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Rätsel des Alltags

Woher kommt der Begriff „Blau machen“?

Jeans
Die Bluejeans

Indigo und Urin waren früher die bewährte Mischung für die typische Farbe der Bluejeans. Aber was hat das mit "Blau machen" zu tun?

Der Stuhl des Kollegen ist gähnend leer. Er hat sich für heute krank gemeldet. Was alle denken ist klar: Der Kollege macht sicher mal wieder „Blau“. Dieser Ausdruck stammt offenbar noch aus Zeiten, als es nur Naturstoffe zum Färben gab und man „Blau machen“ musste. Das ist zumindest die bekannteste Überlieferung.

 

Das Blau der Bluejeans

Der wichtigste Farbstoff früherer Jahrhunderte war Indigo. Denn im Gegensatz zu anderen Farben, wie etwa Purpur, war Indigoblau einfach zu färben und preiswert. Indigoblau, das Blau der Bluejeans, stammte von der indischen Pflanze Indigofera tinctoria und dem einheimischen Färberwaid (Isatis tinctoria). In Mitteleuropa wurde der Farbstoff überwiegend aus dem Waid gewonnen. Indigo ist nicht wasserlöslich. Um damit färben zu können, braucht man ein Lösemittel oder genauer gesagt, ein so genanntes Reduktionsmittel. Indigo wird also löslich, indem man ihm Sauerstoff entzieht. Die Waidblätter wurden daher mit einer entsprechend wirksamen Flüssigkeit bedeckt, mit einer Urinbrühe.

 

Alkohol macht blau

Die Blaufärberei erforderte sonniges Wetter. In der Sonne begann die Urinbrühe zu gären, wobei Alkohol entstand. Man wusste, dass man mehr Farbstoff gewinnt, wenn man weiteren Alkohol zugab. Allerdings kippte man den Alkohol nicht direkt in die Brühe, dazu war er zu schade. Man schlug gleich zwei Fliegen mit einer Klappe, indem man den Urin von Betrunkenen verwendete. Dafür wurde der Urin im Mittelalter auch vor Gasthäusern gesammelt.

 

Der blaue Montag stinkt zum Himmel

Den zu färbenden Stoff gab man in die stinkende Brühe mit Urin. Heraus kam aber kein blauer Stoff sondern ein gelblich-grüner. Blau wurde der Stoff erst während des Tages. Durch das Sonnenlicht und den Luftsauerstoff oxidierte das Indigo im Stoff und wurde blau. Und in dieser Zeit, meist montags, ruhte die Weiterverarbeitung. Die Färber hatten nichts zu tun, sie „machten blau“. Heute stinkt Blaumachen nicht mehr zum Himmel, denn zum Lösen von Indigo wird Natriumdithionit benutzt. Eine weitere Erklärung für "Blau machen" liefert der "blaue Montag", der arbeitsfreie Tag vor der vorösterlichen Fastenzeit, der den Namen der vorgeschriebenen liturgischen Farbe trug.

Dr. Alexander Stahr
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