorieentwürfe wie etwa von M. Hardt u. A. Negri („Empire. Die neue Weltordnung“ 2002; „Multitude. Krieg und Demokratie im Empire“ 2004) oder neue Untersuchungen zur Arbeiterbewegung (B. J. Silver „Forces of Labor“ 2003).
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