wissen.de
Total votes: 64
wissen.de Artikel

O-Ton Ost: “Ossideutsch“

Kaderwelsch für Besserwessis

Seit dem Fall des antifaschistischen Schutzwalls, wie die Mauer zu Honnys Zeiten zu nennen war, drangen einige Besonderheiten der DDR-Sprache bis zu den vormals liebevoll Bundis oder auch Westgoten genannten Besserwessis vor. Das Paradebeispiel ist die vielzitierte geflügelte Jahresendfigur, der Weihnachtsengel in sozialistischem Sprachgewand. An dessen Seite steht der Hartbrandwichtel - ursprünglich als Gartenzwerg bekannt - zusammen mit weiteren parteideutschen Phantasiefiguren, die nie in die Alltagssprache der DDR-Bürger übernommen wurden. Was bei den Genossinnen und Genossen als politisch korrekter Sprachgebrauch galt, war im gemeinen Volk als Parteichinesisch oder Kaderwelsch verschrieen.

Der Volksmund seinerseits tat oft die Wahrheit kund oder machte sie durch Wortwitz erträglicher. Der kostspielige Palast der Republik wurde als Ballast der Republik und Palazzo Prozzo entlarvt oder zu Erichs Lampenladen degradiert. Auch der Berliner Fernsehturm beeindruckte wenig und wurde respektlos Penis socialisticus erectus oder Protzkeule genannt. Bezeichnend war auch der Name Nuttenbrosche für den Brunnen auf dem Alexanderplatz, an dem käufliche Damen ihre Dienste anboten.

Unter Arbeitersalami verstanden die real existierenden Arbeiter und Bauern den Gummiknüppel der Vopos (Volkspolizisten), unter Rotlichtbestrahlung die politische Propaganda. Abkürzungswörter wurden ironisch neuinterpretiert - statt Deutsche Reichsbahn deutete man etwa DR als Dein Risiko. Anstatt zu wählen ging man bloß falten, da man sich das Lesen des Wahlzettels ja sparen konnte. Im Folgenden wird die inoffizielle Stimme des Volkes immer wieder zu Wort kommen.

... klicken Sie zum Weiterlesen auf den folgenden Button
Total votes: 64