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Redewendung des Tages

Jemandem etwas anhängen

Schimpf und Schande

Die demütigende Zurschaustellung am Pranger steuerte mehrere Metaphern zur deutschen Sprache bei, beispielsweise wenn wir "jemandem etwas anhängen" oder "etwas anprangern".

Das finstere Mittelalter und sein Strafrecht verfolgen uns in dieser Redewendung immer noch. Während die Würde des Menschen heute als unantastbar gilt, konnte die für Alltagsstreitigkeiten zuständige Niedere Gerichtsbarkeit bis ins 16. Jahrhundert "Ehrenstrafen" verhängen, die den Verurteilten gesellschaftlich vernichten sollten. 

Er wurde – am Pranger oder Schandpfahl angekettet – öffentlich zur Schau gestellt, durfte angespuckt und verspottet werden. Im "Glöckner von Notre-Dame" hat Victor Hugo solch eine Szene plastisch geschildert. Auf einem Zettel, den man am Delinquenten befestigt – "angehängt" – hatte, stand die Missetat vermerkt.

Weil diese Strafe der Willkür und Denunziation Tor und Tür öffnete, ist sie nicht nur aus den Gesetzbüchern verschwunden, sondern in negativer Form sprichwörtlich geworden: Wer schlecht über Nachbarn oder Kollegen redet, hängt ihnen etwas an.

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