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Rahmenbedingungen eines Vorstellungsgesprächs

Sicher haben Sie schon einmal an einem Vorstellungsgespräch teilgenommen und im Rückblick festgestellt, dass Ihnen außer dem Gespräch als Kern dieser Veranstaltung auch das "ganze Drumherum" in Erinnerung geblieben ist. Fachmännisch ausgedrückt könnte man das auch als die Rahmenbedingungen bezeichnen, unter denen das Vorstellungsgespräch abgelaufen ist. Diese Rahmenbedingungen haben einen nicht unbedeutenden Einfluss auf die Atmosphäre, die bei solchen anstrengenden Terminen herrscht.

Sachliche und persönliche Rahmenbedingungen

Zu den sachlichen Rahmenbedingungen zählen im Wesentlichen:

  • der Ort, an dem das Vorstellungsgespräch stattfindet
  • der Zeitpunkt, zu dem Sie Ihren Gesprächspartner treffen sowie
  • die Dauer des Gesprächs.

Auf diese Punkte haben Sie als Bewerber normalerweise nur wenig bis gar keinen Einfluss. Besonders dann nicht, wenn die Position eher im unteren oder mittleren Segment der Hierarchieebenen des einladenden Unternehmens anzusiedeln ist. Je höher die zu besetzende Position, umso eher wird man auf Ihre Wünsche eingehen. Dies gilt beispielsweise, wenn das erste Gespräch mit einem Personalberater stattfindet. Doch in aller Regel lässt sich Ihr Partner in Sachen Bewerbung das Ruder beim Festlegen dieser Rahmenbedingungen nicht aus der Hand nehmen. Im Zweifel müssen Sie diese einfach als gegeben akzeptieren.

Etwas anders sieht es bei Ihren "persönlichen Rahmenbedingungen" aus. Wie gut Sie auf das Vorstellungsgespräch vorbereitet sind, hängt einzig und allein von Ihnen ab. Der Erfolg eines solchen Treffens steht und fällt mit Ihrer Vorbereitung: Wie gut sind Sie über das Unternehmen und die zu besetzende Stelle informiert und wie stresserprobt sind Sie? Ort und Zeit des Treffens spielen hier lediglich eine untergeordnete Rolle.

Zeitlicher Rahmen des Gesprächs

Auf den zeitlichen Rahmen haben Sie normalerweise wenig Einfluss. Möglicherweise kennen Sie ihn noch nicht einmal, was nicht weiter verwunderlich ist. Denn ein Gespräch lässt sich nicht unbedingt in eine zeitliche Schablone pressen.

Sicher gibt es bestimmte Vorstellungen darüber, wie lange ein solches Vorstellungsgespräch von beiden Seiten konzentriert geführt werden kann. Denn irgendwann sind schließlich auch der beste Bewerber und der routinierteste Befrager nicht mehr aufnahmebereit. Danach ist eine Dauer von einer bis anderthalb Stunden für ein klassisches Vorstellungsgespräch sicher nicht unüblich. Doch das ist lediglich ein Richtwert.

Falls sich schon vorher absehen lässt, dass das Gespräch keinen weiteren Sinn macht, wird der Interviewer es sicher abbrechen. Umgekehrt, wenn das Gespräch für beide Seiten interessant und noch nicht alles geklärt ist, wird es keinen Grund geben, exakt nach einer oder anderthalb Stunden einen Schlussstrich zu ziehen. Es hängt also vieles auch vom jeweiligen Gesprächsverlauf ab, besonders wenn keine nachfolgenden Vorstellungsgespräche geplant sind. Falls doch, gibt es indes ein zeitliches Korsett, an das sich auch der Befrager halten muss. Ansonsten nützt die ganze Zeitplanung nichts.

Klar ist, dass der Beginn des Vorstellungsgesprächs fest steht. Er steht im Einladungsschreiben, das Sie erhalten. Über die geplante Dauer bzw. das Ende werden Sie darin jedoch in aller Regel keine Informationen finden. Das hat auch für Sie Vorteile: Ansonsten schauen Sie möglicherweise während des Gesprächs immer wieder auf die Uhr. Mit jeder Minute, die Ihr Uhrzeiger näher zum geplanten Ende rücken würde, würden Sie gehetzter reden und sich entsprechend verhalten: nämlich dann, wenn Sie noch nicht alle Informationen über sich losgeworden sind. Seien Sie also froh, wenn das Gespräch in punkto Dauer etwas lockerer gehandhabt wird. Das ist in aller Regel zu Ihrem Vorteil.

Typische Gesprächspartner

Sicher kennen Sie das aus Ihrem Freundes- oder Bekanntenkreis: Manch einer redet wie ein Wasserfall und lässt den anderen erst gar nicht zu Wort kommen. Andere bekommen den Mund nicht auf und schweigen vor sich hin. Eine Unterhaltung mit beiden Typen gestaltet sich meist schwerfällig.
Zugegeben, das sind zwei Extreme: die meisten Menschen haben ein Kommunikationsverhalten, das sich irgendwo zwischen diesen beiden Polen bewegt. Doch Tatsache ist: So wie sich Ihre Freunde und Bekannten in der Art und Weise zu kommunizieren unterscheiden, ist dies auch bei Interviewern der Fall. Mit anderen Worten: den typischen Gesprächspartner gibt es nicht, wohl aber einige Arten von Gesprächspartnern, die Ihnen so oder so ähnlich immer mal wieder in einem Vorstellungsgespräch begegnen können.

Der von sich Überzeugte

Er weiß alles und kann alles, selbstverständlich besser als jeder andere an seiner Stelle. Und weil das so ist, muss er das selbstverständlich im Vorstellungsgespräch auch präsentieren, in dem er die ganze Zeit über seine Fähigkeiten und Kompetenzen berichtet. Sie können sicher sein, dass er einen Großteil der Unterhaltung bestreiten wird. Wenn Sie ihn bewundern, haben Sie relativ leichtes Spiel. Falls Sie sich gegen ihn stellen oder ihm auch nur andeutungsweise widersprechen, haben Sie sicherlich verloren.

Der Unnahbare

Auch er weiß in aller Regel alles besser. Allerdings wird er sich Ihnen dazu nicht unbedingt in gleicher Weise mitteilen wollen wie der von sich Überzeugte. Eine gewisse Distanz - nicht nur räumlich - ist ihm zu eigen. Die sollten Sie respektieren. Effektheischende schnelle Zustimmung zu dem von ihm Gesagten kann er nicht besonders leiden. Auch wählt er seine Worte eher mit Bedacht aus. Zuweilen zeigt er sich auch etwas wortkarg. Ermuntern Sie ihn, mehr über die zu besetzende Stelle, aber auch seine Funktion im Unternehmen zu erzählen. Betont sachlich formulierte Fragen helfen, den Unnahbaren aus der Reserve zu locken. Außerdem gehen Sie dabei am besten “wohldosiert“ vor. Achten Sie darauf, dass Sie eine Frage nach der anderen stellen. Lassen Sie Ihren Gesprächspartner in Ruhe ausreden. Durch dieses Nachfragen zeigen Sie Interesse an seiner Person und können ihn besser für sich gewinnen.

Der Provokateur

Dieser Typ hat nur auf Sie gewartet. Er will Sie provozieren, Ihnen Stress bereiten und Sie unter Druck setzen, bis Sie am liebsten das Zimmer verlassen würden. Unsachliche Kommentare und Bemerkungen, die nur knapp die Gürtellinie verfehlen, sind seine Sache. Entweder dient diese Art der Erprobung Ihrer Stresstoleranz oder er kann nicht anders. Im ersten Fall sollten Sie möglichst souverän reagieren. Lassen Sie sich auf keinen Fall aus der Fassung bringen. Durch ruhige Antworten können Sie sogar Pluspunkte sammeln. Nehmen die "Ausbrüche" des Interviewers trotz aller Ruhe und Gelassenheit Ihrerseits während des Gesprächs nicht ab, sollten Sie davon ausgehen, dass Ihr Gegenüber nicht anders kann. In diesem Fall sollten Sie sich ernsthaft überlegen, zu gehen. Eine Zusammenarbeit auf Dauer, falls es sich um Ihren späteren Fachvorgesetzten handelt, macht aller Wahrscheinlichkeit nach keinen Sinn. Es sei denn, Sie sind Masochist.

Der ungeübte und gestresste Gesprächspartner

Schlimm ist es, wenn beides zusammenkommt. Dieser Typ kann vor Arbeit kaum über seinen Schreibtisch gucken. Das jedenfalls lässt er Sie als erstes wissen. Entweder stimmt es tatsächlich. Dann arbeitet er wahrscheinlich ziemlich chaotisch. Oder er gehört zu jenen, die jeden Handschlag, den sie tun, zelebrieren. In jedem Fall fordert er Ihre gesamte Aufmerksamkeit. Nur seine Person zählt. Einen "Schuss Mitleid" dürfen Sie ihm spenden. Wenn er noch dazu ungeübt im Führen von Interviews ist, wird er angesichts der für ihn neuen Situation wahrscheinlich mehr oder minder offensichtlich irgendwann aus der Haut fahren. Schließlich wartet ja noch ein Berg Arbeit auf ihn. Sie können davon ausgehen, dass er Ihnen wenig Aufmerksamkeit schenkt.

Um das bisschen Zeit, das Ihr Gesprächspartner Ihnen zur Verfügung stellt, optimal für sich selbst auszunutzen, beherzigen Sie zwei Dinge: Signalisieren Sie ihm klar und deutlich, dass Sie nicht mehr als nötig seiner kostbaren Zeit in Anspruch nehmen wollen. Teilen Sie ihm beispielsweise mit, dass Sie sich einige wichtige Fragen zum Unternehmen und zum Traumjob notiert haben, und Sie diese mit ihm gerne durchgehen würden. Zweitens: Betonen Sie, dass Sie nicht sehr an Small-Talk interessiert sind, sondern lieber die Fakten rund um die Stelle erfahren möchten. Achten Sie darauf, dass Sie Ihre Fragen und Antworten sachlich sowie kurz und prägnant formulieren.

Der Charmeur

Er sprüht nur so vor Charme und Witz und freut sich unbändig, dass Sie den Weg zum Unternehmen gefunden haben und sich Zeit für das Gespräch nehmen. Angesichts so viel Freude sollten Sie nicht allzu erstaunt sein. Schließlich empfindet es Ihr Gegenüber als völlig normal, dass er Sie mit Komplimenten überschüttet. Reagieren Sie darauf eher kühl und sachlich, wird er das kaum verstehen, aber in aller Regel schnell übergehen. Solche Typen führen gerne eine leichte Konversation, auch Plauderei genannt, die möglicherweise wenig mit einem "normalen" Vorstellungsgespräch zu tun hat.

Erwidern Sie seine charmante Art mit einer ebensolchen. Im Klartext: Ein oder zwei nicht zu übertriebene Komplimente können Sie ihm ohne wenn und aber machen. Dann allerdings sollten Sie versuchen, das Gespräch auf das für Sie Wesentliche zu lenken, nämlich Informationen zum Unternehmen und dem ausgeschriebenen Arbeitsplatz. Am besten stellen Sie ihm nacheinander einige Fragen zu beidem. Achten Sie dabei darauf, dass es sich nicht um geschlossene Fragen handelt. Also solche, die man mit ja oder nein beantworten kann.

All diese Extrem-Charaktere werden in ihrer Reinform in der Praxis eher selten vorkommen. Doch den einen oder anderen Wesenszug werden Sie bei Ihrem nächsten Gesprächspartner wahrscheinlich wiedererkennen.

Ehrlichkeit – wie viel davon ist angebracht?

"Alles, was man sagt, muss wahr sein. Doch nicht alles, was wahr ist, muss man sagen." Sicher kennen Sie diesen Spruch. Er bringt auf den Punkt, wie viel Ehrlichkeit in einem Vorstellungsgespräch angebracht ist.

Ihr Gesprächspartner darf von Ihnen erwarten, dass Sie seine Fragen ehrlich beantworten. Beispielsweise wenn er von Ihnen die Höhe Ihres bisherigen Gehalts wissen will. Oder Sie fragt, ob Sie noch weitere Vorstellungstermine haben. Auf der anderen Seite sind Sie nicht verpflichtet, Ihre Schwächen ungefragt zu offenbaren. Zumal wenn es keinen direkten Bezug zu der zu besetzenden Stelle gibt. Allerdings kann es Ihnen auch Pluspunkte bringen, wenn Sie auf Nachfragen über eine Fehlentscheidung in Ihrem bisherigen beruflichen Werdegang sprechen. Beispielsweise wenn Sie Ihr abgebrochenes Studium damit erklären, dass Sie die falsche Fächerwahl getroffen haben und diesen falschen Weg nicht weiter verfolgen wollten. Nicht alles, was Sie möglicherweise als persönliche Schwäche verstehen, wird Ihr Gesprächspartner genauso sehen. Vielmehr beeindruckt es fast jeden Interviewer, wenn Sie Fehler als solche offen bezeichnen und aus Ihnen die richtige Konsequenz gezogen haben.

Bewerbung – machen Sie Werbung für sich

Vielmehr sollten Sie immer daran denken, dass Sie in einem Bewerbungsgespräch sitzen. Das hat etwas mit "werben" zu tun. Mit anderen Worten: Ihr Gegenüber erwartet sogar von Ihnen, dass Sie für sich Werbung betreiben. Nutzen Sie diese "Spielwiese" ruhig zu Ihren Gunsten aus und zeigen Sie sich von Ihrer Schokoladenseite. Achten Sie dabei darauf, dass Sie nicht nur dadurch glänzen, Dritte schlecht zu machen. Schon manchen Bewerber hat es ins Verderben gerissen, weil er über die Kollegen oder gar den Chef bei seinem derzeitigen Arbeitgeber hergezogen hat. Jeder, der Ihnen gegenüber sitzt, wird sich leicht vorstellen können, was Sie später einmal über ihn sagen werden. Das ist wahrlich keine angenehme Vorstellung.

Verzichten Sie also darauf, andere in schlechtem Licht darzustellen. Allerdings sollten Sie Ihres auch nicht unter den Scheffel stellen. Mit gesundem Selbstbewusstsein können Sie Ihre Vorzüge in geeignetem Maß ruhig präsentieren.

Sicher auftreten

Es war bereits die Rede davon: In einem Vorstellungsgespräch kommt ein Bewerber mit einem gesunden, aber nicht zu übertriebenen Selbstbewusstsein meist am besten an. Schließlich müssen Sie Ihr Gegenüber von der eigenen Person überzeugen. Überzeugen heißt nicht "tot reden". Natürliches Selbstbewusstsein und Gelassenheit ohne Überheblichkeit sind wichtig im Gespräch. Hüten Sie sich davor, zu forsch oder vorlaut aufzutreten. Etwas Zurückhaltung tut gut. Das gilt vor allem für jene Bewerber, die sich eher als extrovertiert einschätzen. Wer sich als eher introvertiert einschätzt, sollte sich lieber nach dem Motto "Nur wer wagt, gewinnt" verhalten.

Zum überzeugenden und sicheren Auftreten gehört selbstverständlich auch, dass Sie im Gespräch souverän wirken. Wer sich schnell aus der Fassung bringen lässt und auf etwas unangenehme Fragen leicht hektisch reagiert, wird das möglicherweise auch später im Job tun. Das allerdings ist nicht erwünscht. Bleiben Sie also ruhig, ganz egal, was Ihr Gesprächspartner Ihnen an den Kopf wirft. Außerdem sollten Sie darauf achten, dass Sie authentisch wirken. Geben Sie sich so, wie Sie es ansonsten auch in Alltagssituationen tun. Niemandem, am wenigsten Ihnen, ist damit geholfen, wenn Sie im Vorstellungsgespräch irgendwelche einstudierten Bewegungen oder eine festgefrorene Mimik präsentieren. Ihr Gesprächspartner hat in aller Regel einen Riecher dafür, ob Sie sich verstellen. Nur ganz wenigen, schauspielerisch sehr begabten Bewerbern gelingt es, Interviewprofis über die Dauer eines Vorstellungsgesprächs zu täuschen. Das zahlt sich im Übrigen auch nicht aus.

Wichtig: Überzeugen können Sie Ihren Partner nur, wenn er in Ihrer Einstellung einen wirklichen Nutzen für sich und sein Unternehmen sieht. Von dem Nutzen können Sie Ihn nur dann überzeugen, wenn Sie seine Bedürfnislage kennen. Denn jeder Mensch trifft seine Entscheidungen aus eigenen Motiven, nicht aus denen anderer heraus.

Lampenfieber – was tun?

Wenn Sie nicht gerade zu den absoluten Bewerberprofis gehören, die eine solche Situation fast jede Woche durchlaufen, ist es ganz normal, wenn Sie vor einem so wichtigen Gespräch eine gewisse Nervosität verspüren. Diese vor dem entscheidenden Termin in den Griff zu bekommen und sich dann während des Vorstellungsgesprächs zumindest äußerlich ruhig zu präsentieren, sollte Ihnen ebenso wichtig sein wie die inhaltliche Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch. Denn schon so manchem Bewerber haben seine Nerven einen Streich gespielt, weil er sie nicht im Griff hatte. Die Folge: Er ist in der Bewertung seiner Interviewer weit schlechter weggekommen, als es seinen Fähigkeiten und Eigenschaften eigentlich entsprochen hätte. So was nennt man dann wohl eine vertane Chance. Eine ausgefeilte Vorbereitung sowie ein vorheriges Training des Vorstellungsgesprächs hilft gegen zu viel Lampenfieber.

Nicht jeder Bewerber braucht ein solches Training. Es gibt Menschen, die lassen sich in zahlreiche Job-Börsen und in die Karteien verschiedener Personalberater aufnehmen. Dies tun sie im Zweifel nicht, weil sie wirklich auf der Suche nach einem neuen Job sind. Sie wollen auf diese Weise lediglich ihren Marktwert testen. Sollte ein gutes Angebot dabei sein, kann man sich ja immer noch überlegen, ob man dieses annimmt. Solche Menschen betreiben in Extremfällen eine Art Vorstellungstourismus. Für sie sind Vorstellungstermine reine Routine. Von Aufgeregtheit keine Spur.

Und dann gibt es andere Kandidaten, die können schon Tage vor dem eigentlichen Termin nicht mehr richtig schlafen. Ständig werden sie von diffusen Ängsten, die Bewerbungschance möglicherweise zu vermasseln, getrieben. Ist der Termin da, sind ihre Hände vor Aufregung feucht, auf der Stirn stehen Schweißperlen oder die Hand- und Fußknöchel sind vor angespannter Körperhaltung ganz weiß. Da Körper und Geist ja bekanntermaßen eine Einheit bilden, ist bei solchen Kandidaten das berühmte Brett vor dem Kopf höchstwahrscheinlich keine Seltenheit.

Die beiden beschriebenen Kandidatentypen und ihr Grad an Nervosität sind sicherlich extreme Beispiele. Die meisten Kandidaten verspüren eine relativ starke Anfangsnervosität, sobald sie ihrem Gesprächspartner zum ersten Mal gegenüberstehen. Die aber legt sich in aller Regel im Laufe des Gesprächs. Natürlich ist der Grad der Nervosität während eines Vorstellungsgesprächs nicht nur Mentalitätssache: Manch einer sieht sein ganzes Leben eher locker und lässt sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen, während andere schon bei Kleinigkeiten an die Decke gehen.

Erfolgsdruck

Wie aufgeregt Sie vor und während des Gesprächs sind, liegt sicherlich auch entscheidend an Ihrer persönlichen Situation. Ist der Druck groß, weil Sie vor kurzem erst die Kündigung von Ihrem derzeitigen Arbeitgeber erhalten haben und dringend einen neuen Job suchen, ist ein gewisser Grad an Lampenfieber sicherlich verständlicher als wenn Sie sich nur aus Spaß an der Freude bewerben.

Genaue Vorbereitung hilft

Um Ihr Lampenfieber in den Griff zu bekommen, sollten Sie sich auf diesen Tag gut vorbereiten. Über die inhaltliche Vorbereitung, beispielsweise welche Informationen Sie über das Unternehmen, die zu besetzende Stelle usw. brauchen, haben Sie bereits einiges erfahren.

Jetzt kommt es im wesentlichen auf die "soft skills" der richtigen Vorbereitung an: Stellen Sie sich Ihren Vorstellungstag im Detail vor. Beginnen Sie mit dem Moment, in dem Sie Ihre Wohnung oder Ihr Haus verlassen, um zu Ihrem Gesprächspartner aufzubrechen.

Viel Zeit und Ruhe

Wichtig ist: Bevor Sie sich auf den Weg machen, sollten Sie sich eine Ruhepause von mindestens einer, besser noch zwei Stunden gegönnt haben. Nur dann können Sie Ihrem potenziellen Arbeitgeber körperlich ausgeruht und geistig fit gegenüber treten.

Recherchieren Sie vorher genau, wie viel Zeit Sie von Ihrem Ausgangsort bis zum Veranstaltungsort benötigen. Planen Sie dabei einen zeitlichen Puffer ein. Eine Straßenbahn, die ausfällt, oder ein Stau auf der Straße sind nichts ungewöhnliches. Für Sie als Bewerber fällt das Entree bei Ihrem Gegenüber denkbar schlecht aus, wenn Sie bereits zu Ihrem ersten gemeinsamen Termin zu spät kommen.

Sollte ausgerechnet an Ihrem Vorstellungstag die Straße frei oder die Straßenbahn pünktlich sein, machen Sie nicht den Fehler, das Firmengebäude zu früh zu betreten. Gehen Sie lieber noch einmal um den Block und sortieren Sie Ihre Gedanken ein letztes Mal. Wenn Sie 15 bis 20 Minuten vor dem anberaumten Zeitpunkt da sind, ist das völlig ausreichend.

Vorsicht mit Medikamenten und Alkohol

Verzichten Sie vor dem Gespräch auf die Einnahme von Medikamenten, die Ihren Wahrnehmungssinn beeinträchtigen. Falls Sie ausgerechnet an diesem Tag krank geworden sind, bitten Sie besser um Verlegung des Termins. Auch wenn man sich damit manchmal etwas Mut macht, sollten Sie auf gar keinen Fall vorab Alkohol zu sich nehmen. Auch Kaffee in Unmengen genossen, hat schon so manchen Zeitgenossen nicht nur wach, sondern überdreht gemacht. Gönnen Sie sich eine leichte Mahlzeit ungefähr eine Stunde vor dem Termin. Ein knurrender Magen während des Gesprächs ist nicht der beste Unterhalter in einer solch anstrengenden Situation wie einem Vorstellungsgespräch.

Auch wenn Ihr Gesprächspartner Ihnen etwas während Ihres Treffens anbietet: Lehnen Sie Alkohol auf jeden Fall ab. Auch Kaffee ist nicht immer geeignet. Falls Sie eh schon "schweißnass" sind, wird das Koffein möglicherweise Ihre Körpertemperatur noch mehr anheizen.

Kleidung

Ebenfalls wichtig: Überlegen Sie sich schon am Vortag, was Sie zum Vorstellungstermin anziehen wollen. Ihre Kleidung sollte nicht zu eng oder zu kurz sein. Zwickende Hosen oder zu knappe Röcke lenken beim Vorstellungsgespräch nur unnötig ab. Oberstes Gebot sollte sein, dass Sie sich im gewählten Outfit wohl fühlen. Auch wenn Sie meinen, dass in bestimmten Branchen ein besonderer Dresscode herrscht, in "Verkleidung" werden Sie sicher keinen guten Eindruck hinterlassen.

Entwerfen Sie Ihren speziellen Vorbereitungsfahrplan, in dem Sie alle Punkte, wie Fahrtstrecke und -zeit einzeln auflisten und Ihre Vorgehensweise festhalten. Das gibt Ihnen Sicherheit.

Selbstverständlich nimmt Ihnen dieser Fahrplan nicht Ihre diffusen Ängste, die Sie möglicherweise in Anbetracht des näherrückenden Termins mit Blick auf das eigentliche Gespräch immer stärker entwickeln. Falls Sie beim Gedanken daran einen gewissen Fluchtwunsch verspüren, können Sie ebenfalls mit der richtigen Vorbereitung Abhilfe schaffen. Zunächst einmal sollen Sie möglichst genau herausfinden, was genau Ihre Ängste auslöst. Es macht schon einen Unterschied, ob Sie Angst haben zu versagen oder einfach unsicher sind, weil Sie nicht genau wissen, mit wem Sie es während des Gesprächs zu tun haben. In letzterem Fall hilft es Ihnen möglicherweise, wenn Sie wissen, dass auch Ihr Gegenüber Ihnen keineswegs immer überlegen ist, sondern Ihre kommunikative Unterstützung für das Gelingen des Vorstellungsgesprächs benötigt.

Übungsgespräch

Wenn Sie diesen Schritt gemacht haben, üben Sie das Vorstellungsgespräch mit einer Ihnen vertrauten Person, die den Part des Interviewers übernimmt. Ein solches Rollenspiel lässt sich anhand der Checkliste "Fragen und Antworten" aufbauen. Sie antworten auf Fragen, die so oder ähnlich häufig an Bewerber gerichtet werden. Ihr Mitspieler sagt Ihnen nach Abschluss der Übung, wie Sie gewirkt haben. Ein solches Feed-back macht natürlich nur dann Sinn, wenn Sie für konstruktive Kritik offen sind und der andere auch bereit ist, Sie auszuüben. Selbstverständlich können Sie den Ernstfall mit einem solchen Rollenspiel nur bedingt nachstellen. Wichtig ist jedoch, dass Sie auf diese Weise ein Gefühl für mögliche Unsicherheiten bekommen und eine Idee, wie sie sich vermeiden lassen.

Mentales Training

Zum Schluss sollte bei einer guten Vorbereitung das mentale Training nicht fehlen. Stellen Sie sich einen Leistungssportler vor, der sich auf seinen Wettbewerb vorbereitet. Er muss auf den Punkt fit sein, genauso wie Sie. Und er muss davon überzeugt sein, sein angestrebtes Ziel mit der bestmöglichen Leistung zu erreichen. Damit Ihr Körper und Geist im entscheidenden Moment fit sind und Sie als Sieger aus dem Kampf um den Arbeitsplatz hervorgehen, gibt es verschiedene Möglichkeiten: leichte Entspannungsübungen können ebenso helfen wie ein professionell durchgeführtes autogenes Training. Für was Sie sich entscheiden, hängt von Ihrem persönlichen Geschmack ab. Wichtig ist, dass Sie mit Ihrem mentalen Trainingsprogramm früh genug beginnen. Wer erst zwei Tage vor dem entscheidenden Termin loslegt, darf nicht auf allzu große Wirkung hoffen.

Schwachstellen

Es war bereits die Rede davon: Schwachstellen sollten Sie Ihrem Gegenüber nicht ungebeten auf dem Silbertablett präsentieren. Das wäre taktisch sehr unklug. Werden Sie allerdings auf den einen oder anderen Knick in Ihrer Berufsbiografie angesprochen, wäre es ebenfalls nicht besonders geschickt, ausweichend zu reagieren. Bei einem solchen Verhalten dürfen Sie damit rechnen, dass man bei Ihren Antworten "nachbohren" und Sie bitten wird, die Ursachen für diesen oder jenen Knick genauer zu erklären. Besser ist es, in solchen Situationen offen und ehrlich zu antworten, bei einem Abbruch der Ausbildung oder des Universitätsstudiums zum Beispiel. Können Sie plausibel darlegen, warum Sie sich gegen Ihre Studienpläne entschieden haben, wird man Ihnen das mit Sicherheit als konsequentes und geradliniges Verhalten auslegen, das möglicherweise mehr wiegt als der akademische Abschluss.

Welche Schwachstellen Ihre Berufsbiografie aufweist, wissen Sie selbst am besten. Gehen Sie davon aus, dass Ihr Gesprächspartner diese bei der Durchsicht der Bewerberunterlagen ebenfalls entdeckt hat. Überlegen Sie sich deshalb bereits im Vorfeld, wie Sie solche Schwachstellen im Vorstellungsgespräch am besten darstellen.

Schwarze Flecken und roter Faden

Wichtig ist, wenn Sie darauf angesprochen werden: Fehlentscheidungen sind nicht unbedingt schwarze Flecken in Ihrer Karriere. Denken Sie daran, dass fast jeder Arbeitnehmer den einen oder anderen Fehlgriff während seines Berufslebens getan hat - möglicherweise also auch Ihr Gegenüber. Stehen Sie offen zu einer Fehlentscheidung und begründen Sie "Schwachstellen" sachlich. Ein Job, den Sie schnell wieder gekündigt haben, könnte beispielsweise auf eine nicht vorhersehbare Fusion des Unternehmens und damit verbundene Umstrukturierungen zurückzuführen sein.

Fehlt Ihnen nach Ansicht des Gesprächspartners der "rote Faden" in Ihrer Biografie, begründen Sie (plötzliche) Veränderungen ruhig und souverän. Schwächen lassen sich manchmal auch in Stärken umwandeln. Beispielsweise können Sie Jobs, die nicht ins Karriereraster passen, damit begründen, gerade diese "Berufsirrung" hätte Ihnen wertvolle Erfahrungen für Ihre weitere Tätigkeit gebracht. Überhaupt sollten Sie während des Gesprächs Ihre Stärken in den Vordergrund stellen. Bohrt Ihr Gesprächspartner bei Schwachstellen nach, die bei der ausgeschriebenen Position keine Rolle spielen, sollten Sie ihn darauf hinweisen. Beispiel: Als künftiger Mitarbeiter der Marketing-Abteilung müssen Sie sicherlich kommunikativ sein und kreativ arbeiten können. Allerdings darf niemand von Ihnen verlangen, dass Sie ein Finanzgenie sind.

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