
Für Schwindel gibt es sogar drei körperliche Ursachen.
Eine Walzerdrehung kann schon eine Drehung zuviel sein. Schwindel setzt ein, und das Treiben auf dem Parkett wird zum Eiertanz. Was ist passiert? Wer ist schuld am Schwindel? Es gibt sogar drei Schuldige: das Gleichgewichtsorgan im Innenohr, das Sehvermögen und das so genannte propriozeptive System.
Das Gleichgewichtsorgan im Ohr besteht aus drei so genannten Bogengängen. In ihnen befindet sich eine Flüssigkeit in die ein längliches "Messgerät" mit Sinneszellen hineinragt. Wenn es umgebogen wird, erhalten die Sinneszellen einen Bewegungsreiz.
Sobald sich Kopf und Körper drehen, biegt sich das Messgerät in die entgegen gesetzte Richtung der Drehbewegung um. Denn es reagiert träge. Das bedeutet, es kommt der Bewegung des Kopfes oder der "Drehbeschleunigung" nicht schnell genug nach. Auch die Flüssigkeit im jeweiligen Bogengang bleibt wegen ihrer Trägheit erst einmal in Ruhe.
Dadurch, dass das Messgerät hinter der Bewegung des Kopfes zurückbleibt, erhalten die Sinneszellen nun ein Signal, welches an das Gehirn weitergeleitet wird: Kopf dreht sich. Nun kommt auch das propriozeptive System ins Spiel. Es ist ein System aus Sensoren in den Gelenken und Muskeln und sorgt dafür, dass alle Körperbewegungen so koordiniert werden, dass wir nicht zu Boden stürzen.
Auch die Augen melden die Drehbewegung an das Gehirn. Sehvermögen, Gleichgewichtsorgan und Sensorsystem arbeiten nun direkt zusammen. Wenn man sich immer weiter dreht, schlägt die Physik jedoch erbarmungslos zu. Denn allmählich kommt auch die Flüssigkeit in den Bogengängen in Bewegung. Dadurch gelangt das Messgerät wieder in seine Ausgangsposition zurück und meldet: Es dreht sich nichts mehr. Augen und Sensorsystem melden jedoch weiter Drehbewegungen an das Gehirn. Dieser "innere Konflikt" sorgt für Schwindel. Wir bleiben daher sofort stehen.
Aber: Genauso träge wie bei Beginn der Drehungen, verhält sich die Flüssigkeit im Ohr, wenn man plötzlich stehen bleibt. Sie dreht sich eine Zeit lang einfach weiter. Die Folge: Das Messgerät im Gleichgewichtsorgan wird jetzt sogar in die andere Richtung umgebogen. Auch wenn nun Augen und propriozeptives System Stillstand melden, kommt vom Gleichgewichtsorgan das Signal, dass sich alles noch mehr dreht. Es herrscht Chaos im Kopf. Daher wird einem noch schwindliger, wenn man nach Drehungen plötzlich stehen bleibt. Gegenmittel: Schnell noch mal in die andere Richtung herumdrehen, das bremst die Flüssigkeit, und der Schwindel hat ein Ende. Aus diesem Grund sollte man Walzer gelegentlich auch mal links herum tanzen.
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