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Redewendung des Tages

Den inneren Schweinehund überwinden

Träger Köter

Der Schweinehund ist ein fauler Zeitgenosse.

"Erst musste ich meinen inneren Schweinehund überwinden, bevor ich mich an die Steuererklärung setzen konnte", sagt Herr Gemütlich. Sobald wir eine unangenehme Tätigkeit anpacken und uns dazu einen Ruck geben müssen, bellt dieses Tier der Faulheit in uns. Dann heißt es wieder einmal: "Das mach ich später", "Ich weiß nicht, wie das geht" und "Aber es regnet gerade".

Um zur Wurzel des Ausspruchs zu kommen, muss man bis ins Mittelalter zurückgehen. Denn der "Schweinehund" ist nicht etwa ein kurios-hässliches Fabelwesen mit Pfoten und Rüssel. Vielmehr bezog man sich früher auf den Hund, der Schweinehirten beim Hüten der Borstentiere half. Diese Arbeit war nicht gerade mit hohem Ansehen gesegnet: Der Hirt galt als simpler Zeitgenosse, sein Bello, eigentlich doch ohne eigene Schuld, als träger Köter.

 

Ein fauler Hund

Im 19. Jahrhundert benutzten Studenten den Schweinehund als Schimpfwort, später wurde er zum Synonym für Willens- und Antriebsschwäche. Ethische Gründe, Arbeitsmoral, die Erkenntnis, dass es so auf Dauer nicht weitergeht - wann immer ein Mensch wider besseres Wissen passiv bleibt, bemühen wir den Schweinehund.

Kurt Schumacher (SPD) wetterte 1932, die Nationalsozialisten würden an den inneren Schweinehund appellieren, also an niedrigste Instinkte. Reichswehrminister Kurt von Schleicher wiederum forderte, die Soldaten sollten ihren inneren Schweinehund überwinden – die Redewendung wurde im Krieg bald viel gebraucht.

 

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