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Kann kaltes Glas fließen?

Viele Kirchenfenster sind kleine Kunstwerke und so alt, wie die Mauern, die sie umgeben. Alt ist auch der Mythos, der sich um sie rankt. Kirchenfenster sind angeblich unten dicker als oben. Das Glas sei wie eine zähe Flüssigkeit, in Jahrhunderten langsam nach unten geflossen. Stimmt das? Verhält sich kaltes Glas wirklich wie zäher Honig? In Flüssigkeiten bewegen sich die Moleküle fast völlig frei. Dadurch können sie fließen. Auch Glas besteht aus Molekülen. Doch diese Moleküle sind nicht frei, sie sind eingefroren. Sie sind erstarrt. Da bewegt sich gar nichts. Glas unterscheidet sich kaum von Kristall. Auch Kristall ist aus Molekülen aufgebaut. Der Unterschied zum Glas besteht nur darin, dass Kristalle von periodischer Struktur sind. Aus physikalischer Sicht bedeutet das: Glas kann nicht fließen - also kann es unten auch nicht dicker sein. Also ist tatsächlich gar nichts dran an diesem Mythos? Vielleicht findet sich die Antwort in der Glashütte Lambertz an der Tschechischen Grenze. Hier werden Glasscheiben noch wie im Mittelalter gemacht. Die Masse wird zunächst zu einem Tropfen aufgeblasen, dann formt der Glasmacher ihn zu einem länglichen Gebilde. Das sieht zwar noch nicht aus wie eine Fensterscheibe aber die Glasbläser sind ja auch noch nicht fertig. Einen entscheidenden Schritt näher in Richtung flache Scheibe kommen die Glasbläser durch diesen Trick. Die Glasblase wird aufgeschnitten und kommt noch einmal in den Ofen, damit sie wieder formbar wird. Ein einfacher Holzklotz dient zum Glätten der Scheibe. Aber wir wollten doch noch was wissen. Was ist denn nun mit der Dicke der Scheiben? Deshalb gibt es heute extra für uns noch einen Test. Der Glasmacher zeigt uns ob die Scheibe wirklich überall gleich dick ist oder eben nicht. Und das ist das Ergebnis: 2,51 mm an dem einen Ende und 3,04 mm an dem anderen Ende. Also, wenn alte Scheiben unterschiedlich dick sind, dann waren sie das von Anfang an.

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