Ein Stück Butter für 2,90 DM, da klingelten 2001 noch die Alarmglocken: Wucher! Aber 1,48 Euro? Kann das sein? Aus spontanem Unmut wurde Unsicherheit und erst über den Umweg des mühsamen Kopfrechnens bricht es wieder hervor: Wucher!
Die Skala im Gehirn
Warum fällt das Umdenken in Euro so schwer? Hat sich in unseren Hirnen etwas festgefressen, was sich selbst auf Dauer nicht beseitigen lässt? „Geld oder die Motorleistung unserer Autos werden im Großhirn skaliert“, weiß der Gedächtnispsychologe Professor Dr. Joachim Funke von der Universität in Heidelberg. „Alle, die mit der D-Mark groß geworden sind, haben im Kopf eine erfahrungsabhängige D-Mark-Skala, mit der Preise verglichen werden. Im Kopf werden Verknüpfungen hergestellt, um Zahlen zu begreifen, um ihnen eine für uns nachvollziehbare Größenordnung zu geben“, so Funke.
Mutterwährung D-Mark
„Der optische Reiz eines Preisschildes wird mit der Skala im Kopf abgeglichen und löst schließlich eine Empfindung aus. Beim Überschreiten bestimmter Erwartungen führt sie zu Ärger oder Unverständnis. Da ist tatsächlich etwas im Gehirn festgefressen. Etwa so wie unsere Muttersprache.“ Funke bezeichnet daher die D-Mark auch als „Mutterwährung“.
Die große Gefahr
Wir alle haben uns trotz der großen Umstellung gefreut, dass wir Deutschen es recht einfach mit dem Euro haben. Ein Euro ist ungefähr zwei D-Mark. Doch das einfache Umrechnen birgt für den Heidelberger Professor die Gefahr, dass wir uns nicht so schnell von der D-Mark lösen werden. „Wer kompliziert umrechnen muss, löst sich rascher von der alten Skalierung im Kopf“, so Funke. „Die Generationen, die über Jahrzehnte von der D-Mark begleitet wurden, werden sie wahrscheinlich niemals ganz aus dem Kopf bekommen“, meint Funke. Der Aufbau einer neuen Euro-Werteskala würde viele Jahre, vielleicht Jahrzehnte benötigen, nicht zuletzt wegen des verhängnisvollen Umrechnungsfaktors.
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