Victor Hasselblad, der Erfinder der weltberühmten Hasselblad-Kameras, wurde vor 100 Jahren geboren. Wir blicken auf sein Leben und die unternehmerische wie erfinderische Leistung eines Mannes, der an sich selbst und seine Produkte immer die allerhöchsten Ansprüche stellte.

Victor Hasselblad
Die Geschichte der bis heute wohl berühmtesten Kamera der Welt beginnt mit einem Flugzeugabsturz im 2. Weltkrieg. Die deutsche Luftwaffe verlor im Frühjahr 1940 mehrere Maschinen über schwedischem Hoheitsgebiet und in einem der Wracks machten die Schweden einen interessanten Fund – ein voll funktionsfähige deutsche Kamera für Luftaufnahmen. Die schwedische Regierung wollte eine vergleichbare Ausrüstung haben und kontaktierte den Kameraexperten Victor Hasselblad, der nicht nur zahlreiche Artikel zu fotografischen und technischen Themen veröffentlicht hatte, sondern dessen Familienname für die erfolgreichste Fotokette im Lande stand. Auf die Frage, ob er eine vergleichbare Kamera wie die deutschen bauen könnte, soll Hasselblad geantwortet haben: „Nein, aber ich kann eine bessere bauen.“ Bis heute ist unklar, ob Hasselblad diese Worte ausgesprochen hat, aber wie ließe sich die Entstehung einer Legende besser beschreiben als mit einer Legende?
Eine außergewöhnliche Familie
Werfen wir einen Blick zurück ins 19. Jahrhundert und betrachten wir die Chronik einer außergewöhnlichen Familie. Bereits seit den ersten Tagen der Fotografie ist der Name Hasselblad mit Fotokameras verbunden. Zuerst wurden fotografische Aufnahmegeräte nur verkauft, dann aber auch selbst hergestellt. Und diese Tradition der Entwicklung von Kameras, die überragende Abbildungsqualität, Zuverlässigkeit und Vielseitigkeit bieten, reicht über ein halbes Jahrhundert zurück.
Im Jahre 1841, gründete die Familie Hasselblad in der Hafenstadt Göteborg ihre erste Handelsfirma F.W. Hasselblad & Co.. Die Stadt Göteborg mit ihrer Nähe zu den mitteleuropäischen Handelszentren und ihrer langen Handelstradition mit Großbritannien, den Niederlanden, Dänemark, Deutschland und vielen anderen Ländern, war für ein internationales Import-Export-Unternehmen ideal geeignet. F.W. Hasselblad & Co wurde bald zu einem der am schnellsten wachsenden schwedischen Handelshäuser. Das Unternehmen begann auch Waren und Produkte für das neue und aufstrebende Gebiet der Fotografie zu importieren.
Als Arvid Viktor Hasselblad, der Sohn des Firmengründers und ein begeisterter Amateurfotograf, innerhalb der Firma eine eigene Fotoabteilung gründete, soll er gesagt haben: "Ich glaube nicht, dass wir damit viel Geld verdienen werden, aber wenigstens können wir umsonst fotografieren."
Arvid Viktor wurde schnell widerlegt, da sich der Bereich als sehr profitabel herausstellte und die fotografische Abteilung zu einem Hauptbereich der F.W. Hasselblad & Co. wurde, die 1908 ausgelagert wurde. In enger Zusammenarbeit mit George Eastman, der Gründer von Kodak, wuchs die Firma rasant.
Ein Multitalent

Victor Hasselblad mit Kamera
1906 wurde Victor Hasselblad geboren, der das Familiengeschäft übernehmen sollte. Bereits als Kind stellte sich Victor rasch als begeisterter Natur- und Vogelliebhaber heraus – eine Leidenschaft, die er im Teenageralter mit seiner Begeisterung für Fotografie und technische Neuerungen verknüpfte.
In Dresden lernte der junge Victor die Kamera- und Objektivherstellung von der Pike auf, bevor er über mehrere Jahre die Welt bereiste und in Frankreich und später auch in den USA in Kamera- und Filmfabriken, Fotolabors und Fotofachgeschäften seine umfangreichen Kenntnisse ausbaute. Besonders eng war die Zusammenarbeit mit George Eastman, der Victor Hasselblad unter seine Fittiche nahm.

Erna und Victor Hasselblad
1934 heiratete er Erna Nathorst. Wieder in Europa machte sich Victor als fotografierender Ornithologe einen Namen und veröffentlichte 1935 ein vielbeachtetes Buch mit dem Titel „Zugvogellinien“. Zwei Jahre später macht sich Victor Hasselblad mit einem Fotogeschäft „Victor Foto“ in Göteborg selbstständig. Der auch über Skandinavien Krieg veränderte sein Leben radikal und führte – wie oben bereits beschrieben – zur Konstruktion der ersten Hasselblad-Kamera im Auftrag der schwedischen Regierung. Die HK 7 entstand in Eigenarbeit in langen Abendstunden und bereits einige Monate später begann die Serienproduktion.
1942 erwarb Victor nach dem Tod des Vaters die Anteilsmehrheit am Familienunternehmen. Die Produktion der Kameras für das Militär betrachtete Hasselblad nur als ersten Schritt in der Entwicklung einer Kamera für die zivile Nutzung. So wurde am 6. Oktober 1948 die Hasselblad 1600F der Öffentlichkeit vorgestellt und begeistert aufgenommen. Dank guter Verkaufszahlen expandierte Hasselblad und brachte neue revolutionäre Produkte auf den Markt. Der Name Hasselblad wurde zu einem Synonym für Zuverlässigkeit, Perfektion und beste Bildqualität.
Hasselblad im Weltraum
Im Oktober 1962 wurde ein neues Kapitel in der Hasselblad-Erfolgsgeschichte aufgeschlagen, als der NASA-Astronaut Walter Schirra seine private Hasselblad-Kamera mit an Bord der Mercury-Rakete nahm und die ersten Aufnahmen aus dem Weltraum mitbrachte. Das war der Beginn einer langen intensiven Zusammenarbeit zwischen Hasselblad und der NASA.

Hasselblad Gebäude, Aussenansicht
1966 verkaufte Victor Hasselblad das Vertriebsunternehmen und die Einzelhandelskette „Hasselblad Fotografiska AB“ an Kodak. Zehn Jahre später zog er sich aus dem Geschäftsleben zurück. Im Jahre 1978 starb er im Alter von 72 Jahren. Den Großteil seines Vermögens vermachte er testamentarisch an die „Erna und Victor Hasselblad-Stiftung“, deren Hauptzweck die Förderung der wissenschaftlichen Bildung und Forschung ist. Einmal pro Jahr verleiht die Stiftung einen hochdotierten Preis an herausragende Fotografen. Die Geschichte der Hasselblad-Kameras endete aber keineswegs mit dem Tod ihres Erfinders. Im Gegenteil auch im 3. Jahrtausend spielt die Hasselblad nach wie vor eine führende Rolle in der Welt der Fotografie.









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