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Regenerative Energien im Aufwind

Die Anforderungen der Zukunft nehmen die Energiekonzerne schon heute in die Pflicht. Immer wieder warnen Experten vor einem Versiegen der Ölquellen – spätestens zum Beginn der zweiten Jahrhunderthälfte. Die Industrie hat reagiert und fördert verstärkt die erneuerbaren Energien: Windkraft und Solarstrom gelten als so genannte “regenerative Energien” als Hoffnungsträger des Sektors – ein Überblick.

Auf der Suche nach Alternativen

Die Zeichen stehen auf Sturm - zumindest, wenn es nach den Betreibern von Windkraft-Energien geht. Keine Frage: Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, denn die so genannten regenerativen d.h.: erneuerbaren Energien haben jede Menge Rückenwind. Bereits acht Prozent des deutschen Stroms stammen schon heute von den Versorgern der regenerativen Energien.

Mit vier Prozent liefert die Wasserkraft daran aktuell noch den größten Anteil doch das Wasserkraftpotenzial scheint erschöpft: Schon im nächsten Jahr rechnen Experten mit einer Überrundung durch den großen Wachstumsmarkt der Windenergie. Auch Solarstrom gilt als ein Zukunftsmarkt: Experten rechnen mit einer Verzehnfachung des Fotovoltaik-Anteils bei der Stromerzeugung in den nächsten zehn Jahren.

Wird 2050 bereits die Hälfte des Stroms von regenerativen Energien erzeugt?

Die Zeit arbeitet also für die erneuerbaren Energien: Nach einer Shell-Studie sollen die regenerativen Energien zu Beginn der zweiten Jahrhunderthälfte bereits die Hälfte des weltweiten Stromverbrauchs generieren. 2010 soll Strom, der aus Sonne, Wind, Wasser, Biomasse oder Erdwärme erzeugt wird, bereits zehn Prozent des europäischen Energiebedarfs ausmachen, schätzt die zuständige EU-Kommission.

Island, der Inselstaat im nördlichen Atlantik, hat als erstes Land der Welt bereits konsequent mit einem Wechsel der Energie-Politik begonnen: Seit Anfang des Jahres werden ausschließlich Wasserstoff und erneuerbare Energien zur heimischen Stromerzeugung eingesetzt Autos dürfen entsprechend nur noch mit Wasserstoff-Antrieb fahren.

Auch in Deutschland tut sich viel in der Energie-Bewegung nicht zuletzt bedingt durch die rot-grüne Schröder-Administration. So ebnete die Bundesregierung vor zwei Jahren mit dem “Erneuerbare-Energien-Gesetz vor allem dem Wind- und Solarenergiemarkt mit garantierten Vergütungen den Weg zur Expansion.

Die Industrie vor allem angeführt von der Automobilbranche fördert ein stärkeres Engagement für die Wasserstoffenergie, die mit Hilfe der Brennstoffzellen-Technologie revolutioniert werden soll. Daimler Chrysler hat bereits den ersten Schritt gemacht: Für 2004 ist die Serienproduktion des ersten Wasserstoff-Autos angekündigt, das als Abgas reinen Wasserdampf ausstoßen soll.

Windenergie

Der Markt für Windenergie boomt: Seit 1991 sind rund 10.000 Windkraftanlagen entstanden der Markt wächst jährlich um bis zu 30 Prozent. Grund genug für Bundesumweltminister Jürgen Trittin gegenüber der Financial Times Deutschland optimistische Töne anzuschlagen: “Bereits jetzt können wir feststellen, dass es uns gelungen ist, einen neuen gesunden Industriezweig zu entwickeln, der schon heute 35.000 Arbeitsplätze bietet und weiter wächst. Langfristig soll die Branche ein sich selbst tragender Markt sein.

Windenergie wird traditionell in Windkraftwerken gewonnen, in denen technisch nutzbare Energieformen umgewandelt werden. 2001 konnten auf diesem Weg bereits knapp drei Prozent der deutschen Stromerzeugung abgedeckt werden. Die Zukunft der Windenergie gehört den so genannten Windparks, die aus einer Vielzahl von Windturbinen bestehen. Für den sinnvollen Einsatz von Windkraftwerken sollte die Windgeschwindigkeit 10 Meter über dem Boden 5 m/s (entspricht 18 km/h) überschreiten.

Dies ist in Deutschland besonders in windbegünstigten Lagen wie im Mittelgebirge und in den Alpen - aber auch gerade in den Küstengebieten, bzw. gar im Meer der Fall. Die konstanten, starken Winde machen das Meer zu einem immer gefragteren Standort so genannten Offshore-Windparks gehört nach Experten-Meinung die Zukunft. So soll in diesem Sommer der erste echte Offshore-Windpark von dem dänischen Stromproduzenten Elsam auf rauer See vor Dänemark starten, die e.on-Tochter Powergen plant vor Skorby Sands ihr erstes Windkraftprojekt. 2003 will Prokon Nord den ersten deutschen Windpark auf dem Meer realisieren: Zwölf Windkraftanlagen sollen 45 Kilometer nördlich der Insel Borkum gebaut werden.

Aktuell wächst das Geschäft erst einmal auf dem Festland und im Nearshore-Bereich rasant. Die deutschen Windenergie-Versorger sind dabei gut positioniert: Deutschland ist hinter Dänemark bereits zweitgrößter Exporteur von Windenergie. Der dänische Branchenprimus Vestas konkurriert bei der Jagd nach dem Wind gleich mit mehreren deutschen Herausforderern: Energiekontor, Enercon, und Nordex sind nur einige Vorzeige-Unternehmen des wachsenden Windenergiemarktes ein Überblick.

Vestas

Der global agierende Windenergieanlagenhersteller Vestas ist hervorragend aufgestellt: Mit über 1000 Windkraftanlagen in 30 Ländern sind die Dänen weltweit bereits zum zweitgrößten Windkraftanlagen-Bauer aufgestiegen. Das schnell wachsende Unternehmen arbeitet dabei höchst profitabel: Bei einem Umsatz von 1,28 Milliarden Euro konnten im vergangenen Geschäftsjahr 133 Millionen Euro erwirtschaftet werden im Jahr 2000 waren es noch 93 Millionen Euro bei 868 Euro Umsatz. Vestas notiert aktuell bei 35 Euro das Jahreshoch lag bei 60 Euro, das Jahrestief bei 20 Euro.

Nordex

Auch die Windenergietochter der Deutschen Babcock (Borsig Energy) stellt technologisch anspruchsvolle Windkraftanlagen her, vor allem für den Megawatt-Bereich. Mit einem Weltmarktanteil von neun Prozent gehört Nordex zur internationalen Spitze. Das seit 2000 am Neuen Markt gelistete Unternehmen konnte im vergangenen Geschäftsjahr bei einem Umsatz von 347 Millionen Euro einen operativen Gewinn von 14 Millionen Euro erzielen. Obschon das Unternehmen permanent auf den Empfehlungslisten so renommierter Investmentbanken wie Dresdner Kleinwort Wasserstein, Trinkaus & Burkardt oder etwa Sal. Oppenheim zu finden ist, befindet sich die Aktie seit Börsendebüt im Abwärtstrend: Mit gegenwärtig 6,30 Euro notiert Nordex nur knapp über dem Allzeittief von 5,84 Euro das Hoch lag knapp bei 11 Euro.

Energiekontor

Das Neue Markt-Unternehmen ist in Deutschland Platzhirsch bei der Realisierung von Windkraftprojekten. Als Full-Service-Unternehmen betreut Energiekontor Projekte komplett von der Flächenakquisition über die Planung, den Bau und den Vertrieb bis zur Betriebsführung. Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnte Energiekontor den Umsatz um mehr als 44 Prozent auf 101,27 Millionen Euro steigern und damit einen operativen Gewinn von neun Millionen Euro erzielen. Wie alle Neue Markt-Firmen leidet auch Energiekontor massiv unter der anhaltenden Börsenbaisse: Die Aktie notiert bei aktuell 7 Euro nur marginal über dem Allzeit-Tief von 5,80 Euro das Hoch hatte noch bei 30 Euro gelegen.

Solarenergie

Auch das Geschäft mit der Solarenergie gilt als zukunftsträchtiger Wachstumsmarkt. Die Investition in Fotovoltaik, also die Erzeugung elektrischer Energie mit Hilfe von Sonnenenergie, schreitet in Deutschland schnell voran kein Wunder: Schließlich verzeichnete die Solar-Branche in den vergangenen zwei Jahren beachtliche Wachstumsraten von über zweihundert Prozent. Im Jahr 2030 soll der Solarstromanteil bereits zwischen fünf und acht Prozent liegen.

Nahe liegend, dass Energieversorger sowie einige Ölkonzerne das Geschäft mit der Sonne für sich entdeckt haben und massiv in Fotovoltaik investieren. So hat etwa die Shell-Tochter Shell Solar, die ihren Sitz in Amsterdam hat und zu den internationalen Marktführern im Bereich der Fotovoltaik zählt, in Gelsenkirchen die europaweit größte Solarzellenfabrik errichtet. Auch Konkurrent BP hat angekündigt, in Zukunft verstärkt auf Solarenergie setzen zu wollen.

Solarenergie kann vor allem zur Stromerzeugung und Wärmeerzeugung (Solarheizung) genutzt werden. 2000 waren in Deutschland mehrere zehntausend Häuser mit den für diffuse Sonneneinstrahlung geeigneten Flachkollektoren und mit Fotovoltaik-Anlagen ausgestattet. In den nächsten Jahren soll die Stromgewinnung durch die Sonne dank zahlreicher Förderprogramme massiv unterstützt werden.

So erwartet die Schweizer Bank Sarasin & Cie in ihrer im September 2000 vorgelegten Studie Fotovoltaik am Ende des 20. Jahrhunderts, dass “der Schwung aus dem deutschen 100.000-Dächer-Programm durch den Erlass des 'Erneuerbare-Energien-Gesetz' mit seinen großzügigen Abgeltungen geradezu potenziert werde und “dem deutschen Markt einen großen Wachstumsschub bescheren dürfte.

Zur Verdeutlichung: Das am 1. April 2000 in Kraft getretene “Erneuerbare-Energien-Gesetz EEG sieht eine Vergütung für Strom aus Solarenergie von mindestens 50 Cent pro Kilowattstunde vor. Netzbetreiber sind danach verpflichtet, den ins öffentliche Netz eingespeisten Solarstrom entsprechend zu vergüten.

Neben den Tochterunternehmen der großen Energieversorger und Ölkonzerne haben sich folgende unabhängige Solarenergie-Unternehmen einen Namen gemacht und bereits den Sprung an die Kapitalmärkte vorbereitet bzw. schon gewagt:

Solarworld

Der Bonner Solarkonzern zählt zu den Big Playern der Fotovoltaik- und gleichzeitig zu den profitabelsten Konzernen der Branche. Im Geschäftsjahr konnte Solarworld 2001 den Umsatz und Ertrag konzernweit deutlich steigern: Bei einem Umsatz von 82 Millionen Euro konnte der Konzern einen operativen Gewinn von 7,5 Millionen erzielen.

Einen Löwenanteil hat daran das Tochterunternehmen Deutsche Solar, das solare Vor- und Zwischenprodukte (Rohstoffe, Wafer, Zellen) herstellt. Die Deutsche Solar, die in naher Zukunft ausgegliedert und selbst an die Börse gebracht werden soll, ist Europas größter Produzent von multikristallinen Silicium-Wafern. Das Solarunternehmen plant zudem im sächsischen Freiberg den Bau der weltweit größten Solarfabrik. Insgesamt sollen dazu 260 Millionen Euro investiert werden. Die ersten Solarzellen aus dem Werk sollen Ende 2002 ausgeliefert werden.

Die Solarworld befindet sich trotz der soliden Konzernergebnisse im allgemeinen Abwärtstrend der Börse: Bei 21 Euro notiert Solarworld aktuell auf einem Jahrestief - das Allzeithoch lag bei knapp 100 Euro.

Conergy

Die anhaltende Baisse an den Aktienmärkten hat nicht nur die Kurse bereits gelisteter Unternehmen gedrückt sondern, wie im Fall Conergys, den Börsengang überhaupt erst verhindert. Seit Anfang 2001 plant das Hamburger Unternehmen den IPO (Inital Public Offering), hat aber angesichts der dramatischen Kursverluste der Konkurrenz die Emission bislang verschoben.

Die Voraussetzungen dafür sind zumindest geschaffen: Die Conergy AG ist einer der führenden Systemanbieter im Bereich Solarstrom. Sie deckt von der Entwicklung über die Produktion bis zur Planung von Großprojekten den Markt für Solarenergie ab.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr belief sich der Umsatz auf rund 75 Millionen Euro. Zum Börsengang ist ein profitables Betriebsergebnis anvisiert. Die Einnahmen aus dem Börsengang sollen der internationalen Expansion und der Erschließung neuer Technologien dienen.

Nils Jacobsen

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