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Prävention: Vorbeugen ist die beste Medizin

So halten Sie Herz, Rücken und Blutdruck gesund

Eigentlich könnte es uns so gut gehen: Wir haben reichlich zu essen, ein weiches Sofa und zig Fernsehprogramme. Aber tut das alles unserer Gesundheit gut? Viele Menschen leiden an Rückenschmerzen, Bluthochdruck und Herzproblemen. Wir erläutern, wie diese Volksleiden entstehen und was man gegen sie tun kann.

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Rückenschmerzen

Das falsche Heben schwerer Lasten ist oft die Ursache von Rückenschmerzen.

istockphoto.com/Richard Nelson
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Blutdruckmessung

Regelmäßiges Messen des Blutdrucks hilft bei der frühen Entdeckung des Risikofaktors Bluthochdruck.

shutterstock.com/Vladi
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Menschliches Herz - Illustration

Im Ruhezustand schlägt des Herz eines erwachsenen Menschen etwa 70 mal pro Minute.

shutterstock.com/Sebastian Kaulitzki

 

Das Kreuz mit dem Kreuz: Rückenschmerzen

Der Ischias schmerzt, im Kreuz zieht es mächtig, der Nacken ist völlig verspannt – Rückenschmerzen sind Volkskrankheit Nummer Eins. Nach dem Gesundheitsreport der DAK-Gesundheit 2012 verursachen Erkrankungen des Bewegungsapparates etwa ein Fünftel aller Fehltage im Job. Zwei Drittel der Menschen hierzulande leiden mindestens einmal im Jahr unter Rückenschmerzen – Männer häufiger als Frauen. 
 
Was dem Rücken zusetzt
Die gute Nachricht: Rückenschmerzen haben häufig keine körperliche Ursache, wie etwa Fehlbildungen der Wirbelsäule. Die schlechte Nachricht: Rückenschmerzen sind nicht selten dem Lebensstil geschuldet. Zwar lassen auch falsches Heben und Tragen oder eine schlechte Nacht manchen Rücken jaulen. Die Hauptursache ist aber Bewegungsmangel. In Deutschland arbeiten 17 Millionen Menschen im Büro. Ohne Ausgleich schwächt das ewige Rumsitzen die Rückenmuskulatur. Die Folgen: Fehlhaltungen, Blockierungen der kleinen Wirbelgelenke sowie Muskelverspannungen.
Wer dann noch zu viele Pfunde auf die Waage bringt, belastet sein Kreuz doppelt. In Deutschland sind 60 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen zu dick. Knochen und Gelenke leiden unter dem Übergewicht. Außerdem setzt eine einseitige Ernährung dem Rücken zu. Knochen, Gelenke und Bandscheiben brauchen Vitamine und Mineralstoffe. So lassen sich auch altersbedingte Verschleißerkrankungen wie Osteoporose besser in Schach halten. 
Rückenschmerzen

Das falsche Heben schwerer Lasten ist oft die Ursache von Rückenschmerzen.

SOS-Ruf der Seele
Der Volksmund weiß längst, dass Rückenleiden seelisch bedingt sein können: „Ich kann das nicht mehr ertragen“ oder „Das bricht mir das Kreuz“. Bei Dauerstress, Überforderung im Job, Familienzwist, Angst und Depressionen verkrampfen die Rückenmuskeln. Über kurz oder lang schmerzt das Kreuz. Das Zusammenspiel von Psyche und Rückenschmerzen funktioniert auch umgekehrt: Chronische Rückenschmerzen nagen an der Seele. Denn die Schmerzreize gelangen über das Rückenmark ins Gehirn und aktivieren dort Regionen, in denen Gefühle verarbeitet werden. So kann ein Teufelskreis entstehen: Die Seele schlägt auf den Rücken, die Schmerzen wiederum belasten die Psyche.
 
Schnelle und langfristige Helfer    
Länger anhaltenden Beschwerden sollte der Arzt auf den Grund gehen. Doch 90 Prozent aller Rückenbeschwerden bessern sich innerhalb von vier Wochen von ganz allein – egal wie sie behandelt werden. Wärme, Entspannung und ein leichtes Schmerzmittel lösen zunächst die Verspannungen und lindern die Schmerzen. Krankengymnastik oder Massage kann den Rücken zusätzlich mobilisieren. 
 
Prävention und Hilfe: Damit der Rücken gar nicht erst schmerzt
Nur wer an den Ursachen ansetzt, kann Rückenschmerzen längerfristig vorbeugen:
 
  • Bewegung stärkt die Muskulatur. Selbst zügiges Gehen mobilisiert die Wirbelgelenke und lockert die Muskeln. Spaziergänge, Treppensteigen, zu Fuß zum Einkaufen gehen – das bringt eine Menge. Der beste Sport: Laufen, Walken, Schwimmen, Wandern oder Radfahren. 
  • Lümmeln im Büro entlastet das Kreuz. Wer den ganzen Tag am Schreibtisch hockt, sollte sich zwischendurch mal lässig zurücklehnen. Dann lastet der geringste Druck auf den Bandscheiben. Außerdem hilft es, immer wieder ein paar Schritte zu gehen – etwa zum Kaffee-Automaten oder Drucker. 
  • Stressabbau stärkt die Seele. Autogenes Training oder progressive Muskelentspannung sorgen für Entspannung. Beim Sport werden Stresshormone abgebaut. Durch die Kombination von Bewegung und Atmung ist Yoga ein besonders effektiver Stresskiller.
  • Richtige Ernährung für gesunde Knochen heißt: viel frisches Gemüse, Obst, Milch und fettarme Milchprodukte, Vollkornprodukte, Nüssen und Hülsenfrüchte sowie Seefisch.  
  • Die richtige Matratze sorgt für erholsamen Schlaf. Der Fachhandel weiß, welche Matratze für wen am besten geeignet ist. Außerdem gehört eine Matratze nach zehn Jahren auf den Müll, weil sie dann durchgelegen ist.   
 

Gefäße unter Spannung: Bluthochdruck

Man sieht ihn nicht und spürt ihn kaum: Fast jeder dritte Bundesbürger leidet an Bluthochdruck. Bei den Senioren über 65 Jahre ist es sogar mehr als jeder Zweite. Nur die Hälfte der Betroffenen weiß von ihrer Erkrankung. Und nur 40 Prozent der Wissenden lassen sich behandeln.
Dabei ist Bluthochdruck der stärkste Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Denn er treibt die Arterienverkalkung voran und schädigt im Laufe der Jahre vor allem gefäßreiche Organe, wie Herz, Gehirn, Nieren und Augen. Die Folge können Herzinfarkt, Schlaganfall oder gar Erblindung sein. 
Blutdruckmessung

Regelmäßiges Messen des Blutdrucks hilft bei der frühen Entdeckung des Risikofaktors Bluthochdruck.

Wie hoch ist zu hoch?
Blutdruckwerte unter 140/90 mmHg („Millimeter Quecksilberläule“) gelten zwar als normal. Aber schon bei Werten über 130/85 mmHg sprechen Mediziner von einer Vorstufe von Bluthochdruck, die der Arzt im Auge behalten sollte. Optimal sind Blutdruckwerte bis 120/80 mmHg.
Lange bleibt Bluthochdruck eine stille Gefahr. Am ehesten macht er sich morgens bemerkbar: Wer häufiger mit Kopfschmerzen oder Nasenbluten aufwacht, sollte einmal den Blutdruck messen lassen. Auch Müdigkeit, Sehstörungen, Schwindelgefühl oder Atemnot unter körperlicher Anstrengung können darauf hinweisen, dass der Blutdruck nicht stimmt. 
 
Lebensstil als Risiko
Warum der Blutdruck steigt, ist oft nicht auszumachen. Nur zehn Prozent der Betroffenen leiden an einer organischen Erkrankung, beispielsweise einer Verengung der Nierengefäße, die den Blutdruck erhöht. Aber eine ganze Reihe von Risikofaktoren kann die Entstehung von Bluthochdruck begünstigen:
 
  • Rauchen  
  • Hoher Alkoholkonsum
  • Bewegungsmangel 
  • Salzreiche Ernährung
  • Häufig Bluthochdruck in der Familie
  • Stress
  • Übergewicht
  • Stoffwechselstörungen: Typ-2-Diabetes, Fettstoffwechselstörungen
 
Prävention und Hilfe: Was den Druck senkt
Nicht immer erfordern erhöhte Blutdruckwerte eine Behandlung mit Medikamenten. Entscheidend ist das ganz persönliche Risiko, das nicht zuletzt durch die Lebensweise bestimmt wird. Und da findet sich manche Stellschraube, an der sich ebenso vorbeugend drehen lässt.
 
  • Hände weg vom Nikotin: Das gelingt am besten mit einem Mitstreiter. Und fürs Durchhalten darf man sich ruhig belohnen. 
  • Alkohol in Maßen: Mal ein Glas Wein oder Bier am Abend schadet dem Blutdruck nicht – nützt ihm aber auch nicht. Regelmäßiger Alkoholkonsum dagegen kann den Druck in den Gefäßen dauerhaft erhöhen.
  • Übergewicht reduzieren: Pro Kilo weniger kann der Blutdruck um 1,5 bis 2,5 mmHg sinken. Das kann mit viel Gemüse und Obst noch besser gelingen, denn auch damit sinkt der Blutdruck.
  • Salzarm essen: 5 Gramm Salz pro Tag (etwa ein Teelöffel) reichen eigentlich. Salz lässt sich auch gut durch Gewürze und Kräuter ersetzen. Vorsicht bei Fertiggerichten: Sie sind oft sehr salzig. 
  • Fettarme Ernährung: Statt gesättigte Fettsäuren (Fleisch, Butter) eher ungesättigte Fettsäuren (Fisch, Pflanzenöle) verspeisen. So lässt sich gleichzeitig das Gewicht verringern. 
  • Regelmäßig trainieren: Bewegung trainiert nicht nur die Muskeln, sondern auch den Kreislauf. Am besten sind Ausdauersportarten. Aber auch ein täglicher strammer Fußmarsch hält den Blutdruck in Schach. 
  • Entspannen: Jedem hilft etwas anderes – ein Buch lesen, Musik hören, Gartenarbeit oder Entspannungstechniken. Wichtig ist einmal abzuschalten, egal wie. Auch „Nein“ sagen kann den Druck im wahrsten Sinne des Wortes senken. 
 

Alarm am Lebensmotor: Koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Industrieländern die häufigsten Todesursachen, allen voran die koronare Herzkrankheit. In Deutschland leiden etwa 9 Prozent der Männer und gute 6 Prozent der Frauen an dieser Erkrankung. Die Häufigkeit steigt mit dem Alter deutlich: Bei den über 65-Jährigen betrifft es 28 Prozent der Männer und 19 Prozent der Frauen.
Bei der koronaren Herzkrankheit wird das Herz infolge verengter Herzkranzgefäße schlechter durchblutet. Die Verengung entsteht, weil Kalk und Fett sich in der Gefäßwand ablagern (Arteriosklerose genannt) und die Gefäßwand immer dicker und steifer wird. Lange Zeit merkt man davon aber nichts. Erst wenn etwa 70 Prozent des Gefäßinnenraums verstopft sind, treten Beschwerden auf. Typisch sind plötzliche Schmerzen in der Brust bei körperlicher Anstrengung, in der Fachsprache Angina pectoris genannt.
Die Gefäßinnenhaut über den Ablagerungen kann jederzeit leicht einreißen. Dann lagern sich sofort Blutplättchen an und es bildet sich ein Blutgerinnsel. Das kann die Herzarterie vollends verstopft. Es kommt zu einem Herzinfarkt. Das erleben in Deutschland täglich 800 Menschen. 2010 starben mehr als 59.000 Menschen daran. 
Menschliches Herz - Illustration

Im Ruhezustand schlägt des Herz eines erwachsenen Menschen etwa 70 mal pro Minute.

Auf Warnsignale schnell reagieren 
Alarmsignale sollten immer ernst genommen werden. Das heißt: Lieber einmal unnötig als zu spät den Notarzt rufen. Anzeichen für einen Herzinfarkt:
 
  • Stechende oder brennende Brustschmerzen, die oft in die Arme, den Oberbauch, die Schulterblätter, den Rücken oder in den Hals und Kiefer ausstrahlen
  • Starkes Enge- und Druckgefühl im Brustkorb mit Luftnot – als ob ein Elefant auf der Brust steht
  • Schweiß auf der Stirn, blasse Haut , Schwächegefühl
  • Besonders bei Frauen sind Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen im Oberbauch und Luftnot manchmal die einzigen Anzeichen
  • Achtung: Vor allem Diabetiker erleiden häufig völlig schmerzlose Herzinfarkte 
 
Was das Herz schädigt
Die Gefahren fürs Herz lauern einerseits in den Genen und andererseits im Lebensstil. Häufige Herzinfarkte in der Familie steigern deutlich das eigene Risiko. Selbst gelegentliches Rauchen schadet dem Herzen. Je weniger körperlich fit man ist, desto höher das Herz-Kreislauf-Risiko. Übergewicht beschleunigt die Arterienverkalkung und führt nicht nur zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sondern auch zu Zucker- und Fettstoffwechselstörungen. Wie Bluthochdruck belasten diese Erkrankungen das Herz. Inzwischen weiß man auch, dass seelische Probleme das Herz stark schädigen können – auch bei jungen Menschen. Depressionen erhöhen das Herzinfarktrisiko.
 
Prävention und Hilfe: Das tut dem Herzen gut
Grunderkrankungen wie Bluthochdruck und Zuckerkrankheit müssen richtig behandelt werden, damit das Herz nicht in Gefahr gerät. Und wer möglichst lange ein gesundes Herz haben möchte, sollte außerdem seinen Lebensstil auf den Prüfstand stellen:
 
  • Mit dem Rauchen aufhören: Jede Zigarette verkürzt das Leben um 25 bis 30 Minuten.
  • Essen in Maßen: Ein 65-Jähriger braucht nur noch 75 bis 80 Prozent der Kalorien, die ein 33-Jähriger verzehren kann
  • Das Richtige essen: Die Mittelmeerküche schützt das Herz. Das heißt viel Gemüse und Obst, Vollkornprodukte, Seefisch, Hülsenfrüchte, Nüsse und pflanzliche Öle. Noch eine gute Nachricht für Naschkatzen: Das Herz liebt Schokolade mit hohem Kakaoanteil.
  • Bewegen: Jeden Tag 30 Minuten körperliche Aktivität senkt deutlich das Herzinfarktrisiko. Dazu zählen auch ein flotter Spaziergang und Treppensteigen. Ausdauersport wie Walking, Joggen und Schwimmen fördert den Abbau von Stresshormonen und die Blutgefäße entspannen sich. 
  • Stress abbauen und Auszeiten nehmen: Autogenes Training, Yoga oder Achtsamkeitsübungen stimulieren den Vagusnerv. Er sorgt dafür, dass Blutdruck und Herzfrequenz sinken. 
 
Daniela Schmidt
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