Total votes: 70
  • Send to friend
  • Diese Seite drucken
wissen.de Artikel

Psychotherapie: Verfahren, Therapeuten und Tücken

So finden Sie Heilung, wenn Ihre Seele leidet

Bei Alltagsbeschwerden wie Schnupfen, Halsschmerzen oder einem verstauchten Handgelenk ist es für die meisten Menschen eine Selbstverständlichkeit, den Arzt aufzusuchen. Bei seelischen Leiden liegt uns das jedoch oft fern. Tatsächlich nimmt nur etwa jeder fünfte Mensch mit psychischen Problemen professionelle Hilfe in Anspruch. Kummer der Seele ist jedoch keineswegs ein Grund zur Scham, sondern ein Zustand, den jeder Mensch im Laufe seines Lebens einmal kennen lernt. Manche Krisen sind einigermaßen leicht mit Selbsthilfe zu bewältigen, bei tiefer sitzenden Problemen mag man die Hilfe einer Fachperson benötigen. Doch woran erkenne ich, bei welchen Problemen ich professionelle Hilfe benötige?

Wann brauchen Sie Hilfe?

Psychische Schwierigkeiten sind viel häufiger, als mancher glaubt. Ob Depression, Zwangsstörung oder Angst – die meisten Leiden lassen sich lindern. Individuelle Faktoren spielen eine wichtige Rolle auf dem Weg zur Heilung. Trotzdem gibt es einige seelische Leiden, die sehr weit verbreitet sind.

 

Isolation

Einsame Frau am Meer
Allein oder einsam?

Eine Psychotherapie kann helfen, Probleme in den Griff zu bekommen, die schon seit Jahren an der Seele nagen.

Sie fühlen sich in Gesellschaft anderer unwohl und ziehen es vor, für sich alleine zu sein? Nun, das ist noch kein Grund zur Sorge. Solche Phasen braucht jeder Mensch dann und wann - das ist völlig normal. Phasen der Einsamkeit helfen uns, von der Hektik im Berufsleben zu entspannen oder sich in Ruhe mit der Lösung eines unangenehmen Problems zu befassen. Viele Menschen ziehen sich auch gerade nach bestimmten Einschnitten in ihrem Leben erst einmal zurück. Dies kann der Tod eines Nahestehenden sein, eine Trennung oder Scheidung oder ein schwerer Unfall. Sollte diese Phase des Rückzugs jedoch länger anhalten, versuchen Sie, aus der Einsamkeit auszubrechen: Treffen Sie alte Freunde oder gute Kollegen, gehen Sie mit Ihnen ein Bier oder einen Kaffee trinken. Unternehmen Sie etwas - brechen Sie aus der selbstgewählten Einsamkeit aus!

Sollten Sie es selbst nicht schaffen, brauchen Sie womöglich jemanden, der Sie dabei an die Hand nimmt. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn Sie sich länger als zwei bis drei Wochen von der Außenwelt zurückziehen, sich unwohl, gar niedergeschlagen und alleingelassen fühlen. Eine Therapie kann Ihnen helfen, wieder die positiven Seiten der Dinge zu sehen und Spaß am Leben zu finden.

 

Panik

Ohne Vorwarnung und vor allem ohne erkennbaren Grund ergreift Sie plötzlich die blanke Panik. Eine Angst, die sich in Ihnen breit macht, den Puls zum Rasen bringt und Ihren Blutdruck in die Höhe treibt. Der Schweiß bricht Ihnen aus allen Poren und höchstwahrscheinlich haben Sie in dem Moment immense Angst, einen Herzinfarkt oder ähnlich Schlimmes zu bekommen. Solche Panikattacken sind nicht selten ein Zeichen von zu viel Stress - sei es privat oder beruflich. Wissen Sie, was diese Panik ausgelöst haben mag oder warum sie gerade in diesen Situationen ausbricht? Wenn Sie keine Antwort auf diese Fragen finden oder gar Ihr Leben durch ständig wiederkehrende Panikattacken eingeschränkt ist, sollten Sie professionelle Hilfe aufsuchen. Kennen Sie die Panik auslösenden Situationen (z.B. die Angst vor Menschenmassen oder Höhe), wird Ihnen eine so genannte Desensibilisierungs- oder Konfrontationstherapie helfen. Durch wiederholte Konfrontation mit der Angst auslösenden Situation wird die Angst kontrollierbar oder sogar überwindbar. Entsteht die Panik jedoch ohne äußeren Einfluss, könnte eine Gesprächstherapie helfen, sich klar zu werden, was dieses Gefühl auslöst und wie sie es in den Griff bekommen können.

 

Baby-Blues

Die ersten Tage und Wochen nach der Geburt eines Kindes sind für manche Frauen eine Zeit voller Zweifel und unerklärlicher Traurigkeit. Zweifel kommen auf, ob man dem Kind auch wirklich eine gute Mutter sein wird. Die Frauen haben Angst, Fehler zu machen, und fühlen sich mit der neuen Situation überfordert. Der berühmt-berüchtigte Baby-Blues ist bekannt und erklärlich - schließlich verändert sich gerade wieder einmal die Hormonsituation der Frau.

Hat Sie der Baby-Blues erwischt, versuchen Sie es zunächst mit der Selbsthilfe: Wägen Sie ab, ob Sie nicht zu hohe Ansprüche an sich selbst stellen. Versuchen Sie nicht die perfekte Mutter und Frau zu sein. Binden Sie den Vater mit ein und fragen Sie Mutter, Geschwister und Freunde um Rat und Hilfe. Wenn das Stimmungstief jedoch länger als zwei oder drei Wochen anhält und Sie spüren, dass Sie große Angst vor dieser neuen Verantwortung haben, ist dies ein Grund zur Besorgnis. Wenn zudem Ihr Kind Ihnen regelrecht fremd bleibt, ist es dringend angezeigt, dass Sie fachliche Hilfe in Anspruch nehmen. Durch Gespräche mit einem Therapeuten oder einer Therapeutin verlieren Sie bald die Angst vor der Verantwortung und beginnen, Ihr Kind als Glück zu empfinden. So Lernen Sie, mit Ihrer neuen Lebenssituation klarzukommen.

 

Zwanghaftes Verhalten

Gehören Sie zu der Sorte von Menschen, der alles doppelt und dreifach kontrollieren, bevor sie das Haus verlassen? Ob die Kaffeemaschine auch wirklich ausgeschaltet ist oder der Herd auf Null steht? Sie ordnen Ihre Papiere exakt auf Ihrem Schreibtisch, Ihre Bücher und Videokassetten sind alphabetisch geordnet? Ein gewisser Hang zur Ordnung ist völlig okay! Doch wenn die Ordnungsliebe zum Zwang ausartet, gerät sie außer Kontrolle. Wenn Sie sich in diesen Zeilen wiedererkennen, dann versuchen Sie Ihr Verhalten bewusst wahrzunehmen und dagegenzusteuern. Wenn Sie z.B. versucht sind, jedes Mal, wenn Sie etwas angefasst haben oder jemandem die Hand gegeben haben, die Hände zu waschen, zwingen Sie sich, dies nicht zu tun. Sagen Sie sich in diesem Fall, sie sind sauber genug und haben keine gesundheitsschädigenden Keime an den Händen - ein bisschen Schmutz ist außerdem gesund. Sollte diese Selbstkontrolle nicht funktionieren, suchen Sie den Rat eines Fachmanns. Er wird Ihnen helfen, Ihren Zwang nach und nach in den Griff zu bekommen.

 

Schüchternheit

Sie sollen eine Rede vor versammelter Mannschaft halten und vor lauter Aufregung haben Sie eiskalte, schweißnasse Hände. Sie werden auf einer Party einem Ihnen sympathischen Menschen vorgestellt und bekommen einfach keine Silbe über die Lippen - stattdessen würden Sie am liebsten im Boden versinken.

Sie kennen solche Situationen und Sie leiden darunter? Versuchen Sie doch einmal, sich bewusst zu machen, weshalb Sie in diesen Situationen so reagieren. Sind Sie gehemmt, weil Sie Minderwertigkeitsgefühle haben? Weil Sie denken, nicht klug oder attraktiv genug zu sein? Sollte dies der Fall sein, versuchen Sie, sich selbst zu motivieren, und lernen Sie, sich selbst lieben! Wenn Sie allerdings auf vieles verzichten, weil Sie sich wie eine "graue Maus" fühlen; wenn Sie sich auf Anlässen stets im Hintergrund halten und sich allein nicht auf Veranstaltungen trauen; wenn Sie Angst haben, sich mit Ihrer Traumfrau zu treffen, weil Sie befürchten, ihr stumm wie ein Fisch gegenüberzusitzen - dann ist es Zeit, einen Therapeuten aufzusuchen, mit dessen Hilfe sie die Ursachen ergründen und bearbeiten können. In Gesprächen werden Sie lernen, einen realistischeren und positiveren Eindruck von sich selbst zu haben. Mit Hilfe von Rollenspielen werden Sie üben, sich in alltäglichen Situationen zu beobachten. Sie werden womöglich schnell herausfinden, dass nicht jeder Sie bewertet, nicht alle Blicke auf Sie gerichtet sind und man nicht immer über Sie tuschelt und spottet. Sie werden allmählich lernen, mit diesen Situationen selbstbewusster umzugehen.

 

Überforderung im Job

Sie spüren Magenkrämpfe, wenn Sie morgens aufstehen und ans Büro denken? Womöglich graut Ihnen bereits bei dem Gedanken an Ihren übervollen Schreibtisch und Sie haben das Gefühl, Ihren Aufgaben nicht mehr gewachsen zu sein. Nehmen Sie sich als Selbsthilfe - wenn irgend möglich - ein paar Tage frei, um die Batterien wieder aufzutanken und erst einmal Abstand zu gewinnen. Analysieren Sie Ihre Arbeitssituation. Fühlen Sie sich von Ihrem Chef überfordert? Wenn ja, sprechen Sie mit ihm darüber oder definieren Sie Ihr Aufgabengebiet neu. Fühlen Sie sich von Kollegen abgewiesen? Wenn ja, fragen Sie nach den Gründen für deren Verhalten. Wurde Ihnen vor kurzem mehr oder eine besondere Verantwortung übertragen, z.B. für ein bestimmtes Projekt? Wenn Sie sich damit überfordert fühlen, ziehen Sie die Konsequenzen daraus. Sprechen Sie mit Ihrem Chef, um eine Lösung zu finden, mit der beide Parteien zufrieden sind. Vielleicht kann Ihnen ja zur Bearbeitung dieses Projektes ein Assistent an die Seite gestellt werden.

Sollten Ihre Berufssorgen Sie allerdings dermaßen beschäftigen, dass sie Ihr Privatleben beeinträchtigen, suchen Sie sich Hilfe. Schlafstörungen, Panikattacken oder ein erhöhter Blutdruck mögen Zeichen für eine übermäßige seelische Belastung sein. Gespräche mit einem Therapeuten können Ihnen jedoch helfen, Ihre Wünsche und Ziele neu zu stecken. Sie werden lernen, Ihre täglichen Arbeitsaufgaben besser zu bewältigen und wieder selbstbewusster mit Ihren Kollegen umzugehen.

 

Wie finden Sie den richtigen Therapeuten?

Vom Entschluss zur Therapie bis zum Therapeuten ist oft noch ein Weg zurückzulegen: Die Therapeuten und Verfahren unterscheiden sich erheblich, außerdem ist es mitunter nicht ganz einfach, sofort einen Platz zu erhalten. Auf jeden Fall gilt: Vergleichen und informieren lohnt sich!

 

Der Weg zum richtigen Therapeuten

Die wichtigste Regel für die Wahl eines Therapeuten: Verlassen Sie sich voll und ganz auf Ihr Gefühl. Ist Ihnen der Therapeut oder die Therapeutin nicht von Anfang an sympathisch, wechseln Sie zu einem anderen Fachkollegen. Denn Vertrauen ist Basis und Erfolgsgrundlage jeder Therapie. Und vertrauen werden Sie nur einer Person, mit der Sie sich auf gleicher Wellenlänge fühlen bzw. bei der Sie einfach ein gutes Gefühl haben. Gegenseitige Sympathie und Vertrauen ist das A und O jeder erfolgreichen Therapie.

Auf der Suche nach einem geeigneten Therapeuten werden Sie auf unterschiedliche Berufsbezeichnungen stoßen. Neben den Behandlern mit dem gesetzlich geschützten Titel "Psychotherapeut/in" gibt es weitere Berufsgruppen, die Psychotherapie anbieten.

Zu den Psychotherapeuten gehören:

  • der Psychologische Psychotherapeut; er ist Diplompsychologe - hat also eine Universitätsausbildung in Psychologie abgeschlossen - mit einer mehrjährigen psychotherapeutischen Zusatzausbildung.
  • der Mediziner mit einer psychotherapeutischen Zusatzausbildung; in vielen Fällen sind dies Ärzte mit einer psychiatrischen Fachausbildung. Es finden sich aber auch Ärzte aller anderen Fachrichtungen unter den "Ärtzlichen Psychotherapeuten", die psychotherapeutische Zusatzausbildung steht allen Medizinern offen. Der Mediziner darf im Gegensatz zum Psychologischen Psychotherapeuten Medikamente verschreiben.
  • der Diplom-Pädagoge, der Diplom-Sozialpädagoge und Sozialarbeiter, der als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut arbeitet.

Welche Ausbildung Ihr Therapeut haben sollte, hängt vor allem von der Art Ihrer Probleme ab. Lassen Sie sich von Ihrem Hausarzt beraten. Auf alle Fälle sollten Sie das Erstgespräch auch dazu nutzen, sich darüber klar zu werden, ob mit diesem Therapeuten eine vertrauensvolle Beziehung möglich sein wird.

Erkundigen Sie sich auch bei Ihrem Hausarzt nach Namen und Adresse eines geeigneten Therapeuten oder einer Therapeutin. Vielleicht können Ihnen auch Freunde und Bekannte einen guten Tipp geben, an wen Sie sich am besten wenden. Auch das Gesundheitsamt erteilt Ihnen Auskunft.

 

Die verschiedenen Therapien

Neben der Wahl zwischen verschiedenen Berufsgruppen müssen Sie sich auch für eines der zahlreichen therapeutischen Verfahren entscheiden. Informieren Sie sich im Voraus sorgfältig über die einzelnen Angebote und auch darüber, welche Therapiearten von Ihrer Krankenkasse bezuschusst oder gar ganz bezahlt werden. Die gängigsten unter den Psychotherapien sind:

  • Die Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie: Diese Form der Gesprächstherapie ist wahrscheinlich am bekanntesten und gehört mit der Psychoanalyse und der Verhaltenstherapie zu den Verfahren, deren Kosten in Deutschland von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden können. Der Therapeut agiert hauptsächlich als Zuhörer und wird die Erzählungen seines Gegenübers widerspiegeln. Auf diese Weise gewinnt der Patient neue Einsichten über seine Emotionen, Ängste, Befürchtungen und (inneren) Konflikte.
  • Die Psychoanalyse: Sie funktioniert ähnlich wie die Gesprächstherapie, jedoch gehen die Gespräche sehr viel tiefer. Hier werden unbewusste Probleme und Ereignisse der Vergangenheit aufgearbeitet und damit die heutigen Probleme an der Wurzel, nämlich der Ursache, angepackt. Eine Psychoanalyse ist meist ein langwieriger Prozess und dauert oft mehrere Jahre.
  • Die Verhaltenstherapie: Diese Therapie sucht nicht die Ursachen seelischer Konflikte in der Kindheit, sondern verfolgt das Ziel, das Verhalten des Patienten zu beeinflussen zu ändern. Dies hat sich unter anderem bei Zwangs- und Angststörungen sowie Depressionen als sehr erfolgreich erwiesen. Der Therapeut deckt unbewusste Verhaltensmuster beim Patienten auf und hilft ihm anschließend, diese zu bewältigen.
  • Die Gestalttherapie: Gespräche, Wahrnehmungsübungen, Rollenspiele, Traumarbeit und kreatives Gestalten sind hier Methoden, um schädigende Verhaltensmuster aufzudecken und den Patienten in direkten Kontakt zu seinen Wünschen und Gefühlen zu bringen. Diese Therapieform ist ganz auf die Gegenwart konzentriert.
  • Die Körpertherapie: Unter diesem Oberbegriff verbergen sich Therapien wie Bioenergetik, Shiatsu, Wasser-Shiatsu, Tanztherapie oder Yoga. Hier wird die Wahrnehmung der eigenen Gefühle gestärkt. Übungen zur Atmung und Körperhaltung sind hier ein wesentlicher Bestandteil der Therapie.
  • Das Neurolinguistische Programmieren (NLP): Bei diesem Verfahren wird davon ausgegangen, dass Sprachmuster, Körpersprache und Denkprozesse eng miteinander verknüpft sind und daher auch bei der Behandlung seelischer Störungen von Nutzen sein können. Es umfasst unterschiedlichste Methoden, die auf die Lösung gegenwärtiger Konflikte zielen und dabei die ureigensten Fähigkeiten zur Problemlösung stärken und nutzbar machen.

Die einzelnen Therapiesitzungen finden meist regelmäßig statt. Das kann je nach Therapieform ein- bis dreimal in der Woche oder auch 14-tägig sein. Die gesamte Behandlung kann lediglich über Wochen oder aber auch über einige Jahre gehen.

In einigen Fällen müssen die Therapien anfänglich oder kurzzeitig medikamentös begleitet werden. Die Arzneimitteltherapie behebt dabei nicht die Ursachen der seelischen Probleme, lindert aber die Symptome und ermöglicht die Bewältigung des Alltags.

 

Die Tücken der Therapie

Menschen, die wegen seelischer Probleme professionelle Hilfe in Anspruch nehmen wollen, haben neben der Wahl zwischen unterschiedlichen Behandlungsansätzen auch das Problem, die richtige Fachperson zu finden. Ein wichtiger Tipp für diese Suche: Achten Sie auf die Qualifikation des Therapeuten. Die Berufsbezeichnung "Psychotherapeut" ist in Deutschland geschützt und darf erst nach einem Medizin- oder Psychologiestudium sowie einer mehrere hundert Stunden umfassenden Weiterbildung verwendet werden.

 

Wissenswertes vor dem "ersten Mal"

Hier einige Anhaltspunkte, woran Sie einen seriösen Therapeuten erkennen und worauf Sie unbedingt achten sollten, wenn Sie sich das erste Mal in professionelle Behandlung begeben:

  • Es werden klare und eindeutige Absprachen getroffen.
  • Rahmenbedingungen der Therapie werden im Voraus abgesteckt, d. h. Verfahren, Dauer, Kosten.
  • Der Therapeut begegnet Ihnen neutral, offen, vertrauensvoll.
  • Die therapeutische Beziehung ist frei von Angst, Scham, Peinlichkeit und Bestrafung.
  • Der Therapeut ist zur Neutralität verpflichtet, d.h., er darf Sie und Ihre Aussagen nicht bewerten.
  • Therapeuten tragen nichts an dritte Personen weiter.
    Ausnahme: Wenn z.B. ein Psychiater in seiner Praxis mit einem Psychologen zusammenarbeitet, die Ihre eigentliche Therapeutin ist. Der Psychiater ist in diesem Fall für die medizinische Seite, vorwiegend also die Medikation, verantwortlich und kann daher Einblick in Ihre Akte haben. Jedoch darf in diesem speziellen Fall außer Ihrem Therapeuten nur er Zugang zur Akte haben. An Dritte wird keine Informationen weitergeben.
  • Der Therapeut sollte alles, was der Patient ihm erzählt, gleich aufmerksam betrachten und nicht bei einem Thema desinteressiert oder gar gelangweilt wirken.
  • Ein guter Therapeut sollte stets an allen Problemen seines Patienten interessiert erscheinen und sowohl wach als auch aufmerksam zuhören.
  • Der Therapeut lehnt über die therapeutische Situation hinausgehende Beziehungswünsche seitens des Patienten ab.
  • Der Therapeut geht keine über die therapeutische Situation hinausgehende Beziehung zum Patienten ein.
  • Ein guter Therapeut lässt sich nicht von Ihrer Idealisierung seiner Person beeinflussen und lässt keine sexuelle Beziehung zu.
  • Der Therapeut stellt auch nach Wochen oder Jahren keine eigenen Erwartungen an Sie - außer der Bezahlung.
  • Der Therapeut zwingt Sie niemals zu etwas, wozu Sie nicht bereit sind bzw. das Sie nicht wollen.

 

Das A und O der Behandlung

Viele Therapeuten versuchen, dem Patienten gegenüber möglich neutral zu bleiben. Einerseits ist dies notwendig, um sich nicht von den Gefühlen des Patienten mitreißen zu lassen, andererseits birgt es die Gefahr, dass der Patient sich dem Therapeuten nicht gänzlich öffnet. Das Vertrauen des Patienten in seinen Therapeuten ist das A und O einer erfolgreichen Behandlung. Wenn Sie bereits bei den ersten Behandlungen ein unsicheres Gefühl haben, sollten Sie in Erwägung ziehen, den Therapeuten zu wechseln.

 

Wie viel Nähe ist gut, wie viel Distanz ist nötig?

Zur Professionalität eines jeden Therapeuten gehört es, den persönlichen Zugang zu seinem Patienten zu gewinnen. Gleichzeitig birgt dies gewisse Risiken, denn er kann sich nicht so klar abgrenzen, wie dies beispielsweise der Chirurg oder Zahnarzt können. Verstrickungen sind hier schneller möglich. Beispiel hierfür ist die so genannte "Übertragungsliebe". In vielen Fällen glaubt zumindest eine Seite - oftmals sogar beide - anfangs an eine echte Liebesbeziehung. Mit vorschnellen Verurteilungen, wie sexueller Missbrauch, ist hier Vorsicht geboten. Fest steht, dass Liebesbeziehungen zu so genannten "Schutzbefohlenen" untersagt sind.

Viele Patienten übertragen Ihre Gefühle auf den Therapeuten. Meist werden unrealistische Wünsche und Empfindungen auf ihn projiziert und die Person selbst idealisiert.

Das Vertrauen zwischen Patient und Therapeut ist vergleichbar mit dem Vertrauensverhältnis zwischen Lebenspartnern. Es ist daher nicht verwunderlich, dass einige Patienten positive ja gar romantische Gefühle Ihrem Therapeuten gegenüber entwickeln - immerhin sitzen Sie (endlich) einem Menschen gegenüber, der Ihnen zuhört ohne Sie zu bewerten oder zu verurteilen. Wird sich der Patient dessen bewusst und gelingt es ihm seine Gefühle realistisch einzuschätzen, wird die Projizierung auf den Therapeuten weder für den Patienten noch für den Helfer zum Problem. Ein guter Therapeut wird sich auf das Gefühlsspiel nicht einlassen, sondern seine Neutralität bewahren. Nur so kann er dem Patienten weiter eine Hilfe sein.

Gelingt es, die Gefühle auf ein gesundes zwischenmenschliches Maß zu reduzieren und einen realistischeren Blick für das "Arbeitsverhältnis" zu bekommen, haben Patient und Therapeut die ideale Grundlage für den Erfolg der Behandlung begründet.

Und wie sieht es nach Beendigung der Therapie aus? Es wird vermutet, dass die Idealisierung, die ein Patient seinem Therapeuten entgegen bringt, niemals ganz verschwindet. Daher dürfte eine partnerschaftliche Beziehung zwischen Ex-Patient und Ex-Therapeut nur schwer möglich sein. Und Vorsicht: Sexuelle Beziehungen nach Beendigung einer Psychotherapie sind dann als Missbrauch einzustufen, wenn die Therapie speziell im Hinblick auf dieses Ziel beendet wurde.

 

Was Sie während Ihrer Therapie tun und lassen sollten

Während Sie eine Psychotherapie machen, sollten Sie Ersatzbefriedigungen wie Drogen und Alkohol meiden.

Empfiehlt Ihr Therapeut Ihnen zur Behandlung die Einnahme von Medikamenten, lehnen Sie dies nicht kategorisch ab. Die neue Generation der Psychopharmaka nimmt vielen dieser Medikamente den Schrecken, da die Gefahr der Abhängigkeit reduziert ist. Lassen Sie sich von Ihrem Therapeuten genau erklären, um welche Art Medikament es sich handelt, warum er es Ihnen verschreiben möchte und welche Hilfe es Ihnen bietet. Meist werden gerade zu Beginn einer Behandlung Medikamente eingesetzt, die dem Patienten eine gewisse Erleichterung der seelischen Beschwerden und somit des Alltags ermöglichen. In vielen Fällen können diese Medikamente nach einer gewissen Zeit ohne Probleme abgesetzt werden. Gerade Mittel, die zur Behandlung von Depressionen, Panik- oder Essstörungen eingesetzt werden, verändern weder die Persönlichkeit noch machen Sie abhängig.

 

aus der wissen.de-Redaktion
Total votes: 70
  • Send to friend
  • Diese Seite drucken

Post new comment


1 Kommentar

Filtered HTML

  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <blockquote> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd>
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA
This question is for testing whether you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.

Nichts gegen Psychotherapie, aber ich glaube ein Aufenthalt in einem Kloster mit viel Gebet, Rückzugsmöglichkeiten, und guter Seelsorge würde ich eher bevorzugen. Kenne Menschen die danach total aufgeblüht sind.