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wissen.de Artikel

Präparator/in

Schon die alten Ägypter wollten den Kreislauf der Natur durchbrechen und die Körper ihrer Verstorbenen vor dem Verfall bewahren. Mit der Kunst des Konservierens beschäftigt sich heute eine ganze Berufsgruppe – die Präparatoren.

Faszination Natur

"Leider existieren sehr viele Vorurteile bezüglich meines Berufes", erklärt Bettina Henrich, Präparatorin am Naturhistorischen Museum in Mainz, einleitend. "Die Leute haben einfach keine Ahnung, was wir eigentlich machen und bedienen immer wieder das Klischee von Leichenfledderei oder Tierausstopfung. Der positive Wert unserer Arbeit wird, aus Unwissenheit oder Ignoranz, einfach verschwiegen."

Gerade der Umgang mit dem Tod hat Bettina Henrich aber bewusst werden lassen, wie kostbar und großartig das Leben ist. Immer wieder aufs Neue staunt sie über die Wunder der Natur. Hat sie beispielsweise eine tote Eule vor sich liegen, kann sie aus nächster Nähe intensiv die schöne Färbung des Gefieders studieren, eine Möglichkeit, die sich bei lebenden Tieren nicht ergeben würde. Bettina Henrich glaubt deshalb auch: "Diesen Beruf ergreift man, weil man einen Hang zur Natur hat und sich immer wieder faszinieren lassen will." Ihr selbst ist die dafür notwendige Begeisterung deutlich anzuhören. Gerne würde sie durch eine detaillierte Aufklärung mit dazu beitragen, das negative Image der Präparatoren verschwinden zu lassen.

Kurz & bündig

Präparatoren, oder korrekter formuliert, präparationstechnische Assistenten, spezialisieren sich in den Bereichen Biologie, Geowissenschaften oder Medizin. Sie beschäftigen sich je nach Fachrichtung mit der Konservierung von menschlichen oder tierischen Leichen, Pflanzen oder fossilen Fundstücken. Diese Tätigkeit ist im Bereich der naturwissenschaftlich-technischen Assistentenberufe anzusiedeln. Treffender ist vielleicht Bettina Henrichs Zuordnung, welche die Präparation in die Nähe zum Kunsthandwerk stellt.

Wo arbeiten Präparatoren?

Präparatoren aller Fachrichtungen finden in Museen oder Universitätsinstituten eine Anstellung. In den Bereichen Biologie und Geowissenschaften können sich Präparatoren auch selbständig machen und Exponate für Lehre, Forschung, Ausstellungen oder für den privaten Gebrauch herstellen. "Die Tätigkeit in der freien Wirtschaft ist aber sehr begrenzt", schränkt Bettina Henrich ein, "weil die gesetzlichen Bestimmungen sehr streng sind. Singvögel beispielsweise dürfen nicht für Privatleute präpariert werden. Und auch viele andere Tiere müssen vor der Präparation erst behördlich genehmigt werden." Im Sektor Jagd weist sie auf ein weiteres Problem hin: "Der früher häufig gewünschte präparierte Fuchs wird zunehmend weniger angefertigt, weil das durch den Fuchsbandwurm bedingte Gesundheitsrisiko zu groß ist."

Im Bereich Medizin ist eine privatwirtschaftliche Beschäftigung eher unüblich. Hier treten jedoch noch Krankenhäuser oder vereinzelt private medizinische Institute als potentielle Arbeitgeber auf.

Synonyme Berufsbezeichnungen für diese Tätigkeiten sind im Bereich Biologie:

  • Dermoplastiker/in (große Tierpräparate)
  • Taxidermist/in

Und im Bereich Medizin:

  • Sektionstechnische/r Assistent/in

Was genau machen Präparatoren?

Grundsätzlich können drei verschiedene Fachrichtungen unterschieden werden: Biologie, Geowissenschaften und Medizin. Voraussetzung für alle Bereiche ist ein ausgeprägtes Formgefühl, gutes Sehvermögen und neben den fachspezifischen Kenntnissen auch Wissen in Chemie, Kunststofftechnik, Farbenlehre und Ausstellung- und Dokumentationstechnik. "Kunstfertigkeit, Geschicklichkeit, Beobachtungsgabe und Genauigkeit sind die Kernkompetenzen aller Präparatoren", zählt Bettina Henrich auf.

Der weitaus größte Anteil der Präparatoren ist im Gebiet Biologie zu Hause. Bettina Henrich zum Beispiel ist im Naturhistorischen Museum Mainz für die Belegsammlung der linksrheinischen Tierwelt von Rheinland-Pfalz verantwortlich. Sie beschäftigt sich ausschließlich mit der Konservierung heimischer Tierarten, von Singvögeln bis zu Säugetieren. "Wir selbst töten keinesfalls Tiere, wir arbeiten nur mit Tieren, die schon tot sind, und wir sind auch daran interessiert, herauszufinden, wie die Todesursache lautet“, erklärt Bettina Henrich.

Neben ihrer Funktion Dinge zu konservieren, sind Präparatoren vor allem auch als Archivare tätig. Dazu Bettina Henrich: "Wir fragen als allererstes nach dem Fundort und dem Funddatum. Diese Daten über das gefundene Tier speisen wir in unsere Statistiken und erhalten so Auskunft über Fauna und Umweltbedingungen unserer Heimat." Beispielsweise wird nach der Verbreitung der Tierart geforscht, es wird erklärt, ob sie stadtnah oder stadtfern angesiedelt ist, in Wiesen, Äckern oder Wäldern lebt. Das Museum kann dadurch auch Informationen über die Wanderbewegungen einzelner Arten erhalten. Wenn sich die Sterberaten erhöhen, wird dies im betreffenden Umweltschutzamt gemeldet und nach möglichen Ursachen gefahndet. Die Sammlungen werden so zu einem Archiv über eine Vielzahl von komplexen Informationen, die Veränderungen der Lebenswelt und der Umwelteinflüsse dokumentieren.

Die beste Voraussetzung für eine gelungene Konservierung ist, wenn die Tiere sehr frisch aufgefunden werden. Festzustellen ist dies mit einer Streichelprobe entlang des Bauches, hier ist nämlich die sensibelste Stelle des Tieres. Verliert ein Tier an dieser Stelle Haare oder Federn ist es für eine Präparation meist schon zu spät. Bis zur Bearbeitung wird das Tier erst einmal eingefroren. Nach dem vorsichtigen Auftauen geht es an die eigentliche Arbeit. Zunächst wird ein Schnitt vom Bauch bis zum Schwanz vorgenommen und sehr sorgfältig die Haut vom restlichen Körper abgezogen, wobei der Kopf und die Pfoten, oder bei einem Vogel die Flügel, an der Haut bleiben. Der Körper selbst findet keine weitere Verwendung und wird später entsorgt. Die abgezogene Haut wird nun bearbeitet. Erst erfolgt das im Fachjargon so genannte "Dünnschneiden", das heißt, alle Fleisch- oder Fettreste werden in Feinarbeit weggeschnitten oder abgeschabt, denn vor allem Fett kann das Exponat verderben lassen. Die übriggebliebene Lederhaut oder der Pelz werden in Alkohol eingelegt, schließlich mit Pelzwaschmittel behandelt und mit einer Tinktur gegen Schadstoffbefall versehen.

Im nächsten Schritt wird die gegerbte Haut auf ein künstlich hergestelltes Modell aufgespannt, das dem ehemaligen Körper detailgetreu nachgebildet ist. Nach dem Zunähen wird das Tier in eine möglichst lebensechte Position gebracht. Behilflich sind dabei Fotos oder auch Aufrisszeichnungen, die vor dem Abziehen erstellt werden. Dabei wird der Umriss des Tieres auf Papier festgehalten. Gerade von heimischen Tieren existieren aber auch viele Bilder, beispielsweise aus Jagdzeitschriften oder Tierkalendern, die eine Vorstellung über die natürliche Bewegungshaltung des Tieres vermitteln. "Vor allem die richtige Gestaltung der Augen- und Lippenpartie sowie der Rückenlinie entscheidet, ob ein Tier echt aussieht oder nicht", verdeutlicht Bettina Henrich.

Nicht jedes aufgefundene Tier ist jedoch für den Schaukasten bestimmt. Gerade für wissenschaftliche Zwecke wird manchmal nur ein Skelett erhalten oder ein weniger ausgefeiltes Präparat, ein so genannter wissenschaftlicher Balg, hergestellt. Trotzdem ist auch diese Arbeit wichtig, weil Serien von Tierarten Daten über deren Variation liefern, beispielsweise über deren Färbung.

Die Präparation im Gebiet der Geowissenschaften erfolgt in den drei Teilbereichen: Geologie, Mineralogie und Paläontologie. Hier wird als konservierende Maßnahme vor allem die Abdrucktechnik angewandt. Wird beispielsweise ein steinzeitliches Knochenstück gefunden, muss dieses in Silikon eingegossen werden. Aus diesem Negativ wird dann ein Kunststoffpositiv hergestellt und bearbeitet. Bettina Henrich erklärt den Sinn dieses Vorgehens: "Man hat es hier mit sehr alten Fundstücken zu tun, die nur als Unikate vorliegen. Zum Schutz der Originale und auch um mehreren Museen die Möglichkeit des Ausstellens zu geben, müssen Duplikate geschaffen werden."

Eine ganz andere Sparte ist die Präparation im Bereich Medizin, mit den Gebieten Humanmedizin, Anatomie, Pathologie und Rechtsmedizin. Hier werden menschliche Präparate zur wissenschaftlichen Untersuchung, für Lehrzwecke und für die Dokumentation vorbereitet. Einer breiten Öffentlichkeit wurde das Thema Konservierung und Präparation mit der ethisch umstrittenen Ausstellung "Körperwelten" des Heidelberger Professors Gunther von Hagen ins Bewusstsein gerufen. In dieser Ausstellung werden Leichen gezeigt, die mit Hilfe des neuartigen Verfahrens Plastination der Nachwelt erhalten bleiben. Bettina Henrich erklärt dieses Verfahren: "Bei der Plastination wird der menschliche Körper mit Kunststoff getränkt und dann mit Gas gehärtet. Ein entscheidender Vorteil dabei ist, dass so trockene und geruchsfreie Präparate hergestellt werden können mit einer Konsistenz, die von gummiartig bis steinhart reicht." Vor allem in der Ausbildung von Medizinern sieht Bettina Henrich den Wert dieser Exponate.

Wer ist geeignet?

Die Berufsbezeichnung Präparator ist gesetzlich nicht geschützt. Ein Manko, das Bettina Henrich gern aufgehoben sähe und das der Zunft ihrer Meinung nach schadet. Präparator kann sich also jeder nennen. In der Vorstellung des Verbandes Deutscher Präparatoren sind jedoch nur die dafür ausgebildeten präparationstechnischen Assistenten geeignet.

Es eignen sich für diesen Beruf vor allem

  • Präparationstechnischer Assistenten
  • Technische Assistenten für naturkundliche Museen und Forschungsinstitute mit entsprechender Weiterbildung

Ausbildung – wo und wie?

Die höhere Berufsfachschule für präparationstechnische Assistenten in Bochum ist die einzige Schule deutschlandweit, die einen staatlich anerkannten Abschluss für diesen Beruf anbietet. Pro Jahrgang werden nur 30 Bewerber aufgenommen. Die Hälfte davon werden im Bereich Biologie unterrichtet, der Rest verteilt sich zu gleichen Teilen auf Medizin und Geowissenschaften.

An der Senckenberg-Schule in Frankfurt wird im Zwei-Jahres-Turnus zum technischen Assistenten für naturkundliche Museen und Forschungsinstitute ausgebildet. Im Unterricht stehen neben rudimentären Kenntnissen über Präparation auch eine Vielzahl anderer Inhalte auf dem Lehrplan, die zu einer Mitarbeit in Sammlungen und Magazinen befähigen. Diese Schule kann nach Bestehen der Ausbildung ein sehr geringes Kontingent von Schülern zum präparationstechnischen Assistenten weiterbilden. Eine Garantie wird dafür von der Schule jedoch nicht gegeben.

Wo und wie weiterbilden?

In der Weiterbildung macht sich der Verband Deutscher Präparatoren einen Namen. Der Verband versteht sich als Aufklärungs- und Informationsmedium, das den Status des Berufes Präparator aufwerten soll. Auf der Website wird über die Fachtagungen, die der Verband initiiert, informiert. Diese Fachtagungen bieten ein vielfältiges Angebot rund um das Thema Präparation. Neben Workshops und Arbeitsschauen können sich die Teilnehmer bei Vorträgen zu aktuellen Themen und Entwicklungen über ihr Berufsfeld austauschen.

Kontakt

Verband deutscher Präparatoren

Vorsitz: Bettina Henrich
Hauptstraße 29
D-55283 Nierstein
www.präparation.de

aus der wissen.de Redaktion, Quelle: BW Bildung und Wissen Verlag
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