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Vorlesen: Je früher desto besser

Vorlesen ist nicht nur für die sprachliche Entwicklung von Kleinkindern wichtig. Es fördert darüber hinaus auch soziale und kognitive Fähigkeiten. Vielen Eltern ist das durchaus bewusst, wie eine Studie nun zeigt. Trotzdem greifen sie jedoch oft zu selten und vor allem zu spät zum Buch. Woran das liegt und was Eltern wissen sollten.

Mutter und Tochter beim Vorlesen
Je früher Eltern mit dem gemeinsamen Betrachten und Vorlesen von Büchern beginnen, desto stärker profitiert der Nachwuchs.

Lesen ist eine fundamentale Fähigkeit. Nur wer mit dem geschriebenen Wort zurechtkommt, kann sich in unserer modernen, informationsbasierten Gesellschaft problemlos orientieren. Umso wichtiger ist es, Kinder rechtzeitig an das Lesen heranzuführen: am besten durch Vorlesen. "Mit dem Vorlesen können Eltern nicht früh genug anfangen", sagt Antje Neubauer vom Fachkuratorium Bildung der Deutsche Bahn Stiftung. "Ohne Lesekompetenz kein Erfolg in der Schule und im Job."

Studien belegen, dass Vorlesen ein hochwirksamer Impuls für die sprachliche Entwicklung von Kindern ist und sie dazu motiviert, selbst Lesen zu wollen. Doch der Effekt des Vorlesens geht noch weit darüber hinaus. So fördert es nachweislich die sozialen Kompetenzen und die persönliche Entwicklung der Heranwachsenden – und auch die kognitiven Fähigkeiten profitieren: Wird Babys ab dem neunten Lebensmonat vorgelesen, können sie im Alter von vier Jahren sogar einen zwei- bis dreimonatigen Vorsprung in der Hirnentwicklung haben.

Mehrheit fängt zu spät an

Je früher Eltern mit dem gemeinsamen Betrachten und Vorlesen von Büchern beginnen, desto stärker profitiert der Nachwuchs. Untersuchungen zur Wirksamkeit des Vorlesens zufolge sollte es bereits im ersten Lebensjahr zu einem festen Bestandteil des Tagesablaufs werden. Doch wie sieht es in der Realität aus? Dieser Frage haben sich Wissenschaftler für die Vorlesestudie 2017 von Stiftung Lesen, Die Zeit und Deutsche Bahn Stiftung gewidmet. Erstmals erhoben sie dafür repräsentative Daten zum Vorlesen bei Kindern im Alter von drei Monaten bis drei Jahren und befragten Eltern in 523 Familien.

Das Ergebnis: Die Mehrheit der Eltern in Deutschland fängt zu spät mit dem Vorlesen an. 55 Prozent aller Väter und Mütter lesen ihren Kindern in den ersten zwölf Monaten nicht regelmäßig vor. In 28 Prozent der Familien ist das sogar innerhalb der ersten drei Jahre der Fall. Paradoxerweise schreiben gleichzeitig 91 Prozent der befragten Eltern dem Vorlesen einen großen oder sogar sehr großen Einfluss auf die Entwicklung der Kinder zu. Und 71 Prozent sind gute Lesefähigkeiten besonders wichtig.

Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Warum also greifen Väter und Mütter dann nicht früher und häufiger gemeinsam mit ihrem Nachwuchs zum Buch? In vielen Fällen scheint Unsicherheit ein entscheidender Faktor zu sein. So gab ein gutes Drittel der Eltern an, nicht genau zu wissen, wann der richtige Zeitpunkt ist, um mit dem Lesen anzufangen. Als Folge warten sie länger als nötig damit. Denn viele Eltern glauben, dass ihr Kind erst bestimmte Voraussetzungen erfüllen muss, damit das Vorlesen Sinn macht: zum Beispiel eine ausreichende Konzentrationsfähigkeit.

"Viele Eltern knüpfen das Vorlesen an bestimmte Fähigkeiten der Kinder – dabei stärkt das Vorlesen genau diese Fähigkeiten", betont Studienleiterin Simone Ehmig vom Institut für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen. "Weder muss sich ein Kind bereits länger konzentrieren noch gar sprechen können, damit es vom Vorlesen profitiert." Zu früh gibt es demnach beim Vorlesen nicht. "Besonders junge Familien sollten Spaß daran haben und die Lesefreude früh an ihre Kinder weitergeben", sagt Neubauer.

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DAL, 09.11.2017
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