Total votes: 15
  • Send to friend
  • Diese Seite drucken
wissen.de Artikel

Rechtzeitig gegen Grippe impfen lassen

Bild 1 von 4
Im Berliner Robert-Koch-Institut werden jedes Jahr die neuesten Virenstämme erforscht.
Im Berliner Robert-Koch-Institut werden jedes Jahr die neuesten Virenstämme erforscht.
dpa
Bild 2 von 4
Grippeviren schwächen den menschlichen Körper bis zu zwei Wochen lang.
Grippeviren schwächen den menschlichen Körper bis zu zwei Wochen lang.
dpa
Bild 3 von 4
Vor allem Senioren sind durch Grippeviren stark gefährdet.
Vor allem Senioren sind durch Grippeviren stark gefährdet.
dpa
Bild 4 von 4
Lediglich 30 Prozent der Risikopatienten lassen sich alljährlich in der Bundesrepublik gegen Grippe impfen.
Lediglich 30 Prozent der Risikopatienten lassen sich alljährlich in der Bundesrepublik gegen Grippe impfen.
dpa

Impfstoffforschung beginnt ein Jahr im Voraus

Im Berliner Robert-Koch-Institut werden jedes Jahr die neuesten Virenstämme erforscht.

Im Berliner Robert-Koch-Institut werden jedes Jahr die neuesten Virenstämme erforscht.

Für das Influenzazentrum des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin beginnt die Grippesaison schon im Sommer. Jedes Jahr machen sich die Forscher des Instituts dann über eingeschickte Rachenabstriche her, um die neuesten Virenstämme zu isolieren. Fündig werden sie meistens schon im August. Wenn das RKI im September seine alljährliche Impfempfehlung herausgibt, ist es Zeit sich zu überlegen, ob man einer lästigen Grippe nicht vorbeugen möchte.

Bis Februar werden laufend Proben aus der ganzen Republik überprüft und die Veränderungen im Virus dokumentiert. Die Daten dienen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Grundlage für die Impfstoffempfehlung der nächsten Grippesaison also für den Winter 2002/2003. Die Impfstoffe für den kommenden Winter sind dagegen längst schon in Produktion.

Höhepunkt der Grippewelle zwischen Januar und März

Grippeviren schwächen den menschlichen Körper bis zu zwei Wochen lang.

Grippeviren schwächen den menschlichen Körper bis zu zwei Wochen lang.

Mit einer richtigen Influenza ist nicht zu spaßen. Schlägt das Virus einmal zu, steigt innerhalb weniger Stunden die Körpertemperatur unter Schüttelfrost-Attacken bis auf über 39 Grad. Zum Fieber kommen starke Kopf- und Muskelschmerzen sowie Übelkeit. Nach drei bis acht Tagen sind diese Allgemeinsymptome zwar meistens wieder verschwunden, der geschwächte Körper braucht aber im Durchschnitt noch ein bis zwei Wochen, um sich von dem Schlag zu erholen.

Jeden Winter verzeichnen Ärzte in Deutschland eine starke Zunahme der Influenza-Erkrankungen. Diese Grippewellen dauern in der Regel zwischen vier und acht Wochen. “In den vergangenen neun Jahren lag die Spitze zwischen Januar und März, erklärt Michael Köllstadt von der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) in Marburg. “Den ersten Anstieg verzeichnen wir aber schon im November. Nach Schätzungen der AGI, die Erkrankungsmeldungen aus über 600 Arztpraxen des Bundesgebiets auswertet, kommt es bei einer “normalen Grippewelle zu rund fünf Millionen zusätzlichen Arztbesuchen.

Bei größeren Pandemien, die durch neue dominante Erreger ausgelöst werden, kann diese Zahl auf sieben bis acht Millionen klettern. “Eine solche Welle kann das soziale Leben schon erheblich beeinträchtigen, führt der Influenzaexperte aus. “Wenn zehn Prozent aller Busfahrer, Ärzte oder Lehrer wegen Grippe ausfallen, gibt es schon Probleme.

Risikogruppen: Influenza kann tödlich enden

Doch auch als Erkrankung ist die Grippe ernst zu nehmen. Denn bei Risikogruppen kann eine Influenza tödlich enden. Jährlich sterben in Deutschland zwischen 4000 und 8000 Personen direkt oder indirekt an den Folgen einer Grippe. Für die Saison 1995/96, als ein stark veränderter Virustyp kursierte, errechnete die AGI 20 000 zusätzliche Todesfälle. 90 Prozent von ihnen entstammten der Risikogruppe der über 60-Jährigen. “Viele von ihnen sterben nicht direkt an der Grippe, meint Michael Köllstadt, “sondern erliegen einer Herz-Kreislaufschwäche oder einer Zweitinfektion.

Impfung für ältere Menschen empfohlen

Vor allem Senioren sind durch Grippeviren stark gefährdet.

Vor allem Senioren sind durch Grippeviren stark gefährdet.

Dabei lässt sich eine Influenza durch eine frühzeitige Impfung vermeiden. Die Immunität ist in den ersten vier Monaten nach der Impfung am höchsten und schützt während dieser Zeit zu 80 bis 90 Prozent. Die WHO empfiehlt deswegen jedes Jahr vor allem den Risikopatienten, sich zwischen September und November impfen zu lassen. Denn selbst wenn trotz Impfung eine Grippe ausbrechen sollte, verläuft sie wesentlich schwächer als bei einer Ansteckung ohne Impfschutz. Auch das Risiko einer Zweiterkrankung sinkt.

Zu den besonders gefährdeten Personen zählen vor allem ältere Menschen über 60 Jahre. Deren Körper wird bei einer Erkrankung so geschwächt, das sowohl die Immunabwehr als auch vitale Funktionen wie Herz, Kreislauf oder Nieren unter der Belastung zusammenbrechen können. Auch chronisch Kranke mit Herz-Kreislauf-Schwäche, Asthma, Nierenproblemen, Tumorerkrankungen oder Immunschwäche sind eine Risikogruppe. Wegen des erhöhten Infektionsrisikos sollten sich auch Menschen impfen lassen, die beruflich viel mit Menschen zu tun haben oder in medizinischen Berufen arbeiten. Empfohlen wird eine Immunisierung auch Schwangeren, die ihr Kind zwischen November und April erwarten.

Gefährliche Nebenwirkungen der Impfung sind nicht bekannt. Patienten, die gegen Hühnereiweiß allergisch sind, sollten Rücksprache mit ihrem Arzt halten. Da der Impfstoff in Hühnereiern herangezüchtet wird, können Spuren von Eiweiß im Präparat zurückbleiben. “Doch selbst dieses Risiko ist sehr gering, erklärt Susanne Stöcker vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in Offenbach, wo die Impfstoffe alljährlich geprüft und zugelassen werden.

Deutsche sind Impfmuffel

Lediglich 30 Prozent der Risikopatienten lassen sich alljährlich in der Bundesrepublik gegen Grippe impfen.

Lediglich 30 Prozent der Risikopatienten lassen sich alljährlich in der Bundesrepublik gegen Grippe impfen.

Die Impfmoral der Deutschen ist nicht besonders hoch. In der Saison 2000/2001 ließen sich 15 Millionen Bundesbürger impfen. “Von den Risikopatienten sind es nur 30 Prozent, bemängelt Michael Köllstadt. Bei unseren europäischen Nachbarn, wie Frankreich mit 70 Prozent, sieht es sehr viel besser aus. Dort und auch in der Schweiz führt der Staat im Herbst große Impfkampagnen durch. “Bei uns werden die Menschen meistens zu spät auf das Problem aufmerksam, kritisiert Michael Köllstadt. Eine Erfahrung, die auch der Allgemeinarzt Peter Gleixner in München bestätigen kann. “Diejenigen, die sich schon seit Jahren regelmäßig impfen lassen, kommen zwar pünktlich, weiß er zu berichten. Aber das Gros der Patienten, komme erst, wenn es schon zu spät ist und die meistens schon im Bett liegen.

Total votes: 15
  • Send to friend
  • Diese Seite drucken

Post new comment


0 Kommentare

Filtered HTML

  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <blockquote> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd>
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA
This question is for testing whether you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.

Wissenstest

Wissenstest Medizingeschichte

Wodurch wurde Joseph Skoda bekannt?

Fotostrecke

Viren und Bakterien: Die unsichtbare Gefahr

Video: Atombombenabwurf über Hiroshima

RÄTSEL DES ALLTAGS

Rätsel des Alltags

Hochspannungsleitungen: Wieso können Vögel darauf sitzen?