Einführung

Rechtschreibreform

Als am 1. Juli 1996 die Rechtschreibreform beschlossen und zwei Jahre später allmählich eingeführt wurde, hagelte es Proteste – aus Fachkreisen und der Öffentlichkeit gleichermaßen. Viele Vorschläge der Reformer sollten zwar der Vereinfachung dienen, schienen aber aus Sicht der Reformgegner eher viele liebgewonnene Wörter zu verunstalten. Zudem konnten die Kritiker der Rechtschreibreform nachweisen, dass viele Neuregelungen zur Groß- und Kleinschreibung und zum Zusammen- oder Getrenntschreiben unlogisch und damit schwer zu behalten waren. Nur ein kleiner Teil des Reformwerks stieß auf allgemeine Akzeptanz und konnte sich durchsetzen. Deshalb kam es zur Reform der Reform.

 
Bis 2005 herrschte eine gewisse orthografische Freiheit: Sowohl die alte als auch die neue Rechtschreibung waren erlaubt – dadurch stieg die Verwirrung noch mehr an. Vor allem Schüler, die gerade die Rechtschreibung lernen sollten, hatten es schwer. Namhafte Schriftsteller und bedeutende Institutionen wie die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung stellten sich gegen die Rechtschreibreform. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung boykottierte sie ebenfalls und beharrte auf den alten Schreibweisen, weitere wichtige Medien folgten. Und so plätscherten die Reformen jahrelang so dahin. Erst zum 1. August 2006 führte die Kultusministerkonferenz die neuen, reformierten Regeln endgültig in den Schulen ein. Trotzdem behalten einige große Zeitungen ihre eigene „Hausorthografie“, die sich nur zum Teil an den neuen Regeln orientiert.
 
Heute ist ein wenig Ruhe in die Diskussion um die Rechtschreibreform eingekehrt. Einige Regeln, wie zum Beispiel das -ss anstelle –ß nach kurzen Vokalen sind inzwischen zur Gewohnheit geworden. Trotzdem fragen sich viele Menschen: Sind die Reformen wirklich am Ende? Und vor allem: Wie gut kennen und beherrschen wir die Regeln der Rechtschreibreform?
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