20.05.2013
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Ziege

Nach dem Hund ist die Hausziege (Capra aegagrus hircus) etwa zeitgleich mit dem Schaf vermutlich das erste wirtschaftlich genutzte Haustier des Menschen. Ziegen liefern Fleisch, Leder und Milch - sogar mehr als Schafe - und je nach Rasse sogar Wolle. Ziegen sind sehr genügsam und anpassungsfähig, aber überaus eigenwillig und intelligent.

Von der Wildziege zur Hausziege

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Der Alpensteinbock (Capra ibex) ist eine in eurasischen Gebirgen verbreitete Art der Ziegen.

Bekannt sind fünf Wildziegenarten: der Alpensteinbock (Capra ibex), der Pyrenäen-Steinbock (Capra pyrenaica), der Tur (Capra caucasia), der Bezoar (Capra hircus) und der Markhor (Capra falconeri). Im Wesentlichen stammen die Hausziegen vom Bezoar ab, und zwar von seiner Unterart Capra hircus aegagrus. Lediglich einige Rassen in Zentralasien scheinen vom Markhor beeinflusst zu sein. Ihre Hörner sind im Gegensatz zu den säbelförmigen der Bezoars schraubenförmig gedreht. Echte Wildziegen - zu unterscheiden von verwilderten Hausziegen - leben in geringen Beständen in Gebirgen zwischen dem Himalaja und den griechischen Inseln. Sie stehen unter strengem Naturschutz. Im Unterschied dazu sind die verschiedensten verwilderten Hausziegenrassen von Schottland bis Neuseeland verbreitet.

Übrigens können weibliche Ziegen erfolgreich von Schafböcken gedeckt werden, was umgekehrt nicht möglich ist. Die zur Welt gebrachten Hybriden sind - bis auf wenige Ausnahmen - allerdings unfruchtbar.

Da es sehr unterschiedliche Ziegen- sowie Schafrassen gibt, die auf den ersten Blick nicht mehr zuzuordnen sind, ein kleiner Hinweis: Stellt das Tier den Schwanz in der Bewegung auf, handelt es sich um eine Ziege. Schafe lassen ihn immer hängen.

Ziegen sind wohl die ersten Wiederkäuer, die vom Menschen domestiziert wurden. Dort wo die ersten Menschen begannen, sich mit Ackerbau sesshaft zu machen, lebten auch Wildziegen: in Südwest-Asien. Bei den ersten Aufzuchten - vermutlich aufgefundener Ziegenkitze - kam den Menschen sicherlich die hohe Widerstandskraft der Ziegen zu Gute. Zudem waren sie, im Gegensatz zu Schafen, besser an die natürliche Begrenzung der menschlichen Siedlungen angepasst, den Wald. Archäologische Funde belegen die Haltung von Hausziegen bereits im 8. bis 7. Jahrtausend v. Chr. im Gebiet des heutigen Irak, Iran, Anatolien und Palästina. Im Neolithikum breitete sich die Ziegenzucht über Asien, Europa und Afrika aus. Spätestens in der Jungsteinzeit sind auf diesem Weg Hausziegen dauerhaft nach Mitteleuropa gelangt.

Die Ziege hat den Ruf, die „Kuh der Armen“ zu sein. Tatsächlich leben 93% des weltweiten Ziegenbestandes in den - meist in den Tropen liegenden - so genannten Entwicklungsländern. Ziegen können auch sehr spärliche und nährstoffarme Vegetation nutzen und tatsächlich dort gut gehalten werden, wo das verfügbare Futter für ein Rind nicht mehr ausreicht. Die genügsamen Tiere verwerten sogar Stroh und menschliche Abfälle. Zudem lammen Ziegen bereits mit zwei Jahren erstmals (Kühe vor allem in den Tropen erst mit vier, fünf Jahren), so dass rasch Milch zur Ernährung der Menschen zu Verfügung steht. Werden mehrere Ziegen statt einer Kuh gehalten, steht das ganze Jahr über die nahrhafte Ziegenmilch zur Verfügung. In den schlechteren Zeiten wurden Ziegen selbst in Städten wie dem Ruhrgebiet von ärmeren Familien auf kleineren Grünflächen gehalten, als „Kühe des Bergmanns“.

Durch die wachsende Nachfrage nach Ziegenmilchprodukten hat sich der Ziegenbestand allein in Deutschland in den letzten zehn Jahren auf über 200 000 Tiere verdoppelt. Weltweit geht man von etwa 150 Millionen Ziegen aus.

  1. Von der Wildziege zur Hausziege
  2. Biologie [1]
  3. Genügsame Wiederkäuer [2]
  4. Fortpflanzung [3]
  5. Herdentier [4]
  6. Anschaffung einer Ziege? [5]
  7. Die Ziege in der Mythologie [6]

Bibliografie:

  • Nadia Achammer: Ziegen - natürlich halten und heilen. Artgerechte Aufzucht. Bewährte Naturheilmittel. Milchverarbeitung, Oertel & Spörer 2008
  • Annette Arnold, René Reibetanz: Alles für die Ziege. Handbuch für die artgerechte Haltung. pala-verlag, Darmstadt 2008
  • Stanislaus von Korn, Ulrich Jaudas, Hermann Trautwein: Landwirtschaftliche Ziegenhaltung, Ulmer Verlag 2007
  • Andrea Kurschus: Das Milchziegenbuch, Ulmer Verlag 2005
  • Alice Stern-Les Landes, Alice Rieger: Tiere halten hinterm Haus: Haltung, Pflege und Ernährung, Kosmos (Franckh-Kosmos) 2006