Ringen, Boxen, Bogenschießen - Eine ganze Reihe von Disziplinen nimmt für sich in Anspruch, die älteste Sportart der Menschheit zu sein. Aus Mangel an Beweisen ist dieser Wettstreit bislang unentschieden. Wahrscheinlich ist jedoch, dass das Laufen als Sieger hervorgeht. Oder das Verstecken. Weil diese Fähigkeiten ganz am Anfang stehen beim Wettkampf um Leben und Tod.

Fußball auf Leben und Tod
Wann der Mensch auf den Ball gekommen ist, weiß keiner so genau. Nur eines ist gewiss: es geschah lange bevor das Rad erfunden wurde. Weil die ältesten Ballfunde aus radlosen Kulturen stammen. Etwa aus Ägypten, wo Leinenbälle als Grabbeigaben auftauchten oder aus Mexiko, wo aus den Quellen von El Manatí ein Kautschukball gefischt wurde, der vor über 3000 Jahren von den Olmeken, dem so genannten Kautschukvolk, erschaffen worden war. Die älteste bekannte Darstellung eines Fußballspielers ist über 3000 Jahre alt und wurde in China entdeckt.
Unter Kaiser Huang Ti im zweiten Jahrtausend vor Christus war Fußball Teil der militärischen Ausbildung. Die Spieler sollten Disziplin, Gewandtheit und Gemeinschaftssinn entwickeln. Bei den Olmeken waren Ballspielplätze Teil gigantischer Zeremonialanlagen. Als Tor diente ein steinerner Ring, durch den ein mehr oder weniger großer Kautschukball manövriert werden musste. Und zwar mit den Hüften, Knien oder Ellenbogen, nicht aber mit den Händen oder Füßen. Gespielt wurde um Leben und Tod - zumindest sind neben den Abbildungen der Ballspiele häufig Opfermesser, abgetrennte Köpfe und Blut zu erkennen. Bis heute ist ungeklärt, ob die Sieger oder die Verlierer ihr Leben lassen mussten.
Ostfriesische Bewegungsspiele
Weitaus entspannter geht es bei den so genannten Kleinen Spielen zu, die weltweit verbreitet sind: Lauf- und Ballspiele mit Wettkampfcharakter, die ohne großes Regelwerk auskommen. Ob in Europa, Afrika oder bei den Eskimos: weltweit bilden Hüpfen, Laufen, Fangen und Werfen die Basis für Spaß und Spiel. Um die Parallelen zu verdeutlichen, haben Forscher beeindruckende Datenbanken angelegt, die sowohl geographisch als auch alphabetisch abgefragt werden können. Freilich sind die Übergänge zwischen den so genannten Kleinen Spielen und den professionell betriebenen Sportarten fließend. Der ostfriesische Nationalsport Boßeln zum Beispiel - eine Mischung aus Kegeln und Boccia, der bevorzugt auf Landstraßen gespielt wird ist Freizeit- und Leistungssport zugleich. Und weil Boßeln nicht nur in Friesland, sondern auch in Irland, Spanien und Italien verbreitet ist, finden inzwischen sogar Europameisterschaften statt.

Die noch heute gängige Unterscheidung in Ruhespiele (Brett-, Karten- und andere Gesellschaftsspiele) einerseits und Bewegungsspiele andererseits stammt übrigens von Johann Christoph Friedrich GutsMuths [sic], einem Reformpädagogen der Goethezeit. Sein Buch "Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und Geistes" von 1796 ist nicht nur die erste systematisch geordnete Sammlung von Bewegungsspielen, sondern auch ein Plädoyer für die Einbindung von Sport und Spiel in die Erziehung. Damit ist GutsMuths sozusagen der Urgroßvater von Turnvater Jahn, dem wir die Einführung des Schulfachs Sport verdanken.









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