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Erfindungen: Das Rad

3500 v. Chr.: Rad – Bewegten Zeiten entgegen

Räder in den unterschiedlichsten Ausführungen und Funktionen sind für uns eine Selbstverständlichkeit. Oft vergessen wir, dass es sich dabei um eine der für die Menschheit folgenreichsten Erfindungen handelt, ohne die unsere moderne Welt kaum vorstellbar wäre. Genutzt wurde das Rad vermutlich schon seit etwa 3500 v. Chr. von den in Mesopotamien lebenden Sumerern.

 

Von der Baumscheibe zum Speichenrad

Rad aus Ur (Mesopotamien)
Rad aus Ur (Mesopotamien)
Vermutlich hat sich das Rad aus der Baumrolle als Transportmittel für schwere Lasten entwickelt. Daher gab es zunächst nur Vollräder. Doch bevor die ersten Karren über harte Böden rollten, drehte sich das Rad in Mesopotamien als Töpferscheibe. Um 2000 v. Chr. hatten die Bewohner des Zweistromlandes die Idee, leichtere Räder zu bauen, indem sie statt massiver Scheibenräder erstmals Speichenräder aus Bronze verwendeten. In Ägypten setzte man Wagenräder erst nach dem 16. Jahrhundert v. Chr. ein. Das Wagenrad wurde auch in Europa, Indien und China frühzeitig verwendet. Nur in Süd- und Mittelamerika blieb es lange Zeit unbekannt.

 

Nicht allein zum Fahren

Wagenrad
Wagenrad
Es verging einige Zeit, bis das Rad nicht nur als Teil eines Transportmittels, sondern in veränderter Form auch für andere Aufgaben in der Technik eingesetzt wurde. So waren etwa im vierten Jahrhundert v. Chr. in Ägypten und Griechenland Zahnräder in Wasserschöpfwerken in Gebrauch und etwa 100 Jahre später dienten derartige Räder in Übersetzungsgetrieben zur Kraftverstärkung. Ungefähr 260 v. Chr. drehten sich in Byzanz die ersten Wasserräder. Damit waren die bis heute wichtigsten Einsatzgebiete des Rades - für Fahrzeuge und zur Kraftübertragung in Antriebs- und Arbeitsmaschinen - schon vor der Zeitenwende bekannt.

 

Technische Entwicklung

Was folgte, waren im Grunde nur technische Verbesserungen: Hochleistungsachslager, Einzelradaufhängungen, in Räder integrierte Brems-und Antiblockiersysteme, hoch belastbare Leichtmetallfelgen und schlauchlose Reifen sind nur einige von Hunderten Verbesserungen im modernen Räderbau. Dennoch gab es auch grundsätzliche Neuerungen: Physiker entdeckten Ende des 20. Jahrhunderts beispielsweise, dass das runde Rad nicht immer das Beste ist. Sie statteten Fahrräder mit einem ovalen Kettenrad aus, weil damit die Beinkraft des Fahrers gleichmäßiger ausgenutzt werden kann.

 

Der Krieg als treibende Kraft

Neben der Landwirtschaft war schon früh der Krieg wichtigster Einsatzbereich der Wagenräder. Hier war weniger die Transportkapazität entscheidend als Schnelligkeit und Beweglichkeit. So ging denn auch die Erfindung der leichten Speichenräder um 2000 v. Chr. nicht von ungefähr auf den Streitwagenbau zurück. Dennoch kannte auch das Altertum schon wuchtige militärische Räderfahrzeuge, die Helepolen, bis zu 50 Meter hohe Kriegsmaschinen, die durch die Muskelkraft ihrer Insassen über Triebräder, Haspeln und Flaschenzüge fortbewegt wurden. Schwere Militärtransporte auf Rädern sind allerdings eher ein Kind der gigantischen Materialschlachten des 20. Jahrhunderts.

 

Zeittafel

1800: Für das Fahrwerk eines von ihm entwickelten Fluggleiters konstruiert George Cayley die ersten Drahtspeichenräder.

1845: Die Erfindung des luftgefüllten Gummischlauchs für Wagenräder von Robert Thomsen gerät schnell in Vergessenheit.

1888: John B. Dunlop erfindet den Luftreifen mit Ventil.

1950er-Jahre: Erstmals kommen schlauchlose Autoreifen auf den Markt.

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