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Pilze: Achtung Gift – woran erkenne ich den Knollenblätterpilz?

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Warnschild Death Cap Mushrooms, Canberra, Australia
Im englischsprachigen Raum ist der Pilz auch als "Death Cap" bekannt.
Bei Verdacht sofort den Notarzt rufen!

Früher war eine Vergiftung mit dem Knollenblätterpilz meist das sichere Todesurteil. Noch bis vor wenigen Jahrzehnten starben fast alle Betroffenen dieser Pilzvergiftung. Im englischsprachigen Raum wird der Pilz deshalb bis heute auch "Death Cap" – Todeshaube - genannt. Heute jedoch können Ärzte eine Vergiftung mit dem Knollenblätterpilz behandeln, wenn sie früh genug diagnostiziert wird.

"Deshalb sollte jede Person, die nach dem Verzehr wilder Pilze Symptome einer Vergiftung zeigt, umgehend einen Notarzt rufen oder sich in einem Krankenhaus melden", betont Hartmut Schmidt vom Universitätsklinikum Münster, der bereits viele Patienten mit Pilzvergiftungen behandelt hat. Um die Diagnose zu erleichtern, sollten die Pilzreste und das Erbrochene aufgehoben und an den Arzt weitergegeben werden.

"Im letzten Jahr gab es zahlreiche Knollenblätterpilz-Vergiftungen. Vor allem waren davon Flüchtlinge betroffen, die den Knollenblätterpilz mit einem heimischen essbaren Pilz verwechselt hatten", sagt Schmidt. "In einigen Fällen konnten wir das Leben der Patienten leider nicht retten", weist er auf die Gefährlichkeit der Vergiftungen hin.

Therapie wirkt nur, wenn sie rechtzeitig beginnt

Zur Therapie gegen die Knollenblätterpilz-Vergiftung bekommt der Patient eine Infusion mit Flüssigkeit und dem Wirkstoff Silibinin. Das Silibinin hemmt die Aufnahme des Giftes in die Leberzellen und verhindert so, dass das Amanitin die Leber zerstört. Manchmal können auch spezielle Dialyse-Verfahren helfen. Erfahrungen zeigen, dass die sogenannte Albumin-Dialyse den Verlauf eines Leberversagens verlangsamen kann.

Kommt die Behandlung rechtzeitig, dann gehen die Symptome nach sieben bis zehn Tagen vollständig zurück. Es liegt dann eine vollständige Heilung vor. Ist die Leber aber schon zu stark geschädigt oder verläuft das akute Leberversagen extrem schnell, kann sie nicht mehr gerettet werden. Dann ist eine Lebertransplantation die einzig verbleibende Behandlungsmöglichkeit. "Aufgrund der Schwere der Vergiftung kann eine Transplantation die letzte Chance sein", erklärt Schmidt. "Aber eine Spenderleber steht nicht immer zur Verfügung."

Umso wichtiger ist es, beim Pilzesammeln aufzupassen. Wer sich nicht auskennt, sollte alle Champignon- und Knollenblätterpilz-ähnlichen Gewächse lieber ganz stehen lassen. Steinpilz und Co schmecken schließlich auch ganz gut.  Generell gilt: Wer sich nicht ganz sicher ist, sollte seine gesammelten Pilze immer von einem Pilzsachverständigen überprüfen lassen, bevor er sie isst.

NPO, 31.08.2016
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