19.06.2013
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Jazz

[dʒæz; der; engl.englisch]
eine Ende des 19. Jh. Jahrhunderts im SSüden der USA entstandene eigenständige u.und zunächst von den dort beheimateten Afroamerikanern geprägte Musik; sie ist das Produkt einer Mischung von afrikanischen u.und europ.europäischen Musikstilen. Der Begriff J.Jazz ist seit etwa 1917 eingeführt, die Wortherkunft jedoch ungeklärt. Für die meisten Jazzstile sind folgende Merkmale charakteristisch:
1. die Improvisation, [1] d. h. die spontane Erfindung einer Melodie (als Solo- oder Kollektiv-Improvisation) oder das Variieren einer vorgegebenen Melodie (Thema).
2. die Verwendung von Blue Notes, also das Schwanken zwischen kleinem u.und großem Intervall, so dass nicht notierbare Intonationen entstehen können (Hot Intonation [2]).
3. der Swing, eine dem J. eigene rhythmisch-dynamische pulsierende Bewegungsform, die durch die Verschmelzung von betonten u.und unbetonten Schlägen sowie des Offbeat [3] entsteht.
4. ein einzigartiges Verhältnis zu Tonbildung u.und Phrasierung.
5. die Persönlichkeit des interpretierenden Jazz-Musikers, die wichtiger ist als das vom Komponisten vorgegebene Material. Im J.Jazz werden Rhythmusgruppe (Schlagzeug, Klavier, Kontrabass, Gitarre, Tuba) u.und Melodiegruppe (Trompete, Posaune, Klarinette, Saxophon, Vibraphon, dazu auch Violine, Harfe u.und Querflöte) unterschieden.

Geschichte

Quellen des J.Jazz waren verschiedene Arten afroamerikan.afroamerikanischer Musik wie Blues, Gospel u.und Spiritual sowie die weiße Marschmusik (Marching Band, Cakewalk). Als erste eigenständige Form des J.Jazz gilt der Ragtime [4]. Aus diesen Richtungen entwickelte sich Ende des 19. Jh. Jahrhunderts als bedeutendster Stil des frühen J.Jazz der New-Orleans-Stil, [5] dessen wichtigste Vertreter S. Bechet [6] u.und K. Ory [7] waren. In Nachahmung dieses Stils durch weiße Musiker entstand der Dixieland-Jazz [8]. Der Schwerpunkt der Jazz-Entwicklung verlagerte sich in den 1920er Jahren nach Chicago, wo die besten Bands des New-Orleans-Stils spielten (u. a. J. „King“ Olivers „Creole Jazz Band“ mit dem jungen L. Armstrong [9]) u.und sich die Verschmelzung des J.Jazz mit dem Blues vollzog (B. Smith [10]). Junge weiße Musiker schufen unter diesem Einfluss den Chicago-Stil, [11] in dem die Gruppenimprovisation zugunsten von Soli zurücktrat. Der Chicago-Stil führte direkt in den Swing, [12] der von Bigbands wie denen von F. Henderson, [13] B. Moten oder D. Ellington [14] ausgebildet wurde. Ab Mitte der 1930er Jahre wurde er durch C. Basie, [15] B. Carter u. a. verfeinert; der bedeutendste Vertreter des Swing war B. Goodman, [16] der mit seinem Orchester verschiedene Strömungen (New-Orleans Tradition, Kansas City Jazz [17] u.und europ.europäische Musizierpraxis) verschmolz.
[18]
Dixieland Jazz Band
Dixieland Jazz Band
Der US-amerikanischer Jazzmusiker Nick (Dominick James) La Rocca gründete die »Original Dixieland Jazz Band».
Dixieland-Jazz img
[19]
Basie, William „Count“
William „Count“ Basie
Basie, William „Count“ img
Die zunehmende Kommerzialisierung des Swing führte in den frühen 1940er Jahren zu einer Gegenreaktion junger, meist schwarzer Musiker (D. Gillespie, [20] T. Monk, [21] C. Parker, [22] L. Young, [23] K. Clarke [24]), zum Bebop, [25] der durch rasche, hekt.hektische Tempi, Melodiephrasierungen sowie durch Rückkehr zu Improvisation u.und kleiner Besetzung gekennzeichnet ist. Gleichzeitig gab es den Progressive Jazz, [26] eine Weiterentwicklung des Swing in Richtung zeitgenöss.zeitgenössischer Konzertmusik. Der Bebop fand in den 1950er Jahren seine Fortsetzung im Hardbop [27] (u. a. A. Blakey [28]). Ebenfalls als Reaktion auf die Vermarktung mancher Jazzarten (Dixieland-Revival) entstand in den 1950er Jahren der Cool Jazz, [29] eine an europ.europäischer Kunstmusik ausgerichtete, verhaltene Stilrichtung. Hauptvertreter: M. Davis, [30] L. Konitz, S. Getz, [31] J. Lewis, L. Tristano [32].
[33]
Davis, Miles
Miles Davis
Ein radikaler Bruch mit allen bisherigen Traditionen wurde um 1960 vom Free Jazz [34] vollzogen. Weder Form noch harmon.harmonische Abläufe sind festgelegt, der Rhythmus wird völlig frei gestaltet. Maßgeblich an der Entwicklung beteiligt waren M. Davis, C. Mingus, [35] C. Taylor, [36] J. Coltrane, [37] O. Coleman [38].
Der europ.europäische J.Jazz begann sich in den 1970er Jahren endgültig von den amerikan.amerikanischen Vorbildern zu emanzipieren; zu den Wegbereitern in der Bundesrepublik gehörten A. von Schlippenbach, [39] A. Mangelsdorff, [40] P. Brötzmann, K. Edelhagen, [41] K. Doldinger [42] u. a.; in der DDR W. Dobschinsky, E.-L. Petrowsky, G. Sommer. Seit den 1980er Jahren ist immer mehr die Überlagerung verschiedener Stile zu beobachten; der J.Jazz geriet in eine bis zur Gegenwart anhaltende eklektizist.eklektizistische Phase mit Rückgriffen auf Swing, Bebop, Hardbop, Rhythm & Blues; dazu kommen Neoklassizismus, Weltmusik, Fusion u.und Jazzrock, No Wave, Acid Jazz, Minimal Music, Hip-Hop, Heavy Metal u.und New Wave, um dem J.Jazz neue Impulse zu geben.