16.01.2018
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Blockchain – was ist das eigentlich?

"Blockchain" gilt als der Trend der Zukunft – und als wichtiger Durchbruch in der digitalen Welt. Aber was verbirgt sich hinter diesem Begriff? Wie kann man sich diese reichlich abstrakte IT-Prinzip vorstellen? Und wozu ist die Blockchain überhaupt gut? Wir erklären, was hinter dem Hype um die Blockchain steckt und was diese digitale Technologie so besonders macht.

Blockchain-Prinzip
Eine Blockchain enthält in verschlüsselter Form alle Datentransaktionen eines Systems.

Da es jeweils zahlreiche Kopien gibt, die alle bei neuen Transaktionen zur Kontrolle herangezogen werden und die Änderungen akzeptieren müssen, können die Daten nicht nachträglich verändert oder gefälscht werden.

Ob in der Finanzwelt, im Handel oder bei Kryptowährungen wie Bitcoin: Mittlerweile stecken hinter vielen Transaktionen in der digitalen Welt und der Wirtschaft sogenannte "Blockchains" – wörtlich übersetzt heißt das "Ketten aus Blöcken". Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich dabei um spezielle Datenbanken, in denen Transaktionen dezentral und ohne Schummelmöglichkeit gespeichert werden.

Ein Kassenbuch mit tausenden Kopien

Am besten lässt sich das Prinzip der Blockchain mit einer Analogie verdeutlichen: In dieser entspricht die Blockchain einer Art digitalem Kassenbuch. Immer dann, wenn zwischen zwei Partnern eine Transaktion stattfindet, wird diese im Kassenbuch als neue Zeile eingetragen. Zahlt beispielsweise Hinz seinem Geschäftspartner Kunz für eine bestimmte Ware die Summe xy, dann wird dies im Kassenbuch notiert.

Der Clou dabei: Dieses Kassenbuch liegt nicht nur auf dem Rechner von Hinz oder Kunz, sondern in tausenden Kopien auf Computern weltweit. Sobald eine neue Transaktion stattfindet, wird diese Information an alle diese Rechner verschickt. Diese überprüfen dann, ob die Transaktion den Regeln entspricht und die Transaktionspartner autorisiert sind. Erst wenn alle beteiligten Kassenbuch-Rechner zu dem Ergebnis kommen, dass alles in Ordnung ist, ist die Transaktion gültig und wird in alle Kopien des Kassenbuchs eingetragen.

Computer als "Zeugen"

Die vielen beteiligten Rechner dienen damit quasi als "Zeugen" – ähnlich, als wenn der Handel zwischen Hinz und Kunz durch dabeistehende Personen bezeugt werden würde. Nur dass in der Blockchain die Personen anonym bleiben, aufgezeichnet werden nur ihre Transaktionen. Spezielle kryptografische Schlüssel und eine "Wallet" – eine digitale Brieftasche – sorgen dafür, dass dennoch nur die autorisierten Personen Zugriff auf Geld, Waren oder Informationen haben.

Der große Vorteil: Die spezielle, verteilte Struktur der Blockchain stellt sicher, dass Transaktionen nicht nachträglich verändert oder gefälscht werden können. Zudem ermöglicht die Technologie es erstmals, auch bei rein digitalen Daten immer zu erkennen, wem sie gehören und ob es sich um das Original handelt.

Bitcoin-Visualisierung
Krypto-Währungen sind die bekannteste und am weitesten verbreitete Anwendung der Blockchain-Technologie.

Was Blockchain mit Bitcoins zu tun hat

Dadurch können beispielsweise digitale Währungen wie Bitcoin oder Ethereum nicht doppelt ausgegeben werden. Solche Krypto-Währungen sind daher auch die bekannteste und am meisten verbreitete Anwendung der Blockchain-Technologie. Bei ihnen entspricht quasi jeder Eintrag im "Kassenbuch" einer bestimmten Bitcoin-Summe – die Einträge selbst sind dabei die Bitcoins.

Ein Eintrag kann dabei verschiedenen Summen entsprechen. Die auf viele Rechner verteilte Kontrolle und die komplexen Sicherheitsschlüssel stellen sicher, dass eine Person, die beispielsweise 100 Bitcoins bekommen hat, nicht mehr als diese 100 Bitcoins in Folgetransaktionen weitergeben kann. Gleichzeitig ist sichergestellt, dass nur der Besitzer dieser Bitcoins mit ihnen neue Transaktionen durchführen kann.

Wofür die Blockchain sonst noch gut ist

Doch die Blockchain-Technologie lässt sich für weit mehr nutzen als nur für Krypto-Währungen. Der Handelskonzern Metro will beispielsweise künftig alle Rohdaten aus seinen Supermarktkassen und alle Abrechnungen und Kassenauswertungen mittels Blockchain speichern, wie er vor Kurzem mitteilte. Andere Unternehmen arbeiten bereits an sogenannten "smarten Verträgen", deren Einhaltung dann automatisch mittels Blockchain überprüft und gewährleistet werden soll. Sogar erste Versteigerungen wurden schon mit Hilfe der Blockchain-Technologie durchgeführt.

Aber auch andere digitale Inhalte wie Musik, Filme oder Dokumente könnten durch diese dezentrale "Buchhaltung" verifiziert und verwaltet werden. So arbeiten Firmen bereits an einer Datenspeicherung im Netz mittels Blockchain. Dabei würden unsere Dateien ähnlich wie die Transaktionen verteilt auf tausenden Rechner gespeichert werden. Weil aber nur wir die Schlüssel haben und kein anderer den "Transaktions-Eintrag" verändern kann, haben auch nur wir Zugriff darauf.

Denkbar wäre sogar, dass durch dieses Verfahren irgendwann einmal Wählerstimmen eindeutig und fälschungssicher über das Netz abgegeben werden können. Die Blockchain stellt dabei sicher, dass jede Stimme – jede Transaktion – nur einmal abgegeben und im Nachhinein auch von niemandem mehr verändert werden kann.

Spannend könnte auch der Einsatz der Blockchain-Technologie in der Energiewirtschaft sein. Denn rein theoretisch könnte über dieses System künftig die Einspeisung und die Abnahme von Strom aus dem Netz völlig dezentral verwaltet werden – ohne dass die Stromkonzerne das Monopol haben. Denn durch die Blockchain könnten intelligente Stromzähler, Smarthomes und lokale Besitzer von Solaranlagen oder Windrädern direkt Bedarf und Angebot miteinander koordinieren – die Blockchain sorgt dabei für Transparenz und Sicherheit.

Noch allerdings sind die meisten dieser Blockchain-Anwendungen Zukunftsmusik. Die IT-Branche und Unternehmen beginnen erst damit, die Möglichkeiten der Blockchain auszuloten und zu erproben. Dennoch scheinen sich viele Experten schon jetzt darin einig, dass in dieser Technologie viel Potenzial steckt. Ob sie recht behalten, wird die Zukunft zeigen müssen.

NPO, 16.01.2017