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Redewendung des Tages

Schwamm drüber

Wisch und weg

Schwamm drüber – Platz für Neues.

Johann Wolfgang von Goethe kritisierte 1810 in seiner "Farbenlehre" am Philosophen Baco von Verulam, "mit dem Schwamm über alles hinzufahren, was bisher auf die Tafel der Menschheit verzeichnet worden war". Er verwies damit auf den Ursprung der Redensart: In den Wirtshäusern wurden Getränke früher nicht auf dem Bierdeckel oder teurem Papier verzeichnet, sondern mit Kreide auf eine Tafel notiert.

Am Ende des Abends wischte der Kellner, wenn die Zeche bezahlt war, den Betrag vom Schiefer – er fuhr mit dem Schwamm darüber. Aus diesem Zusammenhang kommt auch die Redewendung "in der Kreide stehen" – dieser Zustand betraf all jene, die ihre Schulden beim Wirt oder auch beim Krämer noch nicht beglichen hatten. Ihre Namen prangten - für jedermann gut sichtbar - auf der Tafel. 

Der Dichterfürst verwendete die Metapher als erstes, für die Pointierung sorgte aber erst Karl Millöckers Operette "Der Bettelstudent". Im 3. Akt singt Oberst Ollendorf: "Seit ich als Feldherr tätig,/Ist mir der Kriegsgott gnädig;/Seit mehr als zwanzig Jahren/Treib‘ ich den Feind zu Paaren./Nur manchmal, wenn die Feigen/Mir ihre Zähne zeigen,/Dann krieg‘ ich Nasenstüber,/Schwamm drüber!"

Die Wendung fand dermaßen großen Anklang, dass der Malerdichter Karl Stauffer-Bern kurz nach der Uraufführung 1882 bemerkte, "Schwamm drüber" sei die "neueste Berliner Redensart". Die Formel nutzen wir bis heute, wenn wir eine unangenehme Angelegenheit abhaken, nicht mehr über sie sprechen oder die ganze Geschichte einfach vergessen wollen.

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