26.10.2017
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So machen sich Tiere fit für den Winter

Ob Kältestarre, Winterschlaf oder "Urlaub" im wärmeren Süden: Jedes Tier, das bei uns heimisch ist, verbringt den Winter auf seine eigene Weise. Doch eines haben alle Arten gemeinsam: Sie müssen im Herbst die letzten Vorbereitungen für die kalte Jahreszeit treffen. Womit sind Eichhörnchen, Igel und Co jetzt beschäftigt? Wir erklären, wie sich Tiere winterfit machen.

Igel beim Fressen
Obwohl der Igel ein Fleisch­fresser ist, nimmt er im Herbst auch Fallobst.

Im Winter scheint das Leben in der Natur nahezu still zu stehen. Denn in den kalten Monaten lassen sich draußen viel weniger Tiere blicken als sonst. Einzig am Vogelfutterhäuschen herrscht noch reges Treiben. Bisweilen lassen sich Rehe und Hirsche entdecken oder ein Eichhörnchen, das verschlafen in der Erde buddelt. Die meisten Tiere aber verschwinden in der dunklen Jahreszeit für eine gewisse Zeit von der Bildfläche: Sie ziehen sich in gemütliche Verstecke zurück oder wandern vorübergehend aus.

So beginnen unter anderem Schwalben, Drosseln, Kraniche und Nachtigallen im Herbst eine große Reise zu wärmeren Gefilden. Geleitet von ihrem Instinkt und einem angeborenen Kompass brechen die Zugvögel in Scharen zu ihren Winterquartieren in Afrika, Südasien oder dem Mittelmeerraum auf, wenn die Tage bei uns kürzer werden. Die ersten von ihnen machen sich bereits ab Anfang August auf den Weg.

Auffliegende Wildgänse
Wildgänse zählen zu den bekanntesten und auffälligsten Zugvögeln in unseren Breiten.
Aufbruch ins Warme

Etwa die Hälfte der rund 250 Vogelarten, die in Deutschland brüten, gehören dem Naturschutzbund Nabu zufolge zu den Zugvögeln. Sie sind vorwiegend Insektenfresser und finden im Winter nicht mehr genügend Nahrung bei uns. Bleiben sie, drohen sie zu verhungern oder zu erfrieren. Deshalb kommen sie erst mit den wärmeren Temperaturen im Frühjahr zurück, wenn hierzulande wieder viele Insekten durch die Luft schwirren.

Längst verlassen jedoch nicht mehr so viele Vögel wie einst ihre Sommerheimat. Manche Arten ersparen sich die kräftezehrende Reise inzwischen teilweise oder ganz und reagieren damit auf die erhöhten Temperaturen durch den Klimawandel. Weißstörche oder Mönchsgrasmücken etwa legen seit einigen Jahren immer kürzere Strecken zurück - manche Exemplare überwintern sogar in Deutschland. Dank zunehmend milden Bedingungen finden sie in unseren Breitengraden auch im Winter noch ausreichend Nahrung.

Eichhörnchen beim Vergraben einer Eichel
Eichhörnchen sind im Herbst emsig dabei, einen Futtervorrat für die kalte Jahreszeit anzulegen.
Vorratskammer für den Winter

Am Himmel sehen Naturbeobachter ziehende Vögel, wenn es auf den Winter zugeht. Am Boden können sie dagegen regem Treiben einer anderen Art zuschauen: Viele Tiere sind im Herbst emsig dabei, einen Futtervorrat anzulegen. Eichhörnchen sammeln jetzt zum Beispiel Nüsse, Eicheln und Buchecker und vergraben die Leckereien unter Laub oder in der Erde. Warum? Die Nagetiere mit dem buschigen Schwanz verschlafen im Winter zwar viel Zeit in ihrem ausgepolsterten Nest. Sie wachen aber immer wieder mit knurrendem Magen auf. Ihre Energiespeicher können sie dann mit der im Herbst bevorrateten Nahrung füllen.

Eine ähnliche Strategie verfolgen auch der Eichelhäher und der Maulwurf. Während der Vogel wie das Eichhörnchen mit Vorliebe Eicheln für die kalte Jahreszeit versteckt, legt sich der Erdbewohner vor dem Winter eine Art Frischfleischdepot an. Dafür begibt er sich auf Regenwurmjagd und beißt seiner Beute anschließend den Kopf ab. Auf diese Weise können die Würmer nicht davonkriechen und lassen sich bestens bevorraten.

Siebenschläfer
Winterschläfer wie der Siebenschläfer schlagen sich im Herbst den Bauch mit fettreicher Nahrung voll. Dazu gehören zum Beispiel Bucheckern, Eicheln, Haselnüsse, Kastanien und andere Samen.

Fressen, fressen, fressen

Im Gegensatz zu Eichhörnchen verschlafen Tiere wie Igel, Hamster und Siebenschläfer den Winter komplett. Ihre gesamten Körpervorgänge laufen in den kalten Monaten auf Sparflamme - ein bisschen Energie verbrauchen sie aber trotzdem. Daher müssen sich diese Arten im Herbst eine dicke Speckschicht anfressen, um den Winterschlaf gut zu überstehen. Sie schlagen sich den Bauch so voll wie es nur geht, damit der Körper ausreichend Fettreserven hat, von denen er zehren kann. Igel sind zu diesem Zweck entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit auch über Tag aktiv.

Außerdem errichten sich die Tiere in dieser Zeit ein frostsicheres Winterquartier. Das kann ein selbst gegrabener Erdbau oder ein im tiefen Herbstlaub verborgenes Nest sein. In der Regel beziehen Igel und Co ihren Rückzugsort spätestens im Laufe des Novembers - und kommen erst Monate später wieder daraus zum Vorschein.

Langohrfledermaus
Eine Langohrfledermaus richtet sich für den Winter in einer Mauerritze ein. Die langen Ohren werden abgeklappt und unter die Flughaut gelegt.

Frühlingsgefühle im Herbst

Auch die Fledermaus hält Winterschlaf. Doch sie ist jetzt nicht nur damit beschäftigt, sich fleißig Winterspeck anzufressen. Sie hat auch noch eine andere Sache im Kopf: Sex. Fledermausweibchen entwickeln im Herbst regelrechte Frühlingsgefühle und paaren sich mit so vielen männlichen Artgenossen wie nur möglich.

Der Clou: Die ausgetauschten Spermien konservieren die fliegenden Säuger bis zu ihrem Eisprung im Frühjahr. Erwachen sie aus dem Winterschlaf, können sie erst einmal in aller Ruhe auf Beutejagd gehen und an Körpergewicht zulegen, ohne Zeit und Energie für die Fortpflanzung aufwenden zu müssen. Trotzdem kommt ihr Nachwuchs dank dieses Tricks spätestens im Juni zur Welt - und hat dann selbst noch genügend Zeit fliegen zu lernen und sich eine Speckschicht für den kommenden Winter anzufuttern.

Starr vor Kälte

Weniger aktiv geht es im Herbst bei sogenannten wechselwarmen Tieren wie Fröschen, Eidechsen und Fischen zu. Wenn die Außentemperatur sinkt, kühlt das Blut dieser Arten immer weiter ab. Sie werden träge und verstecken sich an möglichst geschützten Orten. Irgendwann tritt dann die Winterstarre ein. Die Tiere werden im wahrsten Sinne des Wortes starr vor Kälte. Ähnlich wie beim Winterschlaf sinken Herzschlag und Atmung dabei auf ein Minimum.

Anders als bei Säugetieren und Vögeln, die ihre Körpertemperatur selbst regeln können, entspricht die Körpertemperatur wechselwarmer Arten mehr oder weniger der der Umgebungstemperatur. Trotzdem können viele Tiere in der Kältestarre auch Temperaturen unter dem Gefrierpunkt aushalten. Dabei verhindert ein körpereigenes Frostschutzmittel, dass das Blut in ihren Adern gefriert.

Bienentraube
Bienen und Hummeln können durch Muskelzittern ihren Thorax auf Betriebstemperatur bringen - und halten.
Wärmende Zitterpartie

Für zahlreiche Insekten bedeutet der Beginn der kälteren Jahreszeit das nahende Ende: Sie sterben. Zuvor haben sie allerdings noch Eier abgelegt - und die überstehen die bevorstehende Kälte. Doch nicht bei jeder Insektenart gehen im Herbst zwangsläufig alle ausgewachsenen Tiere zugrunde. Bei manchen Hummeln und Wespen sterben etwa nur die Königinnen, Arbeiterinnen und Männchen, während die jungen Weibchen in einem geeigneten Versteck in Kältestarre verfallen.

Bei Honigbienen zieht sich das gesamte Volk im Herbst in den Bienenstock zurück und bildet eine sogenannte Wintertraube. Im Zentrum sitzt mit der Königin die wichtigste Biene, um sie herum drängen sich die anderen Mitglieder des Volkes. Durch Zittern der Flügelmuskulatur erzeugen die Insekten im Stock Wärme. Mithilfe dieser Technik können sie die Innentemperatur kurzzeitig sogar bis auf 30 Grad Celsius aufheizen. Als Stärkung während der kalten Jahreszeit dient ihnen der bereits im Sommer eingelagerte Honig.