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Spanischer Bürgerkrieg: Guernica

Die Bombardierung Guernicas

Durch einen dreistündigen Bombenangriff zerstören Flugzeuge der Legion Condor die nordspanische Stadt Guernica vollständig. Die heilige Stadt der Basken, die weit hinter der Bürgerkriegsfront um Bilbao liegt, wird von den deutschen Fliegern bis zum Eintritt der Dunkelheit mit Bomben, Brandbomben und Maschinengewehren belegt. Von den 10 000 Einwohnern kommen viele Hunderte ums Leben. Die Zerstörung der Stadt durch deutsche Bomber wird zum Symbol des faschistischen Terrors gegen die Zivilbevölkerung im Spanischen Bürgerkrieg.

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Guernica gleicht nach der Bombardierung einem riesigen Trümmerfeld.
Wissen Media Group, München
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Überlebende des Angriffs in den Trümmern Guernicas.
PD
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Der spanische Diktator Francisco Franco
Franco; span. Diktator, Portrait
Wissen Media Verlag GmbH, Gütersloh
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Der Künstler Pablo Picasso
1950er / Spanien Pablo Picasso, spanischer Maler und Bildhauer (1881-1973) beim Bemalen eines Tellers.
Corbis-Bettmann, New York

Guernica gleicht nach der Bombardierung einem riesigen Trümmerfeld.
Die Bombardierung Guernicas beginnt gegen 16.30 Uhr. Ein einzelnes deutsches Flugzeug erscheint über der Stadt und wirft mehrere schwere Bomben und Granaten ab. Kurze Zeit später erscheint wieder eine Maschine, erneut werden Bomben abgeworfen. Danach setzen immer mehr tieffliegende Maschinen - insgesamt 30 bis 40 - das Zerstörungswerk systematisch fort. Beteiligt sind schwere Bomber vom Typ Junkers 52, rasche leichte Bomber vom Typ Heinkel 111, die erst seit kurzer Zeit im Spanischen Bürgerkrieg zu Testzwecken eingesetzt werden, und Heinkel-Jagdflugzeuge vom Typ 51. Nach der Bombardierung ist die Stadt ein brennendes Trümmerfeld.

Guernica war kein militärisches Angriffsziel. Eine Munitionsfabrik, die vor der Stadt liegt, bleibt weitgehend unzerstört; ebenso zwei entfernt liegende Kasernen. Aller Wahrscheinlichkeit nach soll das planmäßige Massaker an den Zivilisten der Demoralisierung der Regierungstruppen und Milizen sowie der gesamten baskischen Bevölkerung dienen, um den verbissenen Widerstand gegen die Truppen der spanischen Aufständischen zu brechen. Dafür spricht auch, dass sich die unter dem Oberbefehl von General Hugo Sperrle stehende deutsche Legion Condor gerade die Stadt Guernica für ihren Angriff ausgesucht hat.

Eine symbolträchtige Stadt

Überlebende des Angriffs in den Trümmern Guernicas.
Guernica ist für die Basken als Symbol ihrer Autonomie seit alters her ein zentraler und heiliger Ort. Hier legten seit dem Mittelalter die Könige von Kastilien und später von Spanien ihren Eid ab, mit dem sie die Autonomierechte der Biskaya garantierten. Der ursprüngliche Versammlungsort der baskischen Landtage wird in der Stadt von der berühmten Eiche von Guernica markiert, die dort im 14. Jahrhundert gepflanzt wurde. Die rücksichtslose Zerstörung Guernicas zeitigt für die spanischen Aufständischen unter Francisco Franco Bahamonde nicht den erhofften Erfolg. Vielmehr sehen sie sich mit ihren deutschen und italienischen Helfern einer Welle der Entrüstung in der europäischen Öffentlichkeit ausgesetzt.

 

Franco beschuldigt die Basken

Der spanische Diktator Francisco Franco

Franco; span. Diktator, Portrait

In der Londoner Tageszeitung "The Times" erscheint am 28. April ein Bericht über die Situation in Guernica nach der Bombardierung durch die deutsche Legion Condor: "Den Widerschein der Flammen in den Wolken über den Bergen konnte man aus zehn Meilen Entfernung sehen. Die ganze Nacht durch stürzten Häuser zusammen, bis die Straßen nur noch lange Haufen roter, undurchdringlicher Trümmer waren. Viele der Überlebenden machten sich auf den langen Weg von Guernica nach Bilbao in altertümlichen baskischen Bauernkarren mit Scheibenrädern, gezogen von einem Ochsen. Karren, überhäuft mit dem Hausrat, der noch aus der Feuersbrunst gerettet werden konnte, verstopften die Straßen die ganze Nacht lang. Andere Überlebende wurden mit Regierungslastwagen evakuiert, aber viele waren gezwungen, in der Umgebung der brennenden Stadt zu bleiben; sie lagen dort auf Matratzen oder suchten ihre verlorengegangenen Angehörigen und Kinder, während Einheiten der Feuerwehr und der baskischen motorisierten Polizei ... die Rettungsarbeiten bis zum frühen Morgengrauen fortsetzten." Die nationalspanische Regierungs Francos begegnet diesen Nachrichten am 29. April mit einem Dementi, das dem Gegner die Zerstörung Guernicas zur Last legt: "Guernica ist durch Feuer und Benzin zerstört worden. Angezündet und in Trümmer verwandelt haben es die roten Horden im verbrecherischen Dienst von Aguirre, dem Präsidenten der baskischen Republik. Aguirre hat in teuflischer Absicht die Zerstörung von Guernica vorbereitet, um sie dann dem Gegner in die Schuhe zu schieben..."

Picassos "Guernica" - ein Kunstwerk gegen den spanischen Faschismus

Der Künstler Pablo Picasso

1950er / Spanien
Pablo Picasso, spanischer Maler und Bildhauer (1881-1973) beim Bemalen eines Tellers.

Bei der Einweihung des spanischen Pavillons auf der Weltausstellung in Paris am 12. Juli 1937 wird die Öffentlichkeit zum ersten Mal mit dem neuesten Gemälde des spanischen Malers Pablo Picasso konfrontiert. Das 351 x 782 cm große Ölgemälde hängt in der Eingangshalle des Pavillons. Von der spanischen Regierung in Valencia erhielt Picasso Anfang 1937 den Auftrag, für den Pavillon in Paris ein Bild zu malen. Die Nachrichten über die Zerstörung Guernicas durch Flugzeuge der deutschen Legion Condor gibt dem weltberühmten Künstler das Thema für sein Wandgemälde. Am 1. Mai macht Picasso die erste Zeichnung, Anfang Juni ist das Gemälde fertig. Trotz der Mehrdeutigkeit einzelner Figuren (Stier, Pferd) vermittelt das Bild einen intensiven Eindruck von dem Leiden der Menschen in Spanien und wirkt wie ein Aufschrei gegen die Grausamkeit des von den Faschisten entfachten Spanischen Bürgerkriegs.

Ebenso wie ein großes Gemälde von Joan Miró ("Der Schnitter", 550 x 365 cm), das im spanischen Pavillon aufgehängt wird, ist Picassos Bild nicht Exponat in einer Kunstausstellung, sondern ein wesentlicher Bestandteil des Beitrages der spanischen Republik zur Weltausstellung, mit dem vor allem zwei Ziele verfolgt werden: Die Weltöffentlichkeit über den faschistischen Krieg gegen die spanische Republik zu informieren und sie zur Hilfeleistung und zur entschiedenen Parteinahme aufzufordern.

Seinen Standpunkt und den Stellenwert seines Bildes macht Picasso in einer Presseerklärung im Mai 1937 deutlich: "Das spanische Ringen ist der Kampf der Reaktion gegen das Volk, gegen die Freiheit. Mein ganzes Leben als Künstler war ein unaufhörliches Streiten gegen die Reaktion und den Tod der Kunst...Auf dem Wandgemälde, an dem ich arbeite und das ich 'Guernica' nennen werde, und in allen meinen letzten Werken bringe ich deutlich meine Abscheu vor der militärischen Kaste zum Ausdruck, die Spanien in einen Ozean von Leid und Tod versenkt hat..." Auch durch dieses Gemälde Picassos wurde Guernica zum Symbol für die Schrecken des Krieges.

von Ute Becker, wissen.de
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