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Sternenhimmel im Mai 2016: Merkurtransit und die Opposition des Mars

Der "Wonnemonat" Mai bringt uns gleich zwei echte Highlights am Himmel: Den Anfang macht der Merkurtransit am 9. Mai. Dabei zieht der Merkur als winziger schwarzer Punkt vor der Sonne vorüber. Und gegen Monatsende kommt unser Nachbarplanet Mars der Erde so nahe wie selten. Er leuchtet daher besonders hell am Himmel.

Dreicke aus Mars, Saturn und Antares am Südhimmel
In der zweiten Maihälfte leuchtet am Südhimmel ein rötliches Dreieck: Mars, Saturn und Antares stehen eng zusammen.
Während hier auf der Erde die Frühlingsblumen blühen, macht sich auch am Himmel das Frühjahr breit: Die hellsten Sterne der Sternbilder Bärenhüter (Bootes), Jungfrau und Löwe bilden ein auffallendes Dreieck, das als himmlischer Frühlings-Anzeiger gilt. Jetzt im Mai leuchtet zudem das kleine Sternbild der Nördlichen Krone hoch am Südhimmel. Die Sterne dieser Konstellation bilden einen Halbkreis, der ein wenig einer funkelnden Diamantenkette ähnelt.

Merkurtransit: Schwarzer Punkt auf gleißendem Rund

Die Stars am Maihimmel sind jedoch zwei Planeten. Am frühen Nachmittag des 9. Mai hat der Merkur, der innerste Planet unseres Sonnensystems, seinen großen Auftritt. Der normalerweise eher unscheinbare und nur selten gut sichtbare Planet wird dann von uns aus gesehen direkt vor der Sonne vorbeiziehen. Etwa gegen 13:15 Uhr unserer Zeit beginnt dieser Merkurtransit mit dem Auftauchen des winzigen schwarzen Merkurpunkts am linken Rand der Sonne. Bis zum Ende des Transits gegen 20:30 Uhr wird er dann langsam nach schräg rechts unten wandern.

Mit einem Teleskop mit mindestens 50-facher Vergrößerung kann man diese Wanderung gut beobachten, für das bloße Auge ist der dunkle Fleck leider zu klein und daher nicht sichtbar. Achtung: Niemals ohne entsprechenden Schutz in die Sonne blicken! Auch das Teleskop oder die Kamera müssen mit speziellen Sonnenfiltern ausgerüstet sein, sonst drohen beim Hineinschauen schwere Augenschäden!

Wer kein eigenes Teleskop besitzt, hat aber dennoch eine Chance, das Ereignis zu verfolgen: An diesem Tag bieten viele Sternwarten und Observatorien Beobachtungstreffen an, auch im Internet wird der Merkurtransit live gestreamt.

Merkurtransit
Merkurtransit: Der innerste Planet wandert als kleiner schwarzer Punkt vor der Sonne vorbei.

Ein seltenes Ereignis

Nur gut ein Dutzend Mal pro Jahrhundert kann man einen Merkurtransit am Himmel bestaunen.  Zwar überholt der Merkur auf seinem Weg um die Sonne die Erde sogar alle 116 Tage einmal. Weil aber die Merkurbahn gegenüber der Umlaufbahn unserer Erde geneigt ist, zieht der innerste Planet von uns aus gesehen meist ober- oder unterhalb der Sonne vorbei. Nur wenn Merkur, Erde und Sonne genau in einer Linie stehen, wie am 9. Mai der Fall, kann man beobachten, wie der Planet als winziger schwarzer Fleck über die helle Sonnenscheibe wandert.

Übrigens: Solche Passagen eines Himmelskörpers vor seiner Sonne nutzen Astronomen auch, um extrasolare Planeten aufzuspüren. Zwar sind diese oft selbst mit starken Teleskopen nicht direkt sichtbar. Ihr Transit verrät sich aber dadurch, dass der Planet das Licht seines Sternes ein kleines bisschen abdimmt. Vor allem das Weltraumteleskop Kepler der NASA fahndet nach solchen verräterischen Lichtschwankungen - und hat so schon hunderte Exoplaneten entdeckt.

Mars in Opposition

Im Mai macht sich noch ein zweiter Planet unseres Sonnensystems prominent bemerkbar: der Mars. Denn am 22. Mai bilden Sonne, Erde und Mars genau eine Linie. Dadurch steht der Rote Planet von uns aus gesehen der Sonne genau gegenüber und wird von ihr nachts voll angestrahlt. Wenige Tage später, am 30. Mai, kommt der Mars unserer Erde so nahe wie in den nächsten elf Jahren nicht mehr. Er ist dann nur noch rund 75,3 Millionen Kilometer von uns entfernt.

Entsprechend hell leuchtet der Mars in der gesamten zweiten Maihälfte. Er ist dann nahezu die gesamte Nacht hindurch gut als heller rötlicher Fleck zu erkennen, der abends im Südosten aufgeht und am frühen Morgen im Südwesten wieder hinter dem Horizont versinkt. Zusammen mit dem Stern Antares und dem Saturn bildet der Rote Planet nachts am Südhimmel ein Dreieck aus rötlich leuchtenden Punkten, zu dem sich am 21. Mai noch der Mond gesellt – ein lohnender Anblick.

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