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So machen sich Tiere fit für den Winter

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Langohrfledermaus
Eine Langohrfledermaus richtet sich für den Winter in einer Mauerritze ein. Die langen Ohren werden abgeklappt und unter die Flughaut gelegt.

Frühlingsgefühle im Herbst

Auch die Fledermaus hält Winterschlaf. Doch sie ist jetzt nicht nur damit beschäftigt, sich fleißig Winterspeck anzufressen. Sie hat auch noch eine andere Sache im Kopf: Sex. Fledermausweibchen entwickeln im Herbst regelrechte Frühlingsgefühle und paaren sich mit so vielen männlichen Artgenossen wie nur möglich.

Der Clou: Die ausgetauschten Spermien konservieren die fliegenden Säuger bis zu ihrem Eisprung im Frühjahr. Erwachen sie aus dem Winterschlaf, können sie erst einmal in aller Ruhe auf Beutejagd gehen und an Körpergewicht zulegen, ohne Zeit und Energie für die Fortpflanzung aufwenden zu müssen. Trotzdem kommt ihr Nachwuchs dank dieses Tricks spätestens im Juni zur Welt - und hat dann selbst noch genügend Zeit fliegen zu lernen und sich eine Speckschicht für den kommenden Winter anzufuttern.

Starr vor Kälte

Weniger aktiv geht es im Herbst bei sogenannten wechselwarmen Tieren wie Fröschen, Eidechsen und Fischen zu. Wenn die Außentemperatur sinkt, kühlt das Blut dieser Arten immer weiter ab. Sie werden träge und verstecken sich an möglichst geschützten Orten. Irgendwann tritt dann die Winterstarre ein. Die Tiere werden im wahrsten Sinne des Wortes starr vor Kälte. Ähnlich wie beim Winterschlaf sinken Herzschlag und Atmung dabei auf ein Minimum.

Anders als bei Säugetieren und Vögeln, die ihre Körpertemperatur selbst regeln können, entspricht die Körpertemperatur wechselwarmer Arten mehr oder weniger der der Umgebungstemperatur. Trotzdem können viele Tiere in der Kältestarre auch Temperaturen unter dem Gefrierpunkt aushalten. Dabei verhindert ein körpereigenes Frostschutzmittel, dass das Blut in ihren Adern gefriert.

Bienentraube
Bienen und Hummeln können durch Muskelzittern ihren Thorax auf Betriebstemperatur bringen - und halten.
Wärmende Zitterpartie

Für zahlreiche Insekten bedeutet der Beginn der kälteren Jahreszeit das nahende Ende: Sie sterben. Zuvor haben sie allerdings noch Eier abgelegt - und die überstehen die bevorstehende Kälte. Doch nicht bei jeder Insektenart gehen im Herbst zwangsläufig alle ausgewachsenen Tiere zugrunde. Bei manchen Hummeln und Wespen sterben etwa nur die Königinnen, Arbeiterinnen und Männchen, während die jungen Weibchen in einem geeigneten Versteck in Kältestarre verfallen.

Bei Honigbienen zieht sich das gesamte Volk im Herbst in den Bienenstock zurück und bildet eine sogenannte Wintertraube. Im Zentrum sitzt mit der Königin die wichtigste Biene, um sie herum drängen sich die anderen Mitglieder des Volkes. Durch Zittern der Flügelmuskulatur erzeugen die Insekten im Stock Wärme. Mithilfe dieser Technik können sie die Innentemperatur kurzzeitig sogar bis auf 30 Grad Celsius aufheizen. Als Stärkung während der kalten Jahreszeit dient ihnen der bereits im Sommer eingelagerte Honig.

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