02.02.2018
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Johannes Gutenberg und der Buchdruck: eine kulturelle Revolution

Am 3. Februar 1468 - vor 550 Jahren - starb Johannes Gutenberg, der "Vater des Buchdrucks". Er und seine Erfindung der Druckerpresse haben den Lauf der Geschichte entscheidend beeinflusst. Denn erst durch ihn verbreiteten sich in Europa gedruckte Bücher - und damit auch wertvolles Wissen. Dies führte zum Beginn der Renaissance und machte die Reformation Martin Luthers erst möglich.

Johannes Gutenberg, pusthume Darstellung aus dem 16 Jh.
Diese bekannte Darstellung des Erfinders ist leider der Fantasie des Künstlers entsprungen. Ein authentisches Bildnis Gutenbergs ist nicht überliefert.
Für uns sind Bücher etwas ganz Alltägliches. Wir sind es gewohnt, jederzeit die neuesten Bestseller, Fachbücher oder Ratgeber kaufen zu können - und das für erschwingliches Geld. Doch im Mittelalter war dies anders. Damals mussten alle Dokumente mühsam per Hand geschrieben werden. Die Kopie eines einzigen dünnen Buches dauerte dadurch Monate – entsprechend kostbar waren diese Manuskripte.

Weil damals fast nur Priester und Mönche überhaupt Schreiben und Lesen konnten, übernahmen sie auch das Aufschreiben und Kopieren von Büchern. Dadurch wurden die Klöster zwar zu Horten des Wissens, aber der Zugang dazu blieb den meisten anderen Menschen verwehrt. Letztlich entschied der Klerus, welche Informationen die normale Bevölkerung bekam. Der Großteil der Menschen konnte weder schreiben noch lesen und besaß nicht ein einziges Buch.

Geburt in einer Umbruchszeit

Doch mit Beginn des 15. Jahrhunderts begann sich die Lage zu verändern. In den Städten etablierte sich ein Bürgertum, das nach mehr Bildung strebte. Es wurden Schulen und Universität gegründet und die Nachfrage nach Lehrmaterialien und Büchern stieg. Um diese zu befriedigen, entstanden in den Städten neue, weltliche Schreibstuben, die den Klöstern Konkurrenz machten.

In diese Umbruchszeit – möglicherweise um das Jahr 1400 - wurde Johannes Gutenberg als Sohn eines Mainzer Kaufmanns und Patriziers geboren. Wann genau, ist nicht bekannt. Auch wo Gutenberg seine Jugend verbrachte und ob er eine Universität besuchte, ist bis heute unklar. Denn ausgerechnet über den Menschen, der den Buchdruck revolutionierte, haben wir so gut wie keine Aufzeichnungen oder Berichte. Nicht einmal sein Aussehen ist überliefert – das einzige Portrait von Gutenberg entstand 200 Jahre nach seinem Tod.

Klar ist nur, dass Johannes Gutenberg ab 1434 in Straßburg arbeitete – in einer Werkstatt, die religiöse Texte und Bilder für Pilger herstellte. Diese sogenannten Pilgerspiegel wurden bereits mit einer sehr einfachen Drucktechnik produziert, bei der die zu druckenden Textseite als Ganzes spiegelverkehrt in eine Holztafel eingeschnitzt wurde. Das Problem: Die Herstellung dieser Druckplatten war mühsam und ähnelte eher einem großen Einmalstempel. Jede Seite musste komplett neu angefertigt werden. Gedruckt wurde, indem man ein Blatt Papier auf den mit Farbe bedeckten Druckstock legte und es andrückte.

Herstellung eines Holzklischees mit chinesischen Schriftzeichen.
Der in China erfundene, im Spätmittelalter auch in Europa aufkommende Blockdruck war das gängige Druckverfahren, bis Johannes Gutenberg den Buchdruck weiterentwickelte.

Von der Holztafel zur Druckerpresse

Als Gutenberg um 1448 nach Mainz zurückkehrte, beschloss er, dieses umständliche Verfahren zu optimieren. Seine Idee: Man könnte einzelne Lettern aus Metall anfertigen, die sich dann immer wieder verwenden und neu zusammenstellen lassen. Für die Produktion dieser Lettern entwickelte Gutenberg eigens Legierung aus Zinn, Blei und Antimon, die sich besonders gut gießen ließ und nach dem Erkalten stabile Metallbuchstaben ergab.

Für den Guss seiner Lettern erfand Gutenberg zudem ein Handgießinstrument: Der gewünschte Buchstabe wurde erst als erhabene, seitenverkehrte Letter aus einem kleinen Metallblock herausgearbeitet. Diesen Stempel schlug man dann in ein Stück weicheres Metall wie Kupfer oder Messing und erzeugte so die Matrize - die Hohlform, in der später die Druckletter gegossen wurde. Diese Matrize spannte Gutenberg in eine zweitteilige Gussform ein und goss das Ganze dann mit seiner Metalllegierung aus. Es entstand die fertige Druckletter. Der große Vorteil: Durch dieses Verfahren konnte man aus einer Gussform beliebig viele, in Größe und Form genormte Lettern gießen. Diese Metalllettern konnte man dann in speziellen Rahmen zu beliebigen Wörtern und Texten kombinieren – und dies bei jeder Seite aufs Neue.

Gutenberg ergänzte diese Erfindung noch durch eine weitere: die Druckerpresse. Sie bestand aus einem Gestell, in das die Drucktafeln eingespannt und durch Drehen eines Gewindes gleichmäßig auf ein Blatt Papier gedrückt wurde. Das umständliche Abreiben des Druckstocks, das noch bei den Holztafeln üblich war, entfiel damit. Dadurch konnte man sehr viel mehr Seiten nacheinander produzieren.

Setzkasten mit Drucklettern
Gutenberg erfand das System der beweglichen, wiederverwendbaren Drucklettern.

Die erste gedruckte Bibel

Mit den neuen, beweglichen Lettern, dem Handgießinstrument und der Druckerpresse revolutionierte Gutenberg den Buchdruck. Ihm ist es zu verdanken, dass das alte aufwändige Verfahren der Einmal-Holztafeln von einer effektiven, schnellen und sparsamen Drucktechnik abgelöst wurde. Erst sie machte die Massenproduktion von Textseiten und Büchern möglich. Schriften wurden dadurch erstmals auch für normale Bürger erschwinglich.

Eines der ersten Bücher, die Gutenberg um 1454 mit seiner neuen Technik druckte, war die lateinische Bibel. Das prachtvoll verzierte zweibändige Werk gilt bis heute als eines der wichtigsten und schönsten Erzeugnisse der Druckkunst. Der Text auf den jeweils mehr als 600 Seiten dieser Bände war in zwei Spalten zu je 42 Zeilen gedruckt. Die Schriftgröße war dabei so gewählt, dass sie auch bei schwachem Licht und aus einiger Entfernung – beispielsweise in Kirchen – gut lesbar war.

Die neue gedruckte Bibel, aber auch andere Druckerzeugnisse wie Lehrbücher für Schulen, Kalender oder Flugblätter fanden reißenden Absatz. Schon bald schauten sich auch andere Werkstätten die neue Drucktechnik bei Gutenberg ab. Dieser musste in den folgenden Jahren zwar einige Rückschläge wegen Geldstreitigkeiten hinnehmen, seine Verdienste aber wurden schon bald erkannt: Wenige Jahre vor seinem Tod am 3. Februar 1468, wurde Gutenberg vom Erzbischof von Nassau zum Hofmann ernannt – er bekam regelmäßig Geld, Naturalien und erhielt ein Hofgewand.

Gutenberg-Bibel der New York Public Library
Von den ursprünglich etwa 180 gedruckten Exemplaren der 42-zeiligen Gutenberg-Bibel existieren 49 noch heute.

Eine kulturelle Revolution

Die Erfindung der Druckerpresse und neuen Drucktechnik durch Gutenberg machte es erstmals möglich, dass auch normale Menschen sich ein Buch leisten oder die neuesten Mitteilungen auf einem Flugblatt lesen konnten. Dank dieser Entwicklung lernten nun auch immer mehr Menschen Lesen und Schreiben – das veränderte Kultur und Gesellschaft nachdrücklich. Das "finstere Mittelalter" wurde von der Renaissance und dem Zeitalter der Aufklärung abgelöst.

Gutenbergs Entwicklung des Buchdrucks gilt heute als die dritte große Revolution in der Kommunikation der Menschheit: Nach Sprache und Schrift war sie es, die ganz neue kulturelle, gesellschaftliche und technische Entwicklungen ermöglichte. Eine Welt ohne Bücher, Zeitungen und andere Druckerzeugnisse erscheint heute kaum mehr denkbar.

NPO, 02.02.2018