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wissen.de Artikel

Schleyer, Schmidt und Sporthelden

Ob Promi oder Politiker - das waren die Köpfe der 70er

Willy Brandt krempelt das Verhältnis der BRD zum Osten um, Günter Wallraff entlarvt "Bild" und deutsche Sportler feiern zahlreiche internationale Erfolge. Die Mitglieder der RAF und die Opfer des Terrors prägen das Bild ebenso wie Bundeskanzler Schmidt als deren Gegenpol. Verschiedenste Menschen beeinflussen, bereichern, begeistern oder schockieren in den 70er Jahren die BRD. Doch schauen Sie selbst: Klicken Sie auf das erste Bild und lernen Sie unsere "Köpfe der 70er" kennen.

Bild 1 von 10
Misstrauensvotum gegen Brandt
Brandts Ostpolitik, vor allem die Ratifizierung der 1970 geschlossenen Verträge mit der UdSSR und der Volksrepublik Polen, wird zum bestimmenden Thema der deutschen Innenpolitik. Gestützt auf Überläufer aus den sozialliberalen Reihen versucht am 27. April 1972 der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Rainer Barzel durch ein konstruktives Misstrauensvotum, Bundeskanzler Willy Brandt abzuwählen. Doch der Coup misslingt: Barzel verfehlt die Mehrheit und sieht sich – wegen seiner positiven Haltung zu den Ostverträgen – in eigenen Reihen heftiger Kritik ausgesetzt. Die Ratifizierung der Ost-Verträge durch den Bundestag am 17. Mai ist zugleich der Auftakt zum bisher härtesten Wahlkampf in der Geschichte der Bundesrepublik. Nach einer starken Polarisierung führt Willy Brandt am 19. November 1972 die SPD zum größten Wahlsieg in ihrer 110-jährigen Geschichte – wozu auch das starke Engagement vieler Bürger für ihre Partei beigetragen hat.
Corbis-Bettmann, New York
Bild 2 von 10
Medaillenregen für "unsere" Rosi
Die Olympischen Winterspiele in Innsbruck 1976 sind die Spiele der Rosi Mittermaier. Die 25-jährige aus Reit am Winkl fährt unerwartet am 8. Februar 1976 auf den alpinen Ski-Olymp. Rosi Mittermaier, die in ihren zehn Weltcup-Jahren noch nie in der alpinen Königsdisziplin Abfahrt gewonnen hat, findet auf der schwierigen, 2215 m langen Piste die Ideallinie und rast mit durchschnittliche 87 km/h zu einem neuen Streckenrekord und zu ihrem ersten Olympiasieg. Ihren zweiten legt sie drei Tage später nach: Die "Gold-Rosi" siegt auch in ihrer Paradedisziplin, dem Slalom. Im Riesenslalom holt sie außerdem noch die Silbermedaille. Die damit erfolgreichste alpine Skiläuferin aller Zeiten wird nicht nur in ihrem Heimatort stürmisch gefeiert.
Sipa Press, Paris
Bild 3 von 10
RAF nimmt Hanns Martin Schleyer als Geisel
Ein Kommando der "Rote-Armee-Fraktion" (RAF) entführt am 5. September 1977 Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer. Der blutige Kampf der Terroristen hat damit in der Bundesrepublik Deutschland einen neuen Höhepunkt erreicht. Vier von Schleyers Begleiter sterben bei dem hinterhältigen Überfall. Am Tag nach der Entführung stellen die Entführer ihre Forderungen: Elf Häftlinge, darunter die in Stammheim einsitzenden Terroristen Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof sollen freigelassen und ins Ausland ausgeflogen werden. Der 63-Jährige wird Wochen später durch drei Schüsse in den Kopf getötet, seine Leiche am 19. Oktober im Kofferraum eines Autos in Mulhouse/Elsaß aufgefunden.
Corbis-Bettmann, New York
Bild 4 von 10
Niki Lauda: schwerer Unfall auf dem Nürburgring
Ein Unfall schockiert nicht nur die Nation: Der Automobil-Weltmeister Niki Lauda verunglückt beim großen Preis von Deutschland am 1. August 1976 auf der Nordschleife des Nürburgrings schwer und schwebt vier Tage lang in Lebensgefahr. Der 27-jährige Österreicher prallt in seinem Ferrari in der zweiten Runde mit fast 250 km/h gegen eine Böschung. Beim Aufprall wird der Schutzhelm von Laudas Kopf gerissen, der auf die Fahrbahn zurück geschleuderte Wagen steht in hellen Flammen. Vier Fahrer bergen den hilflosen Lauda aus dem 800 Grad heißen Cockpit, noch bevor nach 28 Sekunden die Sicherheitsstaffel vor Ort ist. Lauda überlebt. Nach sechs Wochen geht der Österreicher in Monza wieder an den Start eines Formel-1-Rennen.
Corbis-Bettmann, New York
Bild 5 von 10
"Schlafen kann ich, wenn ich tot bin..." - Rainer Werner Fassbinder
Im Neuen Deutschen Film der 70er Jahre ist Rainer Werner Fassbinder das produktivste Talent. Kommunikationsunfähigkeit und Beziehungslosigkeit kennzeichnen seine Figuren. Der Regisseur zeigt das Verlangen des Menschen nach Befreiung von den Zwängen, denen er unterworfen ist, den Wunsch nach Solidarität und Selbstbestimmung auf dem Weg zu einer offeneren Gesellschaft. Die Protagonisten seiner Filme sind vom Leben nicht verwöhnt; sie scheitern in ihren Beziehungen und an ihrem Arbeitsplatz. In "Angst essen Seele auf" (1974) berührt Fassbinder ein von der Gesellschaft tabuisiertes Thema: die Gastarbeiterproblematik in Deutschland sowie die Liebe zwischen einem jungen Mann und einer wesentlich älteren Frau. Eine herausragende Literaturverfilmung gelang ihm mit Fontanes "Effi Briest" (1974).
Sipa Press, Paris
Bild 6 von 10
Helmut Schmidt - der Krisenmanager
Schwieriger Start für den am 16. Mai 1974 gewählten Kanzler Helmut Schmidt (SPD): Der "Ölschock" aus dem Jahr 1973 zeigt noch deutliche Auswirkungen. Eine erneute Preiserhöhung für Erdöl im Januar 1973 hat Produktionsrückgänge und Massenentlassungen in nahezu allen Industriezweigen zur Folge. Die Zahl der Arbeitslosen im gesamten Bundesgebiet steigt auf fast eine Million. Die neue Erfahrung, dass weder Leistung noch Bildungsstand vor dem Verlust des Arbeitsplatzes schützen, führt in der Bevölkerung zu tiefer Verunsicherung. Schmidt betont jedoch das Positive. In seiner ersten Regierungserklärung bilanziert er: "Unsere wirtschaftliche Lage ist gut. Unser Volk lebt in sozialer Sicherheit und in Freiheit. Der innere und der äußere Friede sind gefestigt. Unser Land hat Ansehen und Freunde in der Welt." Im Kampf gegen die RAF und dessen Auswirkungen bewährt sich Schmidt als starker Krisenmanager.
Corbis-Bettmann, New York
Bild 7 von 10
Der erste Deutsche im All - Sigmund Jähn
An Bord des sowjetischen Raumschiffs "Sojus 31" startet der DDR-Oberstleutnant Sigmund Jähn am 26. August 1978 als erster Deutscher zu einem Flug in den Weltraum. Zusammen mit zwei sowjetischen Kosmonauten dockt Jähn am zweiten Tag des Unternehmens an die bemannte Raumstation "Salut 6" an. Dort arbeitet er an zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen und Experimenten. Nach acht Tagen im All landen die drei Kosmonatuen wieder sicher auf der Erde. Erst in den 80er Jahren fliegt mit Ulf Merbold der erste Bundesdeutsche ins All.
wissenmedia GmbH, Gütersloh
Bild 8 von 10
Günter Wallraff - Abrechnung mit der "Bild"
Mit seinem neuesten Coup erregt der Enthüllungsjournalist Günter Wallraff großes Aufsehen: Von März bis Mitte Juni 1977 arbeitet Wallraff unter dem Tarnnamen Hans Esser unerkannt in der Hannoveraner Redaktion der "Bild"-Zeitung. In seinem Buch "Der Aufmacher", das am 9. Oktober 1977 erscheint, stellt er die redaktionellen Praktiken der auflagenstärksten europäischen Tageszeitung dar. Das Buch löst heftige Diskussionen über die Arbeitsmethoden bei "Bild" aus. Anhand konkreter Fälle weist er nach, dass bei der "Bild" häufig Nachrichten zurechtgebogen, Ereignisse aufgebauscht oder verfälscht werden, um die Sensationslust der Leser zu befriedigen. Die meisten Redaktuere schrecken mit Blick auf die Auflage nicht davor zurück, Menschen an den Pranger zu stellen. Der Springer-Konzern wehrt sich mit zahlreichen Prozessen gegen die Anschuldigungen, doch die Kernaussagen über die "Bild" bleiben unbeanstandet.
Kiepenheuer & Witsch, Köln
Bild 9 von 10
Rücktritt von Bernhard Grzimek
Der Direktor des Frankfurter Zoos, Bernhard Grzimek, tritt am 1. Februar 1973 von seinem Amt als Naturschutzbeauftragter zurück. Er habe während seiner zweijährigen Amtszeit seine Ziele bezüglich des Naturschutzes innerhalb der Bundesregierung nicht durchsetzen können, begründet Grzimek die Entscheidung. Grzimek hat die Aufgabe 1969 übernommen und sich leidenschaftlich für den Schutz der Natur und die Erhaltung der natürlichen Lebensräume von Tieren engagiert. Der 64-Jährige gibt 1974 auch die Leitung des Zoologischen Gartens in Frankfurt am Main ab. Bekannt wurde der deutsche Tierarzt durch Bücher, Filme und Fernsehen, u.a. "Kein Platz für wilde Tiere", "Serengeti darf nicht sterben" oder "Grzimeks Tierleben". Er nahm sich zeit seines Lebens besonders der Erhaltung gefährdeter Tierarten an.
wissenmedia GmbH, Gütersloh
Bild 10 von 10
Konrad Lorenz - der Vater der Graugänse
Konrad Lorenz' These, das Verhalten von Tier und Mensch hänge weitgehend von sozialen Faktoren ab, erhält in der verhaltensphysiologischen Forschung Bedeutung. Am 10. Dezember 1973 bekommt er als erster Verhaltensbiologe den Medizin-Nobelpreis. Lorenz verfasst zahlreiche Bücher, in denen er um eine philosophische Begründung seiner Forschung bemüht ist und die Ähnlichkeit zwischen menschlichem und tierischem Verhalten beschreibt. In seinem Spätwerk "Die Rückseite des Spiegels" (1973) beklagt er den "Verfall der Kultur", für den er die Analogie einer Geisteserkrankung wählt. Lorenz war Professor in Münster und München und Leiter des Max-Planck-Instituts für Verhaltensphysiologie in Seewiesen.
Sipa Press, Paris

Misstrauensvotum gegen Brandt

Brandts Ostpolitik, vor allem die Ratifizierung der 1970 geschlossenen Verträge mit der UdSSR und der Volksrepublik Polen, wird zum bestimmenden Thema der deutschen Innenpolitik. Gestützt auf Überläufer aus den sozialliberalen Reihen versucht am 27. April 1972 der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Rainer Barzel durch ein konstruktives Misstrauensvotum, Bundeskanzler Willy Brandt abzuwählen. Doch der Coup misslingt: Barzel verfehlt die Mehrheit und sieht sich – wegen seiner positiven Haltung zu den Ostverträgen – in eigenen Reihen heftiger Kritik ausgesetzt. Die Ratifizierung der Ost-Verträge durch den Bundestag am 17. Mai ist zugleich der Auftakt zum bisher härtesten Wahlkampf in der Geschichte der Bundesrepublik. Nach einer starken Polarisierung führt Willy Brandt am 19. November 1972 die SPD zum größten Wahlsieg in ihrer 110-jährigen Geschichte – wozu auch das starke Engagement vieler Bürger für ihre Partei beigetragen hat.

Medaillenregen für "unsere" Rosi

Die Olympischen Winterspiele in Innsbruck 1976 sind die Spiele der Rosi Mittermaier. Die 25-jährige aus Reit am Winkl fährt unerwartet am 8. Februar 1976 auf den alpinen Ski-Olymp. Rosi Mittermaier, die in ihren zehn Weltcup-Jahren noch nie in der alpinen Königsdisziplin Abfahrt gewonnen hat, findet auf der schwierigen, 2215 m langen Piste die Ideallinie und rast mit durchschnittliche 87 km/h zu einem neuen Streckenrekord und zu ihrem ersten Olympiasieg. Ihren zweiten legt sie drei Tage später nach: Die "Gold-Rosi" siegt auch in ihrer Paradedisziplin, dem Slalom. Im Riesenslalom holt sie außerdem noch die Silbermedaille. Die damit erfolgreichste alpine Skiläuferin aller Zeiten wird nicht nur in ihrem Heimatort stürmisch gefeiert.

RAF nimmt Hanns Martin Schleyer als Geisel

Ein Kommando der "Rote-Armee-Fraktion" (RAF) entführt am 5. September 1977 Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer. Der blutige Kampf der Terroristen hat damit in der Bundesrepublik Deutschland einen neuen Höhepunkt erreicht. Vier von Schleyers Begleiter sterben bei dem hinterhältigen Überfall. Am Tag nach der Entführung stellen die Entführer ihre Forderungen: Elf Häftlinge, darunter die in Stammheim einsitzenden Terroristen Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof sollen freigelassen und ins Ausland ausgeflogen werden. Der 63-Jährige wird Wochen später durch drei Schüsse in den Kopf getötet, seine Leiche am 19. Oktober im Kofferraum eines Autos in Mulhouse/Elsaß aufgefunden.

Niki Lauda: schwerer Unfall auf dem Nürburgring

Ein Unfall schockiert nicht nur die Nation: Der Automobil-Weltmeister Niki Lauda verunglückt beim großen Preis von Deutschland am 1. August 1976 auf der Nordschleife des Nürburgrings schwer und schwebt vier Tage lang in Lebensgefahr. Der 27-jährige Österreicher prallt in seinem Ferrari in der zweiten Runde mit fast 250 km/h gegen eine Böschung. Beim Aufprall wird der Schutzhelm von Laudas Kopf gerissen, der auf die Fahrbahn zurück geschleuderte Wagen steht in hellen Flammen. Vier Fahrer bergen den hilflosen Lauda aus dem 800 Grad heißen Cockpit, noch bevor nach 28 Sekunden die Sicherheitsstaffel vor Ort ist. Lauda überlebt. Nach sechs Wochen geht der Österreicher in Monza wieder an den Start eines Formel-1-Rennen.

"Schlafen kann ich, wenn ich tot bin..." - Rainer Werner Fassbinder

Im Neuen Deutschen Film der 70er Jahre ist Rainer Werner Fassbinder das produktivste Talent. Kommunikationsunfähigkeit und Beziehungslosigkeit kennzeichnen seine Figuren. Der Regisseur zeigt das Verlangen des Menschen nach Befreiung von den Zwängen, denen er unterworfen ist, den Wunsch nach Solidarität und Selbstbestimmung auf dem Weg zu einer offeneren Gesellschaft. Die Protagonisten seiner Filme sind vom Leben nicht verwöhnt; sie scheitern in ihren Beziehungen und an ihrem Arbeitsplatz. In "Angst essen Seele auf" (1974) berührt Fassbinder ein von der Gesellschaft tabuisiertes Thema: die Gastarbeiterproblematik in Deutschland sowie die Liebe zwischen einem jungen Mann und einer wesentlich älteren Frau. Eine herausragende Literaturverfilmung gelang ihm mit Fontanes "Effi Briest" (1974).

Helmut Schmidt - der Krisenmanager

Schwieriger Start für den am 16. Mai 1974 gewählten Kanzler Helmut Schmidt (SPD): Der "Ölschock" aus dem Jahr 1973 zeigt noch deutliche Auswirkungen. Eine erneute Preiserhöhung für Erdöl im Januar 1973 hat Produktionsrückgänge und Massenentlassungen in nahezu allen Industriezweigen zur Folge. Die Zahl der Arbeitslosen im gesamten Bundesgebiet steigt auf fast eine Million. Die neue Erfahrung, dass weder Leistung noch Bildungsstand vor dem Verlust des Arbeitsplatzes schützen, führt in der Bevölkerung zu tiefer Verunsicherung. Schmidt betont jedoch das Positive. In seiner ersten Regierungserklärung bilanziert er: "Unsere wirtschaftliche Lage ist gut. Unser Volk lebt in sozialer Sicherheit und in Freiheit. Der innere und der äußere Friede sind gefestigt. Unser Land hat Ansehen und Freunde in der Welt." Im Kampf gegen die RAF und dessen Auswirkungen bewährt sich Schmidt als starker Krisenmanager.

Der erste Deutsche im All - Sigmund Jähn

An Bord des sowjetischen Raumschiffs "Sojus 31" startet der DDR-Oberstleutnant Sigmund Jähn am 26. August 1978 als erster Deutscher zu einem Flug in den Weltraum. Zusammen mit zwei sowjetischen Kosmonauten dockt Jähn am zweiten Tag des Unternehmens an die bemannte Raumstation "Salut 6" an. Dort arbeitet er an zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen und Experimenten. Nach acht Tagen im All landen die drei Kosmonatuen wieder sicher auf der Erde. Erst in den 80er Jahren fliegt mit Ulf Merbold der erste Bundesdeutsche ins All.

Günter Wallraff - Abrechnung mit der "Bild"

Mit seinem neuesten Coup erregt der Enthüllungsjournalist Günter Wallraff großes Aufsehen: Von März bis Mitte Juni 1977 arbeitet Wallraff unter dem Tarnnamen Hans Esser unerkannt in der Hannoveraner Redaktion der "Bild"-Zeitung. In seinem Buch "Der Aufmacher", das am 9. Oktober 1977 erscheint, stellt er die redaktionellen Praktiken der auflagenstärksten europäischen Tageszeitung dar. Das Buch löst heftige Diskussionen über die Arbeitsmethoden bei "Bild" aus. Anhand konkreter Fälle weist er nach, dass bei der "Bild" häufig Nachrichten zurechtgebogen, Ereignisse aufgebauscht oder verfälscht werden, um die Sensationslust der Leser zu befriedigen. Die meisten Redaktuere schrecken mit Blick auf die Auflage nicht davor zurück, Menschen an den Pranger zu stellen. Der Springer-Konzern wehrt sich mit zahlreichen Prozessen gegen die Anschuldigungen, doch die Kernaussagen über die "Bild" bleiben unbeanstandet.

Rücktritt von Bernhard Grzimek

Der Direktor des Frankfurter Zoos, Bernhard Grzimek, tritt am 1. Februar 1973 von seinem Amt als Naturschutzbeauftragter zurück. Er habe während seiner zweijährigen Amtszeit seine Ziele bezüglich des Naturschutzes innerhalb der Bundesregierung nicht durchsetzen können, begründet Grzimek die Entscheidung. Grzimek hat die Aufgabe 1969 übernommen und sich leidenschaftlich für den Schutz der Natur und die Erhaltung der natürlichen Lebensräume von Tieren engagiert. Der 64-Jährige gibt 1974 auch die Leitung des Zoologischen Gartens in Frankfurt am Main ab. Bekannt wurde der deutsche Tierarzt durch Bücher, Filme und Fernsehen, u.a. "Kein Platz für wilde Tiere", "Serengeti darf nicht sterben" oder "Grzimeks Tierleben". Er nahm sich zeit seines Lebens besonders der Erhaltung gefährdeter Tierarten an.

Konrad Lorenz - der Vater der Graugänse

Konrad Lorenz' These, das Verhalten von Tier und Mensch hänge weitgehend von sozialen Faktoren ab, erhält in der verhaltensphysiologischen Forschung Bedeutung. Am 10. Dezember 1973 bekommt er als erster Verhaltensbiologe den Medizin-Nobelpreis. Lorenz verfasst zahlreiche Bücher, in denen er um eine philosophische Begründung seiner Forschung bemüht ist und die Ähnlichkeit zwischen menschlichem und tierischem Verhalten beschreibt. In seinem Spätwerk "Die Rückseite des Spiegels" (1973) beklagt er den "Verfall der Kultur", für den er die Analogie einer Geisteserkrankung wählt. Lorenz war Professor in Münster und München und Leiter des Max-Planck-Instituts für Verhaltensphysiologie in Seewiesen.

von Eva Abraham und Andrea Rickert, wissen.de
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