
Schiffsnamen tragen immer einen weiblichen Artikel: Ist das Schiff also weiblich?
Die „MS Brocken“, die „Bismarck“, die „Cap Arcona“: Schiffe heißen, trotz maskuliner oder neutraliner Eigennamen, immer „die“... Vielleicht, weil sie schön sind, weil sie einen Bauch haben oder weil sie im Hafen auf uns warten. Nun, an dieser Ironie ist sicherlich etwas dran.
Bereits die alten Griechen und Römer sahen in der Antike ihre Schiffe als weiblich an. Der Autor eines englischen Wörterbuchs der Schiffsausdrücke, John Rousmanière, führt dies auf den altägyptischen Glauben zurück, wonach Schiffe Glück bringende weibliche Wesen darstellten.
Auch die Einsamkeit der Seemänner auf langen Seereisen und das gelegentlich launische Benehmen, das heißt die nicht immer optimalen Segeleigenschaften der Schiffe, mögen zur weiblichen Benennung beigetragen haben. So stellte auch Bill Schanen, Herausgeber des US-Segelmagazins „Sailing“, zu dieser Thematik fest: „Schiffe sind weiblich, weil sie schön sind und weil diese Schönheit bei Frauen und Schiffen eine Symphonie der Kurven ist.“
Vielleicht sind dies auch die Gründe dafür, dass Schiffe in der englischen Seefahrt seit Jahrhunderten als weiblich angesehen werden. In Deutschland war dies keineswegs immer so. Im Jahr 1462 sprach man von „dem Peter von Danzig“ und um die Jahrhundertwende war es noch üblich von „dem Bismarck“ zu reden. Erst durch Kaiser Wilhelm II. wurde der englische Brauch in Deutschland übernommen.
Im Jahr 2002 gab „Lloyds List“, eine seit 268 Jahren in London erscheinende Zeitung für die Handelsschifffahrt, bekannt, Schiffe nur noch als Neutren zu bezeichnen. Ein Schiff sei ein Wirtschaftsgut, es habe weder einen männlichen noch einen weiblichen Charakter. Dagegen haben Seefahrer heftig protestiert. Auch die britische Marine erklärte: „Unsere Schiffe bleiben weiblich.“ Nun, „Der Untergang des Titanic“ würde auch in Landrattenohren etwas merkwürdig klingen.
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