22.05.2013
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Technikgeschichte: Steinwerkzeuge und erste Gegenstände aus Metall - Von den Anfängen bis 3000 v. Chr.

Vom Australopithecus zum Homo sapiens

Nach Funden im Osten und Süden Afrikas liegt der Beginn der Altsteinzeit (Paläolithikum) rund drei Millionen Jahre zurück. Der Homo habilis - wohl das erste Lebewesen, das sich als Mensch bezeichnen lässt - bearbeitete als Erster den Stein. Seine Werkzeuge bestanden aus einfachen Geröllstücken, die so behauen wurden, dass sie Schnittflächen erhielten.

Lange Zeit - der Homo habilis war noch nicht entdeckt - glaubten die Anthropologen, die aufgefundenen einfachen Steinwerkzeuge wären Artefakte, die dem Australopithecus zuzuschreiben seien, einem sog. Urmenschen in der Übergangsphase vom Tier zum Menschen, der etwa zur gleichen Zeit im gleichen Gebiet wie der Homo habilis lebte. Dem standen anatomische Merkmale der Australopithecinae entgegen. Insbesondere die starke Jochbeinbildung wies auf sehr kräftig entwickelte Kaumuskeln hin, was auf einen reinen Pflanzenesser schließen ließ. In dieses Bild passte auch das Gebiss. Ein primitiver Pflanzenesser benötigte aber kaum scharfe Steinwerkzeuge, wie sie sonst typische Artefakte von frühen Jägern sind. Also suchten einige Forscher nach einem zeitgleich mit dem Australopithecus lebenden Gemischtköstler bzw. nach seinen Überresten. Als dann in den fünfziger Jahren unseres Jahrhunderts das britische Anthropologenehepaar Mary Douglas und Louis Seymour Leakey in Tansania und später auch in Kenia erste Schädelknochen des Homo habilis fand, löste sich das Rätsel: Der Homo habilis war ganz offensichtlich ein Gemischtköstler. Er benötigte also Jagdwerkzeuge: Steine zum Werfen oder auch Schleudern und scharfkantige Geröllbruchstücke zum Zerteilen der erlegten Beutetiere.

Den Australopithecinae und dem Homo habilis folgte zeitlich der Homo erectus, der "aufrechte Mensch". Es ist nicht sicher, wie er sich aus seinen Vorfahren entwickelt hat. Manche Forscher halten ihn für einen Nachfahren des Australopithecus, wofür einige anatomische Merkmale sprechen, die der Homo habilis schon überwunden hatte. Als wahrscheinlicher gilt aber dennoch die Abstammung von Letzterem. Der Homo erectus tauchte in verschiedenen Rassen vor etwa zwei bis anderhalb Millionen Jahren an unterschiedlichen Stellen der Altweltkontinente auf, u. a. in Mitteleuropa, in Ost- und Südafrika und auf Java, wo sein Vorkommen durch Funde besonders gut belegt ist. Als jüngstes Mitglied der Art Homo erectus erschien vor etwa 500 000 bis 400 000 Jahren der "Pekingmensch" (Homo erectus pekingensis) im Gebiet der heutigen Volksrepublik China.

Die Werkzeuge des Homo erectus, der noch ohne Behausung als Jäger und Sammler in Steppen und Urwäldern lebte, bestanden aus Stein und dienten dem Ausgraben von Wurzeln und dem Erlegen und Zerteilen von Wild. Die Anthropologen nennen die noch roh und kunstlos zugehauenen Steine Abbevillien-Werkzeuge. Ihrer Benutzung ging vermutlich die Verwendung von Holzknüppeln und Ästen zum Schlagen und als Grabstöcke voraus. Vermutlich wurden Geröllsteine zum Werfen benutzt. Der Homo erectus lernte im Verlauf der Jahrhunderttausende, die Eigenschaften verschiedener Steinarten zu unterscheiden, und bevorzugte solche, die sich am besten zur Werkzeugherstellung eigneten: Feuerstein, Hornstein, Quarz, Jaspis, Obsidian und verschiedene Kristalle. Diese Mineralien lassen sich gut spalten, sind relativ hart und zeichnen sich durch scharfe Abschlagkanten aus. Verwendete der frühe Altsteinzeitmensch zunächst nur örtlich vorhandenes Material, so unternahm er im Jungpaläolithikum weite Wanderungen, um geeignete Rohstoffe zu finden. Möglicherweise entwickelte sich bereits auch so etwas wie ein Tauschhandel.

Neben Steinwerkzeugen benutzte der Homo erectus sehr wahrscheinlich auch schon Werkzeuge aus Röhren- und Schädelknochen, wobei er besonders die Röhrenknochen längs spaltete. Auch Tierzähne erfüllten den Zweck von Werkzeugen.

Aus dem Homo erectus gingen in verschiedenen Teilen der Welt in unterschiedlichen Ausprägungen die ersten Vertreter des Homo sapiens, des "vernunftbegabten" Menschen, hervor.

  1. Vom Australopithecus zum Homo sapiens
  2. Der vernunftbegabte Mensch [1]
  3. Der Mensch von Cromagnon [2]
  4. Kulturelle Revolution im Neolithikum [3]
  5. Häuser aus Lehm und Stein für Ackerbauern [4]
  6. Ausbreitung der neuen Lebensweise [5]
  7. Auf dem Weg zur Hochkultur [6]

Bibliografie:

  • Marie-Louise ten Horn-van Nispen: 400 000 Jahre Technikgeschichte. Von der Steinzeit bis zum Informationszeitalter, Hamburg 2005
  • Wolfgang König (Hrsg.): Propyläen Technikgeschichte, 5 Bde., Berlin 1999