Rund 4,5 der 7,3 Millionen Schweizer sprechen Deutsch. Die Verfassung der Schweiz bestimmt bekanntlich neben Deutsch noch Französisch und Italienisch als “Amtssprachen des Bundes”. Regionale Amtssprache ist außerdem Rätoromanisch, und zwar im Kanton Graubünden – es gibt allerdings keine einheitliche rätoromanische Schriftsprache. In der Schweiz spricht man Schweizerdeutsch bzw. verschiedene schweizerdeutsche Dialekte. Vom späten Mittelalter bis zur Neuzeit gab es eine eigene schweizerdeutsche Schriftsprache, die schließlich verdrängt wurde. Heute benutzt man im deutschsprachigen Teil der Schweiz die deutsche Schriftsprache. Die Umgangssprache der Schweizer ist jedoch das so genannte “Schwyzerdütsch” (Schweizerdeutsch), das sich wesentlich von der deutschen Umgangssprache unterscheidet.
Eine Flut von Dialekten
Schweizerdeutsch gehört zu den alemannischen Dialekten. In der Schweiz gilt im Prinzip das Hochalemannische. Dialekt-Forscher zählen die alemannischen Dialekte zum Oberdeutschen. Zum Oberdeutschen gehört das Schwäbisch-Alemannische, das Bairische, das Ostfränkische und das Süd(rhein)fränkische. Schwäbisch-Alemannisch umfasst Württemberg, Baden, das deutschsprachige Elsass, Bayern westlich des Lechs, die deutschsprachigen Teile der Schweiz und Vorarlberg.
Vom Hochalemannischen ist im Südwesten und im Südosten das Höchstalemannische auszugliedern, welches man auch als Walserdeutsch oder Walserisch bezeichnet. Gesprochen wird es im Kanton Wallis (in Oberwallis). Walser verbreiteten ihre Mundart ebenfalls in Graubünden und Vorarlberg und in anderen Walsersiedlungen. Manche walserische Erscheinungen Graubündens weisen allerdings rätoromanischen Einfluss auf.
Recht, Geschlecht und Sprache
Seit 1981 ist die Gleichberechtigung von Frau und Mann in der Schweizer Bundesverfassung verankert. Immer dringender wurde in diesem Zusammenhang gefordert, Frauen und Männer auch in der Sprache gleich zu behandeln. Am 7. Juni 1993 hat der Schweizer Bundesrat beschlossen, die Grundsätze der sprachlichen Gleichbehandlung in allen drei Amtssprachen zu fördern. Der Grundsatz ist einfach, die Umsetzung aber häufig recht anspruchsvoll, wenn man Sätze wie “Vertreterinnen und Vertreter der Gewerkschaften verhandelten mit Parlamentarierinnen und Parlamentariern über die Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer” vermeiden will.
Eine Arbeitsgruppe hat Grundsätze und Strategien für die Umsetzung dieser Forderungen erarbeitet und einen Leitfaden zur sprachlichen Gleichbehandlung verfasst. Die “Dokumentation zu Recht und Sprache in der Schweiz” (DORES) verzeichnet Publikationen, Veranstaltungshinweise, Gerichtsurteile, Erlasse u.a. zur Sprachsituation in der Schweiz und zu den vielfältigen Berührungspunkten und Schnittbereichen von Recht und Sprache bzw. Rechts- und Sprachwissenschaft.
Schwyzerdütsch – leicht gemacht
Diejenigen, die die Schweiz von Norden her betrachten, machen es sich mit der Sprache der Eidgenossen leicht. Jedem zweiten Wort wird am Ende einfach ein Diminutiv angehängt; jenes “li” also, das insbesondere den Deutschen offensichtlich geläufiger ist als den Schweizern selbst. Ganz so simpel ist es nicht. Wie problemlos aber dennoch das Erlernen einiger Grundregeln des Schwyzerdütsch sein kann, hat das Reisemagazin “Globo” im Sonderheft Schweiz (2000/1) unter dem Titel “Swyzerdütsch in 5 Tagen” erklärt:
- “1. Tag. Fragen Sie nach jedem Satz: odr? Das gilt auch für Aussagesätze wie: Mir ist kalt, odr?
- 2. Tag. Sprechen sie das ch nach einem i oder e (z.B. in ich, echt) wie das ch in Docht, also im Rachen.
- 3. Tag. Die Verkleinerungsform -chen wird zu -li. Das Blümchen wird zum Blümli. Der Artikel das wird wie s ausgesprochen. Ein Brötchen heißt also s’Brötli.
- 4. Tag. Zweisilbige Wörter werden grundsätzlich auf der ersten Silbe betont: Büro, Ressort, Fondue.
- 5. Tag. Bei manchen Vokabeln hilft nur auswendig lernen: Sagen sie öppis statt etwas, lädele statt gemütlich einkaufen, Puff statt Durcheinander oder chrampfe statt arbeiten.”
Durchkommen im Alltag
Die Vokabeln der Praxis führen zu alltagstauglichen Schweizer Wörtern: Wer frisch gezapftes Bier vom Fass in der Kneipe trinken will, geht zur nächsten “Beiz” und bestellt eine “Stange”. Sein Auto oder “Töff” (Motorrad) bringt man zur Reparatur in die “Garage” (Werkstatt). “Cars” (Reisebusse) “parkieren” (parken). Mit “Velos” (Fahrrädern) oder “Bikes” (Mountain-Bikes) unternimmt man schöne Touren. “Chinder” (Kinder; das ch wird als k ausgesprochen) spielen auf “Matten” (Wiesen).
Suppe kann man in der “Pfanne” (Kochtopf) kochen und “schmöcken” (riechen). Überhaupt wird’s beim Essen in der Schweiz putzig und pikant: “Peperoni” sind Paprika und “Rüebli” sind Möhren. Beim “Beck” (Bäcker) kauft man “Mutschli”, “Mütschli” oder “Brötli” (Brötchen) beziehungsweise “Weggli” (Milchbrötchen). Dazu nimmt man ein “Mödeli” (Päckchen) “Anke” (Butter). Als Hauptgericht könnte man “Rande” (Rote Beete), “Mischtchratzerli” (Hähnchen) und “Gschwellti” (Pellkartoffeln) zusammenstellen und als Dessert mit einem “Glace” (Eis) abrunden.
Im Restaurant fragt die “Serviertochter” (weibliche Bedienung) vielleicht dann auch “Isch’s guat gsi?” (“Ist es gut gewesen?”). Das gebräuchlichste Flüssigkeits-Mengenmaß nennt sich “Dezi” (Deziliter). Getrunken wird ein “Cüp(p)li” (Gläschen Sekt/Champagner), ein “Kafi fertig” (Kaffee mit Schnaps) oder “Kafi Träsch” (Kaffee mit Trester).
Auch die Schweizer Traditionen bringen wundersame Begriffe mit sich: Zu Karneval treten “Gugge” (Musikgruppen) auf, im Wettkampf üben sich Athleten im “Seilziehen” (Tauziehen) und “Schwinget” (Ringkampf). Ab Anfang Dezember begegnen einem immer wieder lautstark die “Trinkler” mit ihren “Trinkeln” oder “Treicheln” (große Kuhglocken), um die Ankunft von “Samichlaus” (Nikolaus) und “Schmutzli” (Knecht Ruprecht) einzuläuten. Beim “Posten” (Einkaufen) erhält man Waren gegen Zahlungsmittel. Im Gegensatz zum “lädele” (Einkaufsbummel machen), bei dem man nicht unbedingt “posten” muss. Beherrscht man die Vokabeln, kann man mit ja auf die Frage antworten “Verstehst Du überhaupt Buuredütsch?” Denn so nennt so mancher Einheimische das Schwyzerdütsch.
Kleines Schwyzerdütsch-ABC
- Anke: Butter
- Bölle: Zwiebeln
- Buude: Betrieb, Arbeitsort
- Bünzli: Spiesser, Spiessbürger
- Chäs: Käse
- Chrömle: etwas Kleines am Kiosk kaufen (meist Süßigkeiten)
- Chlöpfer: Cervelatwurst
- Eierschwämm: Pfifferlinge
- Einisch: einmal
- Föif-Liber(li): 5-Frankenstück
- Flädli: in Streifen geschnittene Pfannkuchen
- Fleischvögel: Rouladen
- Gstabi: ein schusseliger Mensch
- Guetsli: Plätzchen, Keks
- Keinisch: keinmal
- Knopf: Knoten
- Lappe: 100-Frankenschein
- Metzgete: Schlachtplatte, Schlachtfest
- Mängisch: manchmal
- Papiertüchli: Papiertaschentuch
- Panache: Alsterwasser, Radler
- Peterli: Petersilie
- Röschti: Bratkartoffeln nach Schweizer Art
- Sack: Tasche
- Schutzli: unvorsichtiger, nervöser Mensch
- Stutz: Franken
- Tonne: 1000 Franken
- Zapfenzieher: Korkenzieher
- Zmittag: Mittagessen
- Zmorgen: Frühstück
- Znacht: Abendessen
- Znüni: Vormittagsimbiss
- Zvieri: Nachmittagsimbiss
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