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Zerlegt

In der Nähe von Antwerpen steht eine der ersten Anlagen, in denen Autos zu fast 90 % recycelt werden. Zunächst werden die Fahrzeuge in einer Schredderanlage zerkleinert. Magnete ziehen die Eisenteile heraus. Auch die anderen Metalle werden getrennt und wieder verwertet. Die übrigen Rückstände aus dem Schredder, eine Masse aus Kunststoff, Glas und Textilien wurde in der Vergangenheit nicht genutzt. Sie mussten deponiert werden. Das neue Verfahren ermöglicht jetzt auch die Aufbereitung dieser Materialien. Die Anlage teilt sie in drei Produkte: Ein Granulat aus Hartkunststoff, früher einmal Instrumententafel und Innenraumverkleidung, Flusen aus Sitzpolstern und Schreddersand, eine Mischung aus Glas, Rost und Lackpartikeln. Für Stahlwerke ist das Granulat ein wertvoller Rohstoff, mit dem die Öfen geheizt werden. Die Glas-, Rost- und Lackreste im Schreddersand mussten bisher in Sonderdeponien gelagert werden. Um sie zu nutzen, wenden die Clausthaler Wissenschaftler ein Verfahren aus der Goldgewinnung an. Leichte mineralische und organische Stoffe fließen ab, schwere Metall-Partikel bleiben am Boden liegen. Das Ergebnis ist ein kostbares Kupferkonzentrat. Auch die weniger wertvollen mineralischen Stoffe sollen beim Bau wiederverwertet werden. Doch zuerst muss deren Qualität getestet werden. Die Wissenschaftler der Universität Clausthal-Zellerfeld simulieren die Reaktion der Stoffe auf verschiedene Klimasituationen - auf Regenwasser und Ausstoß von Kohlendioxid. Falls Schadstoffe austreten, kommt eine Verwertung als Baustoff nicht in Frage. Recycling muss umweltfreundlich bleiben, bei jeder Trennung werden Nutzen und Belastung abgewogen. Um Metallkonzentrate wie Zink, Blei und Kupfer wieder zu gewinnen, setzen die Wissenschaftler auf ein Verfahren, das die Oberflächen zu trennender Partikel hydrophob, also Wasser abweisend, macht. Nach einer gewissen Zeit hängen sich die Metalle an die perlenden Luftblasen und werden abgefischt. In den nächsten zwei Jahren könnten die Forscher soweit sein, dann wären alle Schredderreste recyclebar. Mindestens 95 % eines Autos ließe sich wiederverwerten.

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