21.05.2015
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Finnland: Tango und unendliche Weiten

Von wegen kühler Norden! Helsinki ist eine Stadt in Sommerlaune - eine nordische Metropole mit überraschend mediterranem Flair, unzähligen Straßencafés, einer quirligen Kulturszene und buntem Hafentreiben. Sie bildet das Eingangstor nach Finnland und ist zugleich Drehtür ins nahe Baltikum und russische Sankt Petersburg. Einmalig der Hafen, der sich bis ins Zentrum vorschiebt. Hier ankern riesige Luxusfähren direkt am Marktplatz.

Lebensqualität wird hier groß geschrieben

Elegante Designer-Läden und blühende Parkanlagen laden zum Flanieren und Pausieren ein. Helsinki weiß den Sommer zu genießen mit bunten Märkten, Straßencafés, Openair-Musik und viel Kultur in weißen Nächten. Und überall spürt man die Nähe zum Meer: Noch in Sichtweite liegt die Festungsinsel Suomenlinna, von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Heute ist Suomenlinna Museumsgelände und beliebter Erholungsort. Arktische Tiere sind auf der Zooinsel Korkeasaari zu sehen.

Gerade einmal 500.000 Einwohner zählt Helsinki. Da überrascht es kaum, dass sich die nordeuropäische Metropole bequem zu Fuß entdecken lässt mit seine Sehenswürdigkeiten, der neuen Museumsmeile und den Vierteln in prächtigem Jugendstil. Lebensqualität wird hier groß geschrieben: Die Natur liegt direkt vor der Haustür. Im Nationalpark Nuuksio kann man in weiten Wäldern, Schluchten und Tälern mit ungebändigten Wildbächen noch Naturabenteuer erleben. Selbst die seltene Tiere wie etwa die Falkeneule sind mit etwas Geduld zu sehen.

Die so genannte Dreiecksroute verbindet die jetzige Hauptstadt Helsinki mit ihrer Vorgängerin Turku, der ältesten Stadt Finnlands. Dazwischen liegt eine der ältesten Kulturlandschaften des Landes. Tampere, die Dritte im Bunde, ist größte Stadt des Binnenlandes. Historischen Pfaden folgt man auf der Königsroute, einem Streckenabschnitt entlang der Südküste. Am 23. Juni feiert ganz Finnland das Fest der Sommersonnenwende. Meterhohe Holzfeuer am Seeufer sollen nach altem Brauch die Kraft der Sonne verstärken und machen die Nacht zum Tag. Geschlafen wird nicht, das gilt auch in Helsinki. Und wer Glück hat, erlebt den Lieblingstanz der Finnen: Den Tango. Unsere "Nationalmusik", wie der finnische Kultregisseur Aki Kaurismäki sagt. Endlose Weite der Landschaft und drangvolle Enge der Seele, Leidenschaft und Dramatik - Tango eben. Finnischer Tango.

Endlose Wälder und 60.000 Seen

An den durchschnittlich 100 km breiten Küstenstreifen schließt sich landeinwärts die Finnische Seenplatte mit sage und schreibe 60.000 Seen an. Der besondere Reiz dieser Landschaft liegt im Zusammenspiel von Land und Wasser in Buchten, Inseln, Halbinseln und stromschnellenreichen Flüssen. Als Urlaubsziel besonders beliebt ist die Seenplatte im Sommer, wenn die zahllosen Wasserflächen in der Sonne blinken und die bräunlich-grünen Sümpfen zwischen den dunkelgrünen Nadelwäldern hervorschimmern. Hier haben auch Elche, Wölfe, Luchse und sogar Braunbären noch ein Rückzugsgebiet gefunden.

Wer das Naturparadies der Seenplatte ausgiebig genießen will, mietet sich am besten eines der komfortablen Ferienhäuser. Diese direkt an den Seen gelegenen Blockhütten sind komplett ausgestattet mit Sauna und Ruderboot eine perfekte Basis zum Baden, Angeln und Wandern.

Suche nach dem schnellen Glück

Wer noch mehr Ruhe sucht, der, findet sie im Norden Finnlands: Nördlich des Polarkreises liegt Lappland, eine der letzten Wildnisse in Europa. Naturbelassen und für den Wanderer dennoch bestens erschlossen. Verloren geht hier niemand, denn die nächste Hütte ist nie weit.

Anno 1799 führte der Italiener Guiseppe Acerbi die erste Expedition zum Nordkap. Er folgte den Flussläufen des Tornio und Muoniojoki, um an den Nordzipfel Europas zu gelangen. Auf der Suche nach dem schnellen Glück brachen ein Jahrhundert später Prospektoren und Goldsucher in den Osten Lapplands auf. Es war im Jahr 1868, als im Ivalojoki auf Anhieb ein 60 Milligramm schweres Nugget gefunden wurde. Die Kunde davon verbreitete sich im Nu. Lappland erlebte seinen ersten Goldrausch, und die Legende vom finnischen Klondike war geboren.

Routen für jeden Geschmack

Dem Ruf des Goldes folgen heute nur noch wenige waschechte Digger. Geblieben ist bis dato jedoch die Lust auf Abenteuer und Romantik in lappländischer Urnatur. Hier warten Entdeckerfreuden in unberührten Weiten mit imposanten Fjälls, lichten Urwäldern, steiniger Tundra und trinkbar klaren Flüssen. Und im Goldgräberdorf Tankavaara lässt sich das Schürferleben noch einmal original nachvollziehen mit etwas Glück sogar mit Aussicht auf ein Körnchen Gold.

Wer auf den Spuren von Acerbis und der Glücksritter Finnisch-Lappland zu Fuß entdecken will, ist nicht auf sich gestellt. Die Wildmark erschließen sorgsam gepflegte und markierte Wanderpfade. Entlang der Wege steht eine vorbildliche Infrastruktur zur Verfügung mit einem flächendeckenden Netz von Rastplätzen, Feuerstellen und reservierbaren Hütten. Ein Routennetz von insgesamt über 2.000 Kilometern bietet eine Vielfalt von Wandermöglichkeiten für jeden Geschmack: Vom kurzen Fußmarsch auf Naturpfaden bis zu anspruchsvollen mehrtägigen Touren durch unterschiedliche Vegetationszonen mit oder ohne Begleitung eines Wildmarkführers.

Himmlisches Farbenspiel

Es gibt nicht viele Plätze auf dem Globus, an denen es so still ist im Winter. Sechs Monate lang scheint hier die Sonne nicht. Die arktische Märchenlandschaft im Norden Finnlands, Heimat von Elch und Bär, ist fast menschenleer und in blau-weißes Dämmerlicht getaucht. Das atemberaubende Phänomen heißt "Kaamos". Nur der Mond und die funkelnden Sterne erhellen die watteweißen Wälder und zugefrorenen Seen Lapplands. In klaren Nächten flackern Nordlichter in sanftem Lila oder Violett. Das himmlische Farbenspiel zeichnet jeden Umriss frostscharf nach. Nach altem Glauben der Samen erscheint das Polarlicht, wenn ein Fuchs mit seinem Schwanz eine funkensprühende Furche in den Schnee schlägt.

Wer zum Polarkreis will, darf Einsamkeit nicht fürchten. Finnisch Lappland ist etwas für gefestigte Seelen für Bücherleser, Nachdenker, Klarluftbegeisterte und Skifahrer. Der Schnee ist pulvrig fein und eine Sportunterlage der Extra-Klasse fjällauf und fjällab. Die Skigebiete sind so weitläufig, dass einem manchmal für Tage niemand in die Quere kommt. Schließlich leben auf jedem der knapp 99.000 Quadratkilometer rechnerisch etwas mehr als zwei Menschen; die Rentiere sind in der Überzahl.

Die Faszination der Stille

Vor allem Langlauf-Fans finden paradiesische Bedingungen. Auf Tausenden Kilometern Loipen schwerelos dahingleiten unendliche Weiten, die zivilisierte Welt weit weg. Entschleunigen, der Unruhe des digitalen Zeitalters ein Schnippchen schlagen. Zu sich finden. So extrem wie die Stille ist auch das Klima. An manchen Tagen fällt das Thermometer bis auf minus 40 Grad Celsius. Klirrende Grade, die auf Grund der extrem trockenen Luft aber nicht so kalt erscheinen.

Dennoch ist die abendliche Heimkehr in die Blockhütte eine Wohltat. Am prasselnden Kaminfeuer und bei traditionellen finnischen Mahlzeiten Pfefferkuchen, Hammel und Steckrübenkasserolle werden müde Geister wieder lebendig. Perfekter Ausklang: Der Besuch einer finnischen Sauna. Im ganzen Land gibt es rund 1,6 Millionen dieser Schwitzhütten selbst in den entlegensten Gebieten. Bei mehr als 100 Grad wird Hitze getankt, um sich anschließend im frischen Pulverschnee zu wälzen.

(H&A medien/Paul Balthasar)