21.05.2013
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Die Bauernkriege im deutschen Reich, 1460-1525

Frühe Aufstände im Süden

Der Bundschuh

Der mit langen Riemen versehene Bauernschnürschuh galt als Gegensatz des gespornten Ritterstiefels. Der Sage nach war sein Bild schon im ersten Kreuzzug bei der Eroberung Jerusalems das Feldzeichen der einfachen Leute. Unter dem Zeichen des Bundschuhs begannen um die Mitte des 15. Jahrhunderts die Bauernerhebungen in Deutschland, die über ein halbes Jahrhundert dauern und im großen Bauernkrieg enden sollten. Was die Bauern forderten war nach heutigen Gesichtspunkten bescheiden: Weder sollten die Herren willkürlich Dienste von ihnen fordern, noch sie nach Gutdünken strafen dürfen, und auch das freie Recht auf ihr Erbe sollte den Bauern zustehen.

Bauernführer Joß Fritz

Unter dem "Bundschuh" hatten sich schon 1460 die Bauern im Hegau, 1493 in Schlettstadt und neun Jahre später im Bistum Speyer erhoben; aber die Empörungen wurden niedergeworfen, noch ehe sie richtig begonnen hatten. Der Anführer der Bauern von Speyer, Joß Fritz, war dem Zugriff der Obrigkeit entkommen und nach Lehen, nahe Freiburg, gezogen. Als sich 1513 die Bauern in der Schweiz empörten und es an verschiedenen deutschen Orten zu gären begann, organisierte Joß Fritz auch in Lehen den "Bundschuh". Sein Reformprogramm enthielt bereits alle jene Forderungen, die ein Jahrzehnt später in den berühmten "Zwölf Artikeln" der Bauern gestellt wurden. Der Aufstand in Lehen wurde verraten. Die Obrigkeit schlug hart zu und ließ dreizehn der Aufrührer hinrichten. Joß Fritz entkam erneut und organisierte 1517 ein drittes Mal den "Bundschuh" am Oberrhein. Auch dieser Aufstand wurde niedergeschlagen. Joß Fritz aber verbreitete weiter die Idee des Widerstands gegen das Unrecht der Feudalherren.

Zunehmende Unruhen

Die Erhebungen unter dem Zeichen des "Bundschuh" waren nicht die einzigen in Deutschland. Überall gärte es, kam es zu Ausbrüchen des berechtigten Volkszorns. Auch in der Schweiz, in Salzburg, in der Steiermark und in Kärnten hatten sich Unruheherde gebildet. In Württemberg schlossen sich 1514 die Bauern gegen den Steuerdruck Herzog Ulrichs im "Armen Konrad" zusammen, und in ihrem Aufstand verschmolzen lokale Belange und Interessen mit den grundsätzlichen Ideen des "Bundschuh".

Der Pfeifer von Niklashausen

Ebenfalls lokal begrenzt, aber wieder ganz anderer Art war 1476 die Bewegung des "Pfeifers von Niklashausen" im Fränkischen, Hans Böhm. Er verkündete, die heilige Jungfrau sei ihm erschienen und habe ihm offenbart, dass alle Menschen vor Gott gleich seien, es dürfe keine weltliche Obrigkeit mehr geben, Zins, Pacht und Steuern müssten abgeschafft werden, Wald, Wasser und Weide sollten allenthalben frei sein. Er polemisierte gegen das Regiment der Fürsten und gegen die unchristliche Geistlichkeit. Zehntausende liefen ihm zu, doch bevor die Bewegung militant wurde, schritt der Bischof von Würzburg ein. Hans Böhm und zwei seiner Gefährten wurden hingerichtet.

  1. Frühe Aufstände im Süden
  2. Erhebungen im Südwesten [1]
  3. Maßvolle Forderungen der Bauern - Die "Zwölf Artikel" [2]
  4. Der Schwäbische Aufstand [3]
  5. Der Aufstand an Tauber, Main und Neckar [4]
  6. Entwurf einer modernen Reichsverfassung [5]
  7. Der Aufstand in Franken [6]
  8. Unruheherd Thüringen [7]
  9. Der Anfang des absolutistischen Territorialstaates [8]
  10. Teste dein Wissen! [9]

Bibliografie:

  • Peter Blickle: Der Bauernkrieg. Die Revolution des Gemeinen Mannes, München 32005
  • Ders.: Die Revolution von 1525, München 42004
  • Jan Scheunemann (Hrsg.): Reformation und Bauernkrieg. Erinnerungskultur und Geschichtspolitik im geteilten Deutschland, Leipzig 2010