24.05.2013
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Polen (Polska)

Das Land der Piasten (bis 1386)

Unter den elb- und ostseeslawischen Stämmen, die den Raum des heutigen Polen besiedelten, waren die Polanen, denen Polen seinen Namen verdankt, der wichtigste. Sie saßen im Bereich der Warthe, in der Landschaft, die seit dem späten Mittelalter »Großpolen« heißt. Östlich von den Polanen, an der mittleren Weichsel, siedelten die Masowier, weiter südlich, am Oberlauf des Stromes, die Wislanen. In Niederschlesien lebten die Slenzanen, in Oberschlesien die Opolanen und Golensizen. Nördliche Nachbarn der Polanen - zwischen unterer Weichsel und Oder - waren die Pomoranen. Die Stämme siedelten dort, wo trockener, nicht zu schwerer Boden das Ackern mit dem Hakenpflug zuließ. Breite urwaldähnliche Zonen trennten sie voneinander.

Mieszko I. (um 960-992), der erste historisch bekannte Piastenfürst, der 966 zum römischen Christentum übertrat, herrschte über ein gefestigtes Staatswesens, das im Norden in harte Grenzkämpfe verwickelt war, sich im Westen über die Oder und im Südwesten und Süden nach Schlesien und Kleinpolen auszuweiten bemühte. Mieszkos Sohn, Boleslaw I. Chrobry, der Tapfere 992-1025), kämpfte gemeinsam mit dem Kaiser gegen die heidnischen Stämme zwischen Oder und Elbe und förderte das Christentum. Er unterstützte 996 den Bischof Adalbert von Prag, der ihn um Hilfe bei der Bekehrung der Pruzzen am Frischen Haff gebeten hatte. Als Adalbert dabei den Märtyrertod starb, ließ Boleslaw ihn in Gnesen beisetzen, das dadurch zum sakralen Mittelpunkt des Piastenlandes wurde. Kasimir I., der Erneuerer (1025-1034) verlegte die Residenz in das kleinpolnische Krakau, womit sich der Schwerpunkt Polens für mehr als 500 Jahre an die obere Weichsel verlagerte.

Streitigkeiten innerhalb des Piasten-Hauses wurden vor allem dadurch verursacht, dass es keine feste Regelung zur Verteilung der Herrschaftsrechte und Erbfolge gab. Um die Bruderkriege zu beenden, schuf Boleslaw III. Krzywousty (1102-1138) eine Senioratsverfassung. Danach sollte der jeweils Älteste des gesamten Hauses »Senior« und damit Inhaber der Herrschaftsrechte - Verwaltung, Gericht, Münze, Heerführung - sein und als unmittelbaren Besitz Krakau, das südliche Großpolen und die Oberhoheit über Pommern erhalten. Den anderen Söhnen wurden Provinzen zugeteilt. Schon in der ersten Generation bewährte sich die neue Ordnung nicht. Die Dezentralisierungstendenzen führten zu Sonderentwicklungen in den Teilfürstentümern.

1241 durchzog ein Teil des Ungarn angreifenden Mongolenheeres Polen. Die schlesisch-großpolnische Ritterschaft stellte sich ihm unter Heinrich II., dem Frommen (1238-1241), einem Sohn der heiligen Hedwig, bei Liegnitz zum Kampf und erlitt eine vernichtende Niederlage. Sandomir, Krakau und Breslau gingen in Flammen auf. Wegen des Todes des Großkhans kehrten die Mongolen dann aber nach Asien zurück. Bereits im 12. Jh. hatte eine intensive Kolonisierung aus dem Gebiet des Heiligen Römischen Reiches eingesetzt, als Fürsten und kirchliche Institutionen versuchten, Siedler für ihre Güter heranzuziehen. Die überwiegend deutschen Neusiedler prägten vor allem das Bild der Städte. Der Landesausbau des 13. Jh. erfasste am intensivsten den westlichen Rand von Polen, d. h. das Land Lebus und den westlich der Oder gelegenen Teil von Schlesien. Seit dem 12. Jh. wurden Raubüberfälle der Pruzzen (Preußen) und Litauer aus dem Norden und Osten des Landes für die einzelnen Teilfürsten zu einem unlösbaren Problem.

Herzog Konrad I. von Masowien (1229-1232, 1241 bis 1243) rief zur Abwehr der Pruzzen 1225 den Deutschen Orden mit seinem Großmeister Hermann von Salza zu Hilfe. Nach der Unterwerfung der Pruzzen (1283 abgeschlossen) weitete der Orden seine weltliche Herrschaft 1308 über das von Polen beanspruchte Pomerellen aus. Der Hochmeistersitz wurde von Venedig in die neu erbaute Marienburg (Malbork) verlegt. Der Streit mit dem Orden um den Zugang Polens zur Ostsee - sollte auch im 14. und 15. Jh. die polnische Geschichte wesentlich bestimmen.

Nach einer langwierigen Auseinandersetzung mit Böhmen und der Niederwerfung der wichtigsten Städte konnte Wladyslaw I. (1306-1333) einen Teil des Adels von Klein- und Großpolen auf seine Seite bringen und ließ sich 1320 in Krakau zum König krönen. Unter seinem Nachfolger Kasimir III., dem Großen (1333-1370), gewannen die Städte, insbesondere Krakau und Lemberg, an Bedeutung. In Verträgen mit dem König von Böhmen 1335 in Trentschin und Visegrád sowie mit dem Deutschen Orden 1343 in Kalisch verzichtete er auf große Teile Schlesiens bzw. Pomerellen und das Kulmer Land. Als Ausgleich für die Verluste im Westen konnte Kasimir Teile des Fürstentums Wladimir gewinnen und erhielt Masowien, Kujawien und Dobrin zurück.

Die Schlachta (poln. szlachta = Adel) und teilweise auch die Städte gewannen im 14. Jh. ein größeres Mitspracherecht. Die Entwicklung zum Ständestaat vollzog sich auch in Polen. Kasimirs Neffe, Ludwig I. (1370-1382) aus dem Hause Anjou-Neapel und König von Ungarn, befreite 1355 im Privileg von Ofen, die Schlachta weitgehend von Steuern und Dienstpflichten gegenüber der Krone und konnte sich so 1370 in Krakau mit Zustimmung des polnischen Adels zum König krönen lassen.

  1. Das Land der Piasten (bis 1386)
  2. Die Jagiellonen-Herrschaft (1386-1572) [1]
  3. Adelsrepublik und Teilungen Polens (1572-1795) [2]
  4. Volk ohne Staat (1795-1918) [3]
  5. Neue Staatlichkeit (1918-1939) [4]
  6. Im Zweiten Weltkrieg (1939-1945) [5]
  7. Volksdemokratie (1945-1989) [6]
  8. Die Republik Polen (seit 1989) [7]