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Stichwahl in Frankreich: Macron vs. Le Pen

Frankreichs Polit-Jungstar Emmanuel Macron und die Chefin des Front National Marine Le Pen treten am Sonntag zur Stichwahl ums Präsidentenamt an: zwei Kandidaten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Umfragen zufolge liegt der sozialliberale Macron in der Gunst der Wähler vorn. Doch wie wahrscheinlich ist sein Sieg gegen die rechtsnationale Kontrahentin wirklich?

Marine Le Pen (links) und Emmanuel Macron (rechts)
Die Front-National-Chefin Marine Le Pen und der parteilose, linksliberale Emmanuel Macron haben es in die Stichwahl geschafft.
Europäischer Gedanke oder Nationalismus, Integration oder Ausweisung, Wettbewerbsfähigkeit oder wirtschaftliche Abschottung: Wenn die Franzosen am Sonntag über ihren zukünftigen Präsidenten abstimmen, haben sie die Wahl zwischen zwei Kandidaten, deren Positionen unterschiedlicher nicht sein könnten. In der Stichwahl müssen sie sich zwischen der Rechtspopulistin Marine Le Pen vom Front National und dem sozialliberalen Emmanuel Macron mit seiner eigens für die Wahl gegründeten Partei "En Marche!" entscheiden.

EU-Flagge
Das künftige Verhältnis zur Europischen Union ist einer der größten Streitpunkte im französischen Präsidentschaftwahlkampf.

Au revoir, Europa?

Die beiden Amtsanwärter hatten im ersten Wahlgang am 23. April die meisten Stimmen erhalten und sich damit gegen neun Mitbewerber durchgesetzt. Eine absolute Mehrheit konnten sie mit jeweils gut 20 Prozent jedoch nicht gewinnen. Deshalb müssen sie nun in einem zweiten Wahlgang gegeneinander antreten. Deutschland und Europa schauen mit Anspannung auf die anstehende Entscheidung. Denn ein Erfolg Le Pens würde den Kontinent verändern - und womöglich das Ende der viel zitierten deutsch-französischen Freundschaft bedeuten.

Die rechtsextreme Politikerin sieht sich durch den Wahlsieg von Donald Trump und den "Brexit" der Briten in ihrem Kurs bestärkt. Schließlich will sie Frankreich über einen Ausstieg aus der Eurozone abstimmen lassen, den Neuen Franc als Währung einführen und unter Umständen sogar aus der Nato austreten. Außerdem verspricht die Chefin des Front National eine drastische Verschärfung des Asylrechts. Sie fordert die Ausweisung ausländischer Straftäter und plant eine höhere Besteuerung von Produkten von Firmen, die Fabriken ins Ausland verlagern.

Gemäßigtes Image

Mit ihren radikalen Positionen spricht Le Pen vor allem Menschen mit Frust und Ängsten an. Ihnen bietet sie einfache Erklärungen für ihre Probleme - und einfache Lösungen: Mal ist die "massive Einwanderung" schuld, mal ist es die Entmündigung durch die "Technokraten" aus Brüssel. "Feindbilder sind ein fester Bestandteil in der Rhetorik von Marine Le Pen", schreibt die Journalistin Tanja Kuchenbecker, die ein Buch über die Rechtspopulistin verfasst hat.

Dabei geht Le Pen äußerst geschickt vor. Denn obwohl sie weiter auf extremem Kurs gen rechts außen ist, hat sie es geschafft, ihrer Partei ein gemäßigteres Image zu verpassen. Als Le Pen 2011 den Parteivorsitz von ihrem Vater übernahm, verordnete sie dem Front National eine "Entteufelung". Offener Rassismus und Antisemitismus werden seitdem geahndet. Die guten Wahlergebnisse zeugen vom Erfolg dieser Strategie. Und auch Affären um Scheinbeschäftigungen von Parteimitgliedern im EU-Parlament haben Le Pens Beliebtheit bislang keinen Abbruch getan.

"Europa im Herzen"

Emmanuel Macron ist mit seinem Motto "Ich habe Europa im Herzen" der prominenteste Widersacher der Rechtspopulistin. Auch er steht für Wandel - jedoch ohne Extreme. Der Ökonom will die Eurozone in enger Zusammenarbeit mit Deutschland reformieren. Am aktuellen Flüchtlingskurs hält er fest und plant, mehr in die Integration zu investieren. Für die Sicherheit im Land will Macron durch neue Polizeistellen und mehr Gefängnisplätze sorgen. Außerdem will der Ex-Wirtschaftsminister Frankreich wettbewerbsfähiger machen und Tausende Stellen im Öffentlichen Dienst streichen.

Macron positioniert sich selbst weder links, noch rechts. Allerdings wird ihm oft unterstellt, die Interessen der Wirtschaft zu vertreten. Im Wahlkampf setzte der Politiker daher auf Transparenz und Unabhängigkeit: Seine Bewegung "En Marche!" finanziert sich nach eigenen Angaben durch private Spenden. Er sei frei und die Finanzierung transparent, betonte Macron immer wieder. Auf einen klassischen Parteiapparat verzichtet er bewusst. Falls er zum Präsidenten gewählt wird, soll ein großer Teil seiner Minister nicht aus der Politik kommen.

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DAL, 04.05.2017
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