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wissen.de Artikel

Polen

Das Land

Polen war im ausgehenden Mittelalter die politische und militärische Führungsmacht in Osteuropa. Der Wawel in Krakau war bis 1596 die Residenz der polnischen Könige. Nachdem Polen zuvor schon Gebiete verloren hatte, teilten jedoch 1795 Russland, Preußen und Österreich das Land unter sich auf. "Finis Poloniae" hieß es damals -"Das Ende Polens ist gekommen". Doch das Volk hörte nicht auf, gegen dieses scheinbar unabänderliche Schicksal zu rebellieren.

"Noch ist Polen nicht verloren..." hieß es in einem 1796 entstandenen Lied, das später zur polnischen Nationalhymne wurde. Das trotzige Aufbegehren gegen das Schicksal wurde zu einem wesentlichen Charakterzug des polnischen Volkes. Die tragischen Niederlagen, mit denen alle Aufstände des 18. und 19. Jahrhunderts endeten, brachten ein populäres Geschichtsverständnis hervor, das Polen als den Christus der Völker sah. So wie Christus für die Menschheit gelitten habe, so habe Polen am Kreuz Europas für die anderen Völker leiden müssen. Diese im Volk verbreitete Auffassung erhielt neue Nahrung, als der 1918 gegründete polnische Staat nach nur zwei Jahrzehnten unabhängiger Existenz erneut ausgelöscht wurde. Das Deutsche Reich und die Sowjetunion vereinbarten seine definitive Streichung von der Landkarte. Hitler wollte Polen zu einer deutschen Kolonie machen und hatte seiner Bevölkerung das Los von Arbeitssklaven zugedacht. Nach seinem Willen sollte die polnische Nation untergehen. Er gab die Parole aus: Germanisieren oder Ausrotten! Doch auch diesem Urteil beugten sich die Polen nicht. Aus dem Untergrund heraus leisteten sie den Okkupanten erbitterten Widerstand, und außerhalb Polens kämpfte ihre Exilarmee gegen Hitler-Deutschland.

Als das Martyrium der deutschen Besatzung vorbei war, entstand wieder ein polnischer Staat - jedoch unter sowjetischer Herrschaft. Auch dagegen rebellierte das Volk, bis es das ihm aufgezwungene Gesellschaftsmodell Ende der 1980er Jahre abschütteln konnte.

Zur Niederlage des Kommunismus trug jedoch nicht allein der historisch gewachsene Widerstandswille des polnischen Volkes bei. Polen war und ist ein katholisches Land und daher kein günstiges Terrain für eine atheistische sozialistische Gesellschaft. Mehr als 90% seiner über 38 Millionen Einwohner sind katholisch getauft. Seit über 1000 Jahren bekennen sich die Polen zum katholischen Glauben. Sie selbst sahen sich stets als Bollwerk des christlichen Abendlandes gegen heidnische Eroberer wie Mongolen und Türken. Gleichzeitig waren sie der Fels des Katholizismus zwischen dem orthodoxen Russland und dem "ketzerisch" protestantischen Preußen. In den Jahren 1795-1918, als der polnische Staat aufgelöst war, lebte die Mehrheit der Polen im orthodoxen Russland bzw. im protestantischen Preußen und sah sich einem permanenten Druck der Russifizierung bzw. Germanisierung ausgesetzt. Weder in Preußen noch im zaristischen Russland duldete man Volks- und Oberschulen oder gar Hochschulen mit Polnisch als Unterrichtssprache. Das nationale Bindeglied war das gemeinsame Bekenntnis zur katholischen Religion sowie die gemeinsame Sprache. Neben literarischen Werken halfen auch Gesang- und Gebetbücher die polnische Sprache zu bewahren. Die katholische Kirche wurde zur nationalen Sammlungsbewegung und zum Symbol des Polentums. Daher ist es gerechtfertigt, zu sagen: "Pole" gleich "Katholik".

Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg teilte der Klerus die Leiden des Volkes. Ein großer Teil der katholischen Geistlichen in Polen starb in Gefängnissen und Konzentrationslagern. Im Zeichen des Stalinismus zu Beginn der 1950er Jahre tobte ein Kirchenkampf in Polen. Kardinal Wyszynski wurde eingekerkert, konnte jedoch 1956 im Triumphzug nach Warschau zurückkehren. Trotz der Liberalisierung in den folgenden Jahrzehnten blieb der sonntägliche Gang zur Kirche ein Zeichen des inneren Widerstands gegen den zwangsweise verordneten Kommunismus und ein Bekenntnis zum Polentum.

Polen ist bereits seit undenklichen Zeiten ein Land der Marienfrömmigkeit. Die berühmte Schwarze Madonna von Tschenstochau wurde im Jahre 1656 durch königlichen Beschluss zur "Königin der Krone Polens" erhoben. Nach allgemeiner Überzeugung hatte sie ein Wunder getan und dem Land in aussichtsloser Lage einen Sieg gegen die Schweden geschenkt. Sie gilt noch heute als Schutzpatronin Polens.

Die 1978 erfolgte Wahl Karol Wojtylas zum Papst festigte das Selbstwertgefühl der Polen enorm. Dabei haben sie ohnehin keinen Mangel an weltberühmten Männern, vor allem in Kunst und Literatur. Besonders in der schöngeistigen Literatur sind viele Werke polnischer Autoren zu finden, die die Weltliteratur bereichert haben. Jüngste Nobelpreisträgerin ist die Lyrikerin Wislawa Szymborska; vor ihr erhielten W. St. Reymont, Henryk Sienkiewicz und Czesław Miłosz diese Auszeichnung. Schriftsteller wie Hłasko, Mrozek, Andrzejewski, Lem und Przypiorski werden nicht nur von Literaturkritikern geschätzt, sondern haben auch beim internationalen Publikum großen Anklang gefunden. Die ausgeprägte Liebe der Polen zur Musik hat der Welt nicht nur die Tänze Mazurka und Polonaise beschert, die durch Frédéric Chopin in die klassische Musik eingeführt wurden; der Geiger Henryk Szeryng und die Komponisten Witold Lutosławski und Krzysztof Penderecki haben im 20. Jahrhundert Weltruf erlangt. Im Bereich des Films sind die Regisseure Andrzej Wajda, Krzysztof Zanussi, Krzysztof Kieslowski und Roman Polanski anerkannte Meister ihres Faches. Die hier genannten Namen geben nur einen kleinen Ausschnitt aus dem reichen kulturellen Leben des Landes wieder.

Der Staat heute

Polen hat sich von einem sozialistischen System zu einer marktwirtschaftlich orientierten parlamentarischen Demokratie gewandelt. Das Land befindet sich in einem totalen Umbruch, der nicht ohne wirtschaftliche Einschränkungen seitens der polnischen Bevölkerung vonstatten geht.

Der Sommer der Hoffnung

Die gegenwärtigen Umwälzungen sind nur zu verstehen, wenn man einen Blick auf die Ereignisse des Jahres 1980 zurückwirft. Damals versuchte die polnische Führung, der drastischen Verschlechterung der Wirtschaftslage durch Lebensmittelverteuerungen entgegenzutreten. Damit rief sie massive Proteste der Arbeiterklasse hervor, die in eine das ganze Land erfassende Streikwelle mündeten. Der regierenden "Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei" (PVAP) fehlte die politische Kraft zur gewaltsamen Niederschlagung der Streikbewegung. Sie war gezwungen, sich auf Verhandlungen mit dem Streikkomitee der Danziger Lenin-Werft einzulassen, dem Jacek Kuron (*1934) und andere Mitglieder des "Komitees zur gesellschaftlichen Selbstverteidigung" (KOR) beratend zur Seite standen. In einem Abkommen mit der Regierung erreichte das Streikkomitee unter Vorsitz des früheren Werftarbeiters Leszek (Lech) Wałęsa (*1943) die Zulassung von unabhängigen Gewerkschaften als "authentische Vertreter der Arbeiterklasse".

Im September desselben Jahres wurde das "Nationalkomitee für Solidarität" (Solidarność) gegründet, das innerhalb kürzester Zeit 10 Millionen Mitglieder gewann. Obwohl die sehr heterogen zusammengesetzte Solidarität eine grundlegende Demokratisierung der Gesellschaft forderte, tastete sie zunächst die Führungsrolle der PVAP nicht an. Als sie aber eine Volksabstimmung über die Glaubwürdigkeit der Regierung forderte, sahen die Kommunisten das Machtmonopol der PVAP in Frage gestellt.

Der Militärputsch vom 13.12.1981

Unter dem Druck der Sowjetunion, die energische Maßnahmen einforderte, rief die polnische Regierung am 13.12.1981 das Kriegsrecht aus. Die Macht übernahm ein "Militärrat zur nationalen Rettung" unter Vorsitz von General Jaruzelski (*1923). Fast die gesamte Führung der Solidarność und ihre Berater wurden verhaftet. Aus dem Untergrund setzte die als aufgelöst erklärte Solidarność unter Leitung des im April 1982 entstandenen "Provisorischen Nationalen Koordinierungsausschusses" ihre Tätigkeit fort. Es war ein Triumph für Solidarność, als Lech Wałęsa im Jahre 1983 den Friedensnobelpreis erhielt. Verhaftungswellen und Amnestien lösten sich in den nächsten Jahren ab, bis im Herbst 1986 fast alle politischen Gefangenen aus der Haft entlassen wurden. Die katholische Kirche wurde jetzt zur dritten Kraft, die eine Mittlerrolle zwischen Regierung und Gewerkschaft einnahm. Die Partei konnte an der Kirche nicht mehr einfach "vorbeiregieren". Um die innenpolitische Situation nicht zu verschärfen, mussten die politischen Entscheidungen die Zustimmung der Kirche finden. Die stürmisch bejubelten Papst-Besuche in den Jahren 1983 und 1987 verdeutlichten die tiefe Verwurzelung der polnischen Bevölkerung in der Kirche und unterstrichen die Autorität der Kirche gegenüber der Regierung.

Die Ablösung der kommunistischen Herrschaft und die neue Demokratie

Erneute Preiserhöhungen lösten 1988 eine Streikwelle aus; in den Betrieben und in der Öffentlichkeit traten Solidarność-Komitees erneut in Erscheinung. Daraufhin schlug Innenminister Kiszcak (*1925) der Opposition einen Dialog am "runden Tisch" vor. Kernstück der Verhandlungen waren die Zulassung der Bürgerkomitees für Solidarność und die Beteiligung der Opposition an Wirtschaftsreformen, die zu einer freien Marktwirtschaft führen sollten. Eine Verfassungsnovelle gewährte dem Staatspräsidenten weit reichende Kompetenzen. Als Gegenleistung wurden der Opposition freie Wahlen für eine neugeschaffene zweite Kammer des Parlaments - den Senat - zugesagt. Die Wahlen zum Senat wurden zu einer Abrechnung mit der PVAP: die von der Solidarität unterstützten Kandidaten erhielten 99 von 100 Sitzen. Im Sejm, dem Parlament, waren den Kommunisten und den mit ihnen verbündeten Blockparteien von vornherein 65% aller Mandate zugesichert worden. Doch entgegen allen Erwartungen gingen die Blockparteien - Vereinigte Bauernpartei und Demokratische Partei - ein Bündnis mit der Parlamentsfraktion von Solidarność ein. Tadeusz Mazowiecki (*1927) wurde zum ersten nichtkommunistischen Ministerpräsidenten gewählt. Als Relikt der alten Kräfte amtierte bis ins Jahr 1990 noch der alte Staatspräsident General Jaruzelski, der sich jedoch der neuen Regierung gegenüber loyal verhielt. Die ersten freien Präsidentschaftswahlen 1990 gewann Lech Wałęsa. Er löste General Jaruzelski als Staatspräsident ab und trieb den demokratischen Wandel voran. Die Präsidentschaftswahlen im November 1995 gewann Aleksander Kwaśniewski (*1954) als Kandidat der aus den früheren Kommunisten hervorgegangenen Parteienallianz Bund der demokratischen Linken. Im Mai 1997 billigte die Bevölkerung per Referendum eine neue Verfassung. Im Herbst 2000 wurde Kwaśniewski im ersten Anlauf wiedergewählt. Nach dem NATO-Beitritt 1999 konnte 2004 auch der Beitritt zur EU vollzogen werden. Bei den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen 2005 gab es einen Rechtsruck. Stärkste Kraft im Parlament wurde die rechtspopulistische Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS). Ihr Spitzenkandidat L. Kaczynski gewann auch die Präsidentschaftswahlen. Kazimierz Marcinkiewicz (PiS) wurde neuer Ministerpräsident an der Spitze eines von den rechtspopulistischen Parteien LPR und SO gestützten Minderheitskabinetts. Die beiden Parteien schlossen sich 2006 der Regierung an. Im selben Jahr übernahm Jaroslaw Kaczyński, der Zwillingsbruder des Präsidenten, das Amt des Ministerpräsidenten. Die Kaczyński-Regierung betonte in der Außenpolitik vor allem im Verhältnis zur EU und zu Russland die nationalen Interessen Polens. Die polnische Innenpolitik wurde überschattet von zunehmenden Streitigkeiten innerhalb der regierenden Dreiparteienkoalition, die durch verschiedene Skandale und Affären rasch an politischer Glaubwürdigkeit verlor. Nach dem endgültigen Zerfall der Regierungskoalition fanden im Oktober 2007 vorgezogene Parlamentswahlen statt, aus denen die von Donald Tusk geführte Bürgerplattform (PO) als mit Abstand stärkste Partei hervorging. Tusk einigte sich mit der Polnischen Bauernpartei (PSL) auf die Bildung einer liberal-konservativen Koalitionsregierung.

Geschichte

Durch die Geschichte Polens zieht sich wie ein roter Faden der Kampf um nationale Unabhängigkeit. Zeitweise eine osteuropäische Großmacht, dann über Jahrhunderte als Staat von den Landkarten verschwunden, blieb das Credo der polnischen Geschichte: "Nie damy sie" - "Wir lassen uns nicht unterkriegen".

Aufstieg zur osteuropäischen Großmacht

Die im polnischen Kerngebiet zwischen Kruschwitz und Gnesen lebenden polnischen - Poleni bedeutet Feldbewohner - Stämme schlossen sich um die Mitte des 10. Jahrhunderts unter Herzog Mieszko I. aus dem Geschlecht der Piasten zusammen. Dieser trat 966 zum Christentum nach lateinischem Ritus über. Unter seinem Sohn Bolesław dem Tapferen, der sich 1025 zum König krönen ließ, dehnte sich das Reich aus. Als im 14. Jahrhundert die Dynastie der Piasten ausstarb, waren Pommern und Schlesien wieder verloren, und Polen war durch den neu entstandenen Staat des Deutschen Ordens von der Ostsee abgeschnitten und splitterte sich in Teilfürstentümer auf.

In der Zeit der Jagiellonen (1386-1572) entwickelte sich Polen zu einem multinationalen Großreich. Durch die Heirat der polnischen Thronerbin Hedwig (Jadwiga) mit dem Großfürsten Jagiełło kam die Personalunion Polens mit Litauen zustande. Im 15. Jahrhundert stieg das neue Großreich nach Siegen über den Deutschen Ritterorden zur politischen und militärischen Führungsmacht in Osteuropa auf. König Kasimir IV. gewann für seinen Sohn Władysław 1471 die böhmische und 1490 die ungarische Krone. Während Böhmen und Ungarn 1516 an die Habsburger verloren gingen, schloss sich Polen 1569 in der "Realunion" noch enger mit Litauen zusammen. Nachdem die Dynastie der Jagiellonen 1572 erloschen war, begann die Periode des Wahlkönigtums (1573-1795).

Im letzten Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts hatte sich Polen in einen Ständestaat verwandelt. Auf Kosten der Bauern, die 1496 zu Leibeigenen wurden, und der Städte hatten die adeligen Grundherren - die Szlachta - ihre Stellung ausgebaut. Diese übten faktisch die Herrschaft aus, beriefen jedoch regelmäßig einen Ausländer zum König, der nicht mehr war als eine machtlose Galionsfigur. Die Reformation fasste in Polen zunächst schnell Fuß, musste jedoch in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts der von Jesuiten geführten Gegenreformation weichen, die die dominierende Rolle des Katholizismus begründete. Seit 1652 galt im polnischen Reichstag das berüchtigte "Liberum veto", d.h. jeder Abgeordnete konnte jede Beschlussfassung durch sein nicht zu begründendes Veto verhindern. So entstand eine Art institutionalisierte Anarchie ohne funktionierende Zentralgewalt.

Nation ohne Staat - die polnischen Teilungen

Die Schwäche Polens nutzten seine drei großen Nachbarn Russland, Preußen und die Habsburger Monarchie aus und teilten 1772 das Land zum ersten Mal. Russland nahm sich das Land östlich der Düna und des Dnjepr, Österreich erhielt Galizien, während Preußen sich Westpreußen einverleibte. Doch dies war nur der Anfang vom Ende. Denn der zweiten Teilung Polens (1793) folgte 1795 die dritte, die den Staat von der Landkarte tilgte. Polen existierte nicht mehr, es begann die Periode der Fremdherrschaft, die bis 1918 andauerte, d.h. einen Zeitraum von gut drei Generationen.

Doch das in drei Teile zerrissene polnische Volk bewahrte das Bewusstsein seiner nationalen Zusammengehörigkeit und seine kulturelle Identität. Napoleon I. hob mit dem Herzogtum Warschau einen neuen polnischen Staat aus der Taufe. Doch Napoleons Ende bedeutete auch wieder das Ende aller Sehnsucht der Polen. Der Wiener Kongress schuf 1815 "Kongresspolen", einen vom Zaren beherrschten Marionettenstaat. Zahlreiche Aufstände gegen die russische und preußische Oberherrschaft scheiterten. Doch die Politik der Russifizierung und Germanisierung konnte den Polen nicht ihre nationale Identität rauben.

Das 20. Jahrhundert

Die Niederlage des Deutschen Reiches und der Habsburger Doppelmonarchie im Ersten Weltkrieg sowie die Russische Revolution bildeten die Grundlage für die Entstehung eines neuen polnischen Staates. Nach Siegen über die Rote Armee (1920/21) dehnte Polen seine östlichen Grenzen beträchtlich aus: Ukrainer, Weißrussen, Litauer, Juden und Deutsche stellten ein Drittel seiner Bevölkerung.

Im September 1939 wurde Polen von Deutschland überfallen und im Einvernehmen zwischen Hitler und Stalin erneut von der Landkarte getilgt. Staat und Nation waren der Vernichtung preisgegeben. Über sechs Millionen Polen überlebten den Krieg nicht, darunter fast drei Millionen Juden.

Nach Kriegsende erfolgte auf der Potsdamer Konferenz die Neuregelung der polnischen Grenzen. Während der Grenzverlauf im Osten der so genannten Curzon-Linie, fast analog dem Hitler-Stalin-Pakt, folgt, wurde die Westgrenze Polens an der Oder-Neiße-Linie festgelegt. Die meisten Deutschen wurden vertrieben und Polen aus den ehemaligen polnischen Ostgebieten angesiedelt. Der neue polnische Staat geriet nun unter sowjetische Oberhoheit. Doch die Polen gaben sich noch nicht auf. Die teilweise blutig niedergeschlagenen Arbeiterunruhen - 1956 in Posen, 1970 in Danzig und Gdingen, 1976 in Radom und Ursus sowie 1980 in allen Ostseehäfen - leiteten das Ende der kommunistischen Herrschaft in Polen ein.

Natur und Landschaft

Polen liegt im Osten Mitteleuropas und weist dieselbe zonale Dreigliederung von Tiefland, geologisch altem Schollen- und Mittelgebirgsland und jung gefaltetem Hochgebirge auf, wie sie für ganz Mitteleuropa typisch ist. Von der Ostseeküste mit ihren größtenteils flachen, breiten Sandstränden steigt das Land über die Seenplatte Pommerns, Pommerellens und Masurens sowie die Hügel und Sander des Baltischen Landrückens weiter über das ausgedehnte Mittelpolnische Tiefland zum schmalen Mittelgebirgsgürtel der Sudeten und der Kleinpolnischen Hochfläche an. Den Abschluss bilden im Südosten die Karpaten.

Flaches Land, endlose Wälder, zahlreiche Seen

Polen wartet mit einem der schönsten Abschnitte der Ostseeküste auf: bis zu 60 m hohe Dünenwälle, von Strandhafer und Kiefernwäldchen am Wandern gehindert, vereinzelt auch Steilhänge, dazu sandige Nehrungen, wie die Frische Nehrung oder die Halbinsel Hela, mit abgeriegelten Buchten, seichten Haffen oder abgeschlossenen Strandseen. An der weit ins Land reichenden Mündungsbucht der Oder sowie im Mündungsdelta der Weichsel liegen Stettin, Danzig und Gdingen.

Im Hinterland der Küste schließt sich eine typische Moränenlandschaft mit Wäldern und Gewässern an: die Seenplatte Pommerns, Pommerellens und Masurens. In Masuren durchbrechen immer noch - wie im Volkslied besungen - wilde Schwäne mit ihrem rauschenden Flügelschlag die nächtliche Stille, und Störche zieren mit ihren Nestern Bauernhäuser und Kirchtürme. In dieser an urwüchsig herben Naturschönheiten reichen, an fruchtbarem Boden jedoch armen Region sind unzählige kleinere und größere Seen zwischen dunklen Wäldern und grünen Wiesen versteckt. Die Seen sind größtenteils durch Flüsse und Kanäle miteinander verbunden. Das "Masurische Meer", der Spirdingsee, ist mit einer Fläche von 122 km² Polens größter Binnensee und Heimat einer größeren Zahl der zwischenzeitlich selten gewordenen, inzwischen in ihren Beständen aber wieder stabilisierten Graureiher. Bei Lötzen befindet sich auf der Hohen Insel ein großes Naturschutzgebiet für Kormorane - Polen ist ein Land mit ausgeprägtem Natur- und Landschaftsschutz.

Das sehr niedrig gelegene Mittelpolnische Tiefland bietet ein von den Eiszeiten geformtes Landschaftsbild: Flache Lehmplatten werden von breiten, sanderfüllten, vielfach auch versumpften Talfurchen - den Urstromtälern - zerschnitten. Dort, wo im Vorland von Endmoränen Geröll und Sand, so genannte Sander abgelagert wurden, dehnen sich heute Heideflächen aus, die wie die Tucheler und Johannisburger Heide von Kiefernwäldern bestanden sind. Wo sich jedoch Schmelzwasser sammelte, entstanden breite Urstromtäler, denen heute teilweise Oder und Netze, Warthe, Weichsel und Bug folgen. Mittelpolen ist überwiegend ein ausgedehntes Ackerbaugebiet mit einigen bewaldeten Hügeln. Östlich der Weichsel finden sich jedoch noch nahezu unberührte, riesige Wälder mit altem Baumbestand. Ein Paradies besonderer Art ist die Puszcza Kampinoska in Masowien, ein Wald-, Sumpf- und Dünengebiet zwischen der Weichsel und ihrem Nebenfluss Bzura, in dem Elche, Wölfe, Füchse und Wildschweine ein beschütztes Dasein führen. Da die Weichsel inzwischen so verschmutzt ist, dass sie bereits als "toter Fluss" gilt, sind die Tage des Paradieses allerdings gezählt.

Ein Refugium für sportliche Aktivitäten

Über der niederschlesischen Lößebene im Südwesten erhebt sich das bewaldete Gebirgsland der Sudeten. Das Riesengebirge mit der 1602 m hohen Schneekoppe ist der bekannteste Teil der 300 km langen Bergkette der Sudeten. Hier leben in einem großen Naturschutzpark unter anderem noch Mufflons. Östlich der Oder setzt sich das Mittelgebirge in der Kleinpolnischen Hochfläche fort.

Die südöstliche Grenze Polens bilden die Karpaten, die über eine von Flüssen durchzogene Hügellandschaft zu den Gebirgsketten der Hohen (West-)Beskiden, der Hohen Tatra und der Niederen (Ost-)Beskiden ansteigen. Die sanften Kuppen der Beskiden sind dicht bewaldet, nur wenige Gipfel ragen über die Waldgrenze hinaus - so der Babia Góra (1725 m) in den Hohen Beskiden. In den Niederen Beskiden finden sich in einem Nationalpark noch unberührte Urwälder mit Bären, Wölfen, Wisenten und Luchsen.

Eiszeitlich überformte Gipfel, durch Gletschererosion verbreiterte und übertiefte Täler sowie tosende Wasserfälle verleihen der Hohen Tatra Hochgebirgscharakter. Über dunkle Fichten- und Lärchenwälder, auf die in höheren Lagen grüne Almen mit ihren im Herbst rot leuchtenden Vogelbeerbäumen folgen, erheben sich kahle Felsgipfel mit schroffen Wänden, Graten und Karen, in die malerische, kristallklare Bergseen, die so genannten Meeraugen, eingebettet sind. Der höchste Berg ist mit 2499 m der Rysy (Meeraugspitze).

Das Klima: beständig wechselhaft

Der geographischen Lage entsprechend liegt Polen im Übergangsbereich zwischen ozeanisch geprägtem mitteleuropäischen und kontinentalem osteuropäischen Klima. Da natürliche Lufthindernisse fehlen, ist der Verlauf der Jahreszeiten bei meist unbeständigem Wetter recht unterschiedlich. Die Winter sind entweder trocken kalt mit langen, jedoch meist von Tauwetter unterbrochenen Frostperioden oder warm und feucht. Die Niederschläge (zwischen 600 mm in den Ebenen und 1000 mm in den Gebirgen) fallen vorwiegend in den verhältnismäßig warmen Sommern, in denen Temperaturen von 30 °C keine Seltenheit sind.

Warschau

Am Rande der Warschauer Altstadt liegt das Königsschloss, das 1971-1981 in frühbarockem Stil wieder aufgebaut wurde. Heute kann man dort eine herrliche Sammlung von Wandteppichen und Gemälden besichtigen, darunter Stadtansichten Warschaus, die der venezianische Künstler Bernardo Benedetto (1720-1780), genannt Canaletto, schuf.

Mitten auf dem Schlossplatz erhebt sich die Sigismundsäule, die 1643-1644 zum Andenken an den Monarchen, der die polnische Hauptstadt von Krakau nach Warschau verlegte, errichtet wurde. Unterhalb des Schlosses am Weichselhang liegt das Palais Lubomirski, das auch "Pod Blacha", übersetzt "unter dem Blechdach", genannt wird und insbesondere für die kunstvollen Fassadendekorationen des steilen Dachgeschosses bekannt ist. Von ähnlichen Dachaufbauten, den so genannten "Warschauer Türmchen", werden auch viele der drei- oder vierstöckigen Häuser gekrönt, die den Marktplatz (Rynek) der Altstadt flankieren. Die farbenfrohen Stuckarbeiten verleihen den Häusern und Geschäften ein besonders auffallendes Aussehen. Auf die angebotenen Produkte wird hier durch uralt erscheinende schmiedeeiserne Schilder hingewiesen. Blumenbänke schirmen die Cafés ab, ein beliebtes Ziel für Warschauer, die Entspannung suchen. Der Altstädter Markt ist einer der schönsten Plätze Europas. Wie zahlreiche weitere Gebäude des alten Warschau ist die heutige Bausubstanz des Altstädter Marktplatzes jedoch nicht älter als 50 Jahre.

Das Historische Museum der Stadt Warschau an der Nordseite des Altstädter Marktplatzes bietet die Erklärung für diese mysteriöse Tatsache. Das Museum dokumentiert, dass - betrachtet man die Geschichte der Stadt - ihr lateinischer Wahlspruch "Contemnit procellas", "Herausforderer der Stürme", mehr als gerechtfertigt ist. Im Laufe ihrer 700-jährigen Geschichte unternahmen Invasoren dreimal den Versuch, die Stadt vollständig zu zerstören. 1656 wurde Warschau von schwedischen Heeren verwüstet. 1794, nach der zweiten Teilung Polens, wurden im Zuge des Aufstands der Warschauer gegen die Teilungsmächte Russland und Preußen große Teile der Stadt in Schutt und Asche gelegt. Die bei weitem größten menschlichen Verluste und materiellen Schäden erlitt die Stadt jedoch im Zweiten Weltkrieg. 1939 war Warschau bei der deutschen Invasion bereits schwersten Bombardements ausgesetzt. Während des verzweifelten jüdischen Aufstands, als das Warschauer Getto dem Erdboden gleichgemacht wurde, folgten 1943 weitere schwere Verwüstungen. 1944 erhob sich die polnische Heimatarmee (Armia Kraiowa) in Warschau gegen die deutsche Besatzungsmacht. Nach dreimonatigem Widerstand wurde der Warschauer Aufstand brutal niedergeschlagen.

Der Wiederaufbau der Stadt

Während der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg wurden 85% der Bevölkerung Warschaus getötet oder aus ihrer Stadt vertrieben. 1945, als Warschau als Hauptstadt der unter sowjetischem Einfluss stehenden Volksrepublik Polen eine zumindest begrenzte Freiheit wiedererlangte, begannen die Rückkehrer mit dem Wiederaufbau ihrer Stadt. Bald beherrschten gewaltige, hoch aufragende Wohnblocks, große Fabrikanlagen und bedrückende Amtsgebäude die Silhouette. Der 1955 fertig gestellte Palast der Kultur und der Wissenschaft war ein Geschenk Stalins an die Stadt.

Das alte Warschau und ebenso das historische Polen lebten aber in den Herzen der polnischen Bevölkerung weiter. Mit bemerkenswerter Hingabe machte sie sich daran, die "Altstadt" wieder in ihrer früheren Schönheit erstehen zu lassen. Die noch auffindbaren Fragmente wurden in die sorgfältige Rekonstruktion der historischen Baudenkmäler, bei der man sich an erhaltenen Bauplänen von Häusern und ganzen Straßenzügen sowie an den Gemälden und Skizzen Canalettos und anderer Künstler orientierte, einbezogen. Erst 1981 fand diese große Aufgabe mit der Beendigung des Wiederaufbaus des Königsschlosses ihren gelungenen Abschluss.

Heute ist Warschau sowohl kultureller als auch wirtschaftlicher Mittelpunkt Polens. Da die Wirtschaft des Landes sich allmählich der Marktwirtschaft nach westlichem Vorbild annähert, kommen westliche Konsumgüter in immer größeren Mengen auf die Ladentische in der Marszałkowska-Straße. Viele Warschauer folgen dieser breiten Straße in südlicher Richtung zum Łazienki-Park mit seinem berühmten rekonstruierten "Palast auf der Insel"; dieser wurde im 18. Jahrhundert als königliche Sommerresidenz auf einer künstlich in einem See aufgeschütteten Insel erbaut. Unter den vielen Denkmälern des Łazienki-Parks befindet sich auch das Denkmal des berühmten Komponisten Frédéric Chopin (1810-1849), der in der Nähe von Warschau geboren wurde. Ihm zu Ehren veranstaltet die Stadt Warschau alle fünf Jahre einen Pianisten-Wettbewerb von internationalem Renommee.

Am südlichen Stadtrand von Warschau liegt die barocke Schlossanlage Wilanów. Sie wurde 1681-1694 von König Johann III. Sobieski als Sommerresidenz erbaut. Wilanów gehört zu den kostbarsten Schlossanlagen Polens. Vor dem Großen Theater, einem der zahlreichen berühmten Schauspiel- und Konzerthäuser der Stadt, befindet sich die Statue der Siegesgöttin Nike, die an die Helden des Zweiten Weltkrieges erinnert. In der wieder aufgebauten St.-Johannes-Kathedrale ist der große patriotische Schriftsteller und Nobelpreisträger Henryk Sienkiewicz (1846-1916) bestattet.

Wirtschaft

Galoppierende Inflation, eine schnell anwachsende Auslandsverschuldung, weitgehend veraltete Fabriken, Versorgungskrisen, endlose Käuferschlangen vor den Geschäften und Streiks so könnte man den Zustand der polnischen Wirtschaft in den 1980er Jahren schlagwortartig umreißen. Die Inflation wuchs sich 1989 zur Hyperinflation aus und erreichte eine Schwindel erregende Höhe. Die Auslandsverschuldung Polens, die 1983 bei 29 Milliarden US-Dollar gelegen hatte, stieg bis Ende 1989 auf über 48 Milliarden Dollar an. Trotz kostspieliger Umschuldungsaktionen, die notwendig wurden, weil Polen zu den jeweiligen Fälligkeitsterminen Tilgung und Zins nicht zahlen konnte, stiegen die Zinsrückstände weiter an. Binnenwirtschaftlicher Krisenindikator waren die periodisch auftretenden Versorgungsengpässe. Bei den staatlich diktierten geringen Preisen waren die privaten Bauern nicht bereit, ihre Produktion auszuweiten, und so wurden Fleisch, Obst und Gemüse ebenso zur Mangelware wie Kaffee, Speiseöl und Zucker.

Wirtschaftreform

Die erste nichtkommunistische Regierung Polens hatte, als sie im August 1989 ihr Amt antrat, nach eigener Aussage ein bankrottes Land übernommen. Dennoch schlug sie voller Mut einen Weg ein, der von der zentralen Kommandowirtschaft zur Marktwirtschaft westlicher Prägung führen sollte. Zu den gezielten Maßnahmen zur radikalen Umgestaltung der polnischen Wirtschaft gehörte die 1990 eingeführte "Schocktherapie". Sie beinhaltete die Freigabe der Preise, die Streichung von Subventionen und die strikte Kontrolle der Löhne. Damit wurden bewusst Reallohneinbußen von 20-25% in Kauf genommen. Staatsbetriebe wurden privatisiert, die rohstoffintensive Schwerindustrie wurde zugunsten der Leichtindustrie zurückgedrängt.

Dieses Programm, vom Internationalen Währungsfonds mit einem Kreditabkommen unterstützt, zeigte bald erste Erfolge. Die Privatisierung ist weit fortgeschritten. Nicht verkaufte Staatsbetriebe wurden in Aktiengesellschaften umgewandelt, an denen auch die Belegschaft Anteile erwerben kann.

Doch es gibt auch eine Kehrseite. Für viele Polen sind die angebotenen Waren unerschwinglich. Rentner, Kranke und Alleinstehende gehören zu den sozial besonders benachteiligten Gruppen.

Mehr und mehr Arbeiter unrentabler Betriebe wurden entlassen. Besonders betroffen ist die schlecht ausgebildete Landbevölkerung, die früher in staatlichen Landwirtschaftsbetrieben beschäftigt war. 1997 wurde die Danziger Werft geschlossen, die 3800 dort noch Beschäftigten entlassen. Die heftigen Proteste der Solidarność und der Werftarbeiter mündeten in schweren Tumulten. Doch letztlich akzeptierte die polnische Bevölkerung für Freiheit und Marktwirtschaft auch schmerzliche Opfer.

Polen: Daten und Fakten

Das Land
LageMitteleuropa; zwischen 49° und 54° 50' nördlicher Breite sowie 14° 07' und 24° 08' östlicher Länge
GrenzenIm N Ostsee und russische Exklave Kaliningrad, im äußersten NO Litauen, im O Weißrussland und Ukraine, im S Slowakei und Tschechische Republik, im W Deutschland
ZeitzoneMEZ
Fläche312 685 km2 (28% Wald, 47% Ackerland, 13% Wiesen und Weiden)
AusdehnungW-O 690 km, N-S 650 km
LandesnaturIm N ausgedehnte Tieflandzone, anschließend schmale Mittelgebirgsregion, im äußersten S Anteil an den Karpaten
Höchster PunktRysy (Meeraugspitze) 2499 m
GewässerWeichsel (Wisła), Oder, Warthe (Warta); Spirdingsee (Jezioro Śniardwy), Mauersee (Jezioro Mamry)
KlimaÜbergangszone zwischen ozeanischem und kontinentalem Klima; Warschau 8,1 °C/561 mm, Breslau 8,5 °C/ 574 mm, Gdingen 8 °C/575 mm, Lublin 7,5 °C/582 mm
SehenswürdigkeitenMasurische Seen; Breslau; Danzig; Tatra-Gebirge; Altstadt in Warschau; Marienkirche in Krakau; Marienburg; Jasna Góra in Tschenstochau; Nationalpark Białowiezer Heide
Die Menschen
Bevölkerung38,577 Mio. Ew.
Bevölkerungswachstum+0,2%
Bevölkerungsdichte123 Ew./km2
Stadtbevölkerung64%
Analphabetismus1%
Geburtenziffer1,2%
Sterbeziffer1,1%
LebenserwartungFrauen 77 Jahre, Männer 69 Jahre
ReligionRömisch-katholische Kirche
SprachePolnisch
Wichtige StädteŁódź, Krakau (Kraków), Breslau (Wrocław), Posen (Poznań), Danzig (Gdansk), Stettin (Szczecin), Kattowitz (Katowice), Bromberg (Bydgoszcz), Lublin
Wirtschaft
Währung1 Złoty = 100 Groszy
Bruttoinlandsprodukt135,66 Mrd. US-$
BSP je Einwohner3590 US-$
Anteil der Wirschaftssektoren am BIPLandwirtschaft 6%, Industrie 38%, Dienstleistungen 56%
Inflationsrate11,8%
Arbeitslosigkeit11%
ImportgüterMaschinen und Fahrzeuge, chemische Erzeugnisse, Brennstoffe
ExportgüterFertigwagen, Leder und Textilien, Nahrungsmittel, Kohleprodukte
HandelspartnerDeutschland, Russland, Italien, Großbritannien, Frankreich
Eisenbahn24 313 km (11 613 km)
Straßen370 510 km (257 km Autobahn)
Staat
Amtlicher NameRepublik Polen; Rzeczpospolita Polska
HauptstadtWarschau (Warszawa)
RegierungsformParlamentarische Republik
StaatsoberhauptStaatspräsident
RegierungschefMinisterpräsident
LegislativeParlament (Sejm) mit 460 und Senat mit 100 auf 4 Jahre gewählten Mitgliedern
Gerichtswesen1 Oberster Gerichtshof, Bezirks- und Kreisgerichte
Verwaltungsgliederung16 Bezirke
Streitkräfte18-monatige Wehrpflicht; Stärke: Armee 178000 Mann, Marine 17 800 Mann, Luftwaffe 52 000 Mann
Nationalfeiertag3. Mai (Verfassungstag)
Geschichte
6.-7. JahrhundertEinwanderung von Slawen
966Mieszko I. konvertiert zum Christentum
1025Königskrönung Bolesław I.
1386Begründung der Dynastie der Jagiellonen
16. Jh.Das Königreich Polen auf dem Höhepunkt seiner Macht.
1596Sigismund III. verlegt Residenz und Hauptstadt von Krakau nach Warschau
1655-1660Erster Nordischer Krieg
1772-1795Polen wird aufgeteilt zwischen Preußen, Russland und Österreich
1815Wiener Kongress, Kongresspolen
1918Ausrufung der Republik Polen
1919Versailler Vertrag, neue Westgrenze Polens
1920Polnisch-russischer Krieg, Gebietszuwachs im Osten
1939Deutsche Truppen marschieren am 1.9. ein und besetzen Polen; Sowjetunion besetzt am 17.9. die polnischen Ostseegebiete; der Zweite Weltkrieg bricht aus; eine Exilregierung in Paris wird gebildet
1941Polnische Kommunisten bilden eine Exilregierung in der UdSSR
1944Antifaschistischer Aufstand in Warschau; sowjetische Truppen dringen nach Westen vor; das "Polnische Komitee der Nationalen Befreiung" (PKWN) wird gegründet
1945Kommunistische Regierung; Festlegung der heutigen Grenzen
1947Polen wird Volksrepublik
1952Eine Verfassung nach sowjetischem Vorbild tritt in Kraft
1955Polen tritt dem Warschauer Pakt bei
1956Arbeiterunruhen
1970Streiks und Unruhen
1980Gründung der unabhängigen Gewerkschaft Solidarność/Solidarität
1981Verhängung des Kriegsrechts und Verbot der Solidarność
1983Friedensnobelpreis an Lech Wałęsa
1989Zulassung der Solidarność; erster nichtkommunistischer Regierungschef
1990Lech Wałęsa Staatspräsident
1995Alexander Kwaśniewski Staatspräsident
1997Eine neue Verfassung tritt in Kraft
1999Verwaltungsreform; Polen tritt der NATO bei
2000Amtsinhaber A. Kwaśniewski wird bei den Präsidentenwahlen im ersten Anlauf wiedergewählt
2004Polen tritt der EU bei
2005L. Kaczynski gewinnt die Präsidentschaftswahlen
2006J. Kaczyński, der Zwillingsbruder des Präsidenten, wird Regeirungschef
2007Die von Donald Tusk geführte Bürgerplattform gewinnt die vorgezogenen Parlamentswahlen
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