Total votes: 86
  • Send to friend
  • Diese Seite drucken
wissen.de Artikel

Studium oder Ausbildung?

Das Abitur in der Tasche - aber was kommt danach? Ein Studium oder eine Ausbildung? Die Entscheidung ist oft nicht leicht. Einerseits stehen Ihnen mit einem Studium mehr Berufswege offen und die Aufstiegsmöglichkeiten sind in der Regel besser. Andererseits stellt ein Studium nicht immer die optimale Lösung dar. Auch eine Berufsausbildung in Verbindung mit berufsbegleitenden Fortbildungen kann Ihnen sehr gute berufliche Chancen eröffnen. Und wer erst nach einer Ausbildung studiert, tut dies meist zielgerichteter und mit einer besseren Studienplanung.

Was sagen die Zahlen?

Als (Fach-)Abiturient gehören Sie zu einer Bevölkerungsgruppe Ihres Jahrgangs, die ständig ansteigt. Die Zahl der studienberechtigten Schulabgänger nimmt stetig zu. Waren es Anfang der 90er noch ca. 290 000 studienberechtigte Schulabgänger, so stieg ihre Zahl im Jahr 2002 schon auf ca. 362 000. Der Anteil der jungen Menschen eines Jahrgangs mit Abitur oder Fachabitur wuchs damit um 24% Prozent, was sich wiederum auch auf die jetzigen Studentenzahlen niederschlägt.

Aktuell sind erstmals mehr als 2 Millionen Studierende immatrikuliert. Auch die Zahl der Studienanfänger erreichte im Studienjahr 2003/2004 (Sommersemester und Wintersemester) mit rund 380. 000 einen neuen Höchststand.

Gemäß einer Prognose der Kultusministerkonferenz wird die Zahl der Studienanfänger bis 2008 noch einmal ansteigen, dann aber bis 2015 auf den Wert von rund 275.000 zurückgehen. In den neuen Ländern wird der Rückgang bereits ab 2005 spürbar sein. Das ist problematisch, denn dem Rückgang bei den Studienanfängern steht eine steigende Nachfrage nach hochqualifizierten Arbeitskräften in zukunftsträchtigen Bereichen gegenüber. Allerdings ist diese Nachfrage auf bestimmte Fächer, insbesondere Informatik, Ingenieurwissenschaften etc. beschränkt.

Kein Privileg für Akademiker

Ein Studium garantiert heute nicht mehr Sicherheit als eine Ausbildung. Der Arbeitsmarkt befindet sich in einem Strukturwandel, bei dem die so genannten Normalarbeitsverhältnisse abnehmen und andere Formen der Erwerbsarbeit, wie z.B. befristete Beschäftigung, Leiharbeit, Selbstständigkeit oder Freie Mitarbeit, zunehmen. Auch Akademiker sind heute nicht vor Arbeitslosigkeit oder unsicheren Beschäftigungsverhältnissen gefeit. Analysen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigen, dass diese unsichere Beschäftigung nicht nur Arbeitnehmer mit geringer Qualifikation trifft, sondern auch Universitätsabsolventen.

Was also tun? Sowohl für ein Studium als auch für eine betriebliche Ausbildung gibt es viele gute Gründe. Was jedoch allein zählt ist: Was ist für Sie persönlich die bessere Lösung? Sind Sie eher praktisch veranlagt oder ziehen Sie die Theorie der Praxis vor? Lernen Sie gern oder haben Sie nach dem Abitur erstmal die Nase voll? Wie wichtig ist Ihnen Karriere? Fragen wie diese lassen sich nicht pauschal beantworten, sondern immer für den Einzelfall. Informieren Sie sich daher zunächst über Pro und Contra eines Studiums bzw. einer Ausbildung und treffen Sie dann wohlüberlegt Ihre Entscheidung.

Studium - pro und contra

Was spricht für ein Studium, was dagegen? Die Antwort lautet "Vieles" - und meint beide Seiten. Es gibt viele gute Gründe dafür, ein Studium aufzunehmen, zumindest ebenso viele, wie den Gedanken daran zu verwerfen. Entscheidend ist: Die Gründe sind immer subjektiv. Was für den einen genau das Richtige ist, kann für den anderen eine Sackgasse bedeuten. Deshalb müssen Sie Ihre persönlichen Vorlieben, Kenntnisse und Talente genau kennen und entsprechend entscheiden.

Bei der Entscheidung können Sie sich zunächst einmal einige Argumente vor Augen führen, die für bzw. gegen ein Studium sprechen. Die hier aufgeführten Elemente sollen Ihnen bei der Überlegung helfen.

Pro

Für ein Studium spricht:

  • Bestimmte berufliche Ziele können Sie nur mit einem Studium erreichen.
  • Als Absolvent einer Hochschule haben Sie bessere Aufstiegsmöglichkeiten. Für gehobene berufliche Positionen wird häufig sogar ein abgeschlossenes Hochschulstudium bzw. eine Promotion vorausgesetzt.
  • Ein Studium bietet Ihnen eher die Möglichkeit, wissenschaftliche Interessen zu verfolgen.
  • Durch die lange Ausbildung erwerben Sie eine höhere Allgemeinbildung sowie vielfältige Qualifikationen, die Sie im Beruf einsetzen können.
  • Statistisch gesehen müssen Sie als Akademiker Arbeitslosigkeit weniger fürchten als ein Nicht-Akademiker. Das hängt jedoch stark vom gewählten Fach ab. Eine Garantie gegen den Verlust des Arbeitsplatzes gibt es natürlich nicht.
  • Akademiker verdienen durchschnittlich 30 bis 50 Prozent mehr als Nicht-Akademiker.
  • Akademische Titel, wie ein Diplom oder ein Doktortitel, haben gesellschaftlich einen hohen Stellenwert.
  • Ein Studium bietet die Möglichkeit, die Ausbildung selbst und frei von so manchen Zwängen zu gestalten. Dies ist jedoch auch eine nicht zu unterschätzende Herausforderung.

Contra

Die Nachteile des Studiums:

  • Ein Studium dauert länger als eine berufliche Ausbildung, nämlich zwischen vier (Fachhochschule) und sieben Jahren (Universität).
  • Dadurch treten Sie erst mit Mitte bis Ende zwanzig in den Beruf ein.
  • Sie verdienen erst einige Jahre später eigenes Geld als bei anderen Ausbildungswegen.
  • Etliche Studienfächer bieten trotz allem keine Garantie, später eine gut bezahlte, leitende Tätigkeit zu finden.
  • Viele Studienfächer sind sehr theorielastig und führen nicht zu einem konkreten Berufsbild. Der Einstieg in einen bestimmten Beruf wird vor allem dann schwierig, wenn Sie sich nicht schon während des Studiums oder durch entsprechende Praktika spezialisiert haben.
  • Es besteht das Risiko, dass Sie nach vier bis sieben Jahren ohne Abschluss dastehen, wenn Sie das Examen nicht bestehen. Jedes Jahr verlassen etwa 70.000 Studierende die Hochschule ohne einen Studienabschluss oder brechen ihr Studium ab.

Ausbildung - pro und contra

Was spricht für eine berufliche Ausbildung, was dagegen? Ebenso wie beim Studium gibt es auf beiden Seiten viele gute und plausible Gründe. Ausschlaggebend für eine Entscheidung werden immer Ihre individuelle Lebenslage sowie persönliche Neigungen und Interessen sein. Eine Auswahl an Pros und Contras soll Ihnen die Entscheidung erleichtern.

Für eine Ausbildung spricht:

  • Eine Ausbildung ohne Studium ist fast immer kürzer. Sie sind früher finanziell unabhängig und selbstständig.
  • Nach einer betrieblichen Ausbildung haben Sie meist bessere Chancen auf einen unmittelbaren Übergang in den Beruf als bei einem Studium. Hier erfolgt der Einstieg oft über weitere Zusatzqualifikationen, Nachwuchsprogramme oder Volontariate.
  • Eine berufliche Ausbildung ist dann geeignet, wenn Sie sich weniger für theoretisch-wissenschaftliche als vielmehr für praktisch-organisatorische Tätigkeiten interessieren oder geeignet fühlen.
  • Außerhalb der Hochschule gibt es immer mehr attraktive Ausbildungsalternativen (z.B. Berufsakademien), für die das Abitur Zugangsvoraussetzung ist.
  • Eine Ausbildung vor dem Studium zu absolvieren vermittelt praktische Kenntnisse und erleichtert das spätere Studium erheblich. Zudem kann es eine sinnvolle Möglichkeit sein, um Wartezeiten bei einem Numerus Clausus-Fach zu überbrücken.

Die Nachteile einer Ausbildung sind:

  • Ihre Aufstiegsmöglichkeiten sind nach einer Ausbildung begrenzt. Für bestimmte Positionen wird ein Studium vorausgesetzt. Um als Nicht-Akademiker auf der Karriereleiter nach oben zu kommen, sind meist zusätzliche Lehrgänge, Fortbildungen oder Meisterschulungen notwendig.
  • Statistisch gesehen ist Ihr Risiko, arbeitslos zu werden als Nicht-Akademiker größer als für Akademiker. Dies hängt jedoch stark von der jeweiligen Ausbildung bzw. Branche ab.
  • Nicht-Akademiker verdienen durchschnittlich 30 bis 50 Prozent weniger als ihre Kollegen mit Studium.
  • Ausbildungen sind inhaltlich und formal durch das Berufsbildungsgesetz geregelt. Sie haben also nur wenig Spielraum, eigene Schwerpunkte und Interessen kreativ mit zu gestalten.

Gute Gründe gibt es also auf beiden Seiten. Um die richtige Wahl zu treffen, sollten Sie sehr individuelle Überlegungen anstellen. Dazu gehören z.B. Fragen, wie "Habe ich mehr praktische oder mehr theoretische Fähigkeiten?" oder "Wie wichtig ist mir die berufliche Karriere im Vergleich zur privaten Lebensplanung?“

Schnupperstudium

Kennen Sie diesen Gedanken: Studium - im Prinzip ja - aber was genau und vor allem wo? Unsicherheiten wie diese sind sehr verbreitet und überhaupt kein Grund, die Hände in den Schoss zu legen. Am einfachsten können Sie sie mit einem Schnupperstudium aus dem Weg räumen. Wie das funktioniert? Eigentlich recht simpel. Was unter dem Begriff "Schnupperstudium" kompliziert und langwierig klingt, ist in aller Regel eine Art "Tag der offenen Tür". Es handelt sich dabei um Orientierungsveranstaltungen aller Art, die von fast allen Hochschulen in Deutschland und Europa angeboten werden. Sie sind dort unter so unterschiedlichen Namen zu finden wie:

  • "Universitätskurse"
  • "Tag der offenen Hochschultür"
  • "Studieren und Probieren"
  • "Projektwochen"
  • "Frauenpraktikum"

Diese Veranstaltungen dauern einen oder mehrere Tage und werden häufig in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt angeboten. Gewöhnlich beinhalten sie eine Einführung in die Infrastruktur der Hochschule, Tipps, wie man sich zurecht findet und effektiv studiert, sowie Informationen über das Studienangebot selbst. Die Lehrkräfte stellen sich den Studieninteressenten zum Teil vor und man kann sich dort persönlich beraten lassen. Für jede Hochschule, an der Sie interessiert sind, sollten Sie zumindest einen Tag investieren, um sich dort über die wichtigsten Dinge zu informieren.

Der Blick hinter die Kulissen lohnt sich

Manche Universitäten oder Fachhochschulen werben aber auch mit durchaus ungewöhnlichen Angeboten um die Schulabgänger. So veranstaltet beispielsweise die Fachhochschule Trier jedes Jahr im Mai Projektwochen, die unter dem Motto "Raus aus der Schule - Rein in die Zukunft!" stehen. Von Untersuchungen zum Geschmack von Trink- und Mineralwasser, über Typografisches Experimentieren mit Druckschriften und Druckfarbe bis hin zum Arbeiten mit Formularen im Internet bieten die Professoren der Fachhochschule eine breite Palette an Projekten verschiedener Studiengänge an.

Die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg stellt etwa 35 Praktikumsplätze an ihren naturwissenschaftlich-technischen Fakultäten für Abiturientinnen und Fachoberschülerinnen bereit. Die jungen Frauen arbeiten unter der Anleitung erfahrener Wissenschaftler für zwei bis drei Monate zwischen April und September direkt an bestimmten Themen und erhalten dafür monatlich sogar eine Vergütung aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes Sachsen-Anhalt. Ganz nebenbei lernen sie das Leben an einer Universität in der Praxis sowie alle wesentlichen Betreuungseinrichtungen wie Uni-Bibliothek, Mensa, Studentenwerk usw. aus nächster Nähe kennen.

Wem solche Informationstage nicht ausreichen oder wer bereits eine Hochschule in die engere Wahl gezogen hat, kann auch einmal wirklich zur Probe studieren: als Gasthörer in einer dafür offenen Vorlesungsreihe der entsprechenden Uni. Ein Blick ins Vorlesungsverzeichnis informiert über die Angebote der einzelnen Lehrstühle. Diese Gasthörer-Vorlesungen geben Ihnen einen ersten Einblick in das Thema, den theoretisch-wissenschaftlichen Ansatz einer Hochschule und in die individuelle Arbeitsweise eines Professors oder einer Professorin. Sie erhalten damit nicht nur die Gelegenheit, eine Hochschule von innen zu sehen, sondern tatsächlich "studieren zu üben". Da diese Vorlesungen auch eingeschriebenen Studenten der Universität offen stehen, ergibt sich dabei durchaus einmal die Gelegenheit, mit den künftigen Kommilitonen aus dem Nähkästchen zu plaudern.

Zusätzlich praktisch schnuppern

Auch für angehende Studenten kann es sinnvoll sein, gegen Ende der Schulzeit in einem Betrieb der angestrebten Branche ein "Schnupperpraktikum" zu organisieren. So kann man schon einmal Branchenluft schnuppern und ggf. erste Kontakte für spätere Studienpraktika knüpfen. Wen zwar ein Studienfach interessiert, die Atmosphäre in der Branche aber nicht behagt, kann sich noch rechtzeitig umorientieren.

Beratungs- und Servicestellen

Guter Rat ist nicht teuer. Bei Fragen rund ums Studium wird niemand allein gelassen. Serviceangebote gibt es viele - man muss nur wissen wo. Hier eine Liste der wichtigsten Anlaufstellen:

  • Akademisches Auslandsamt: Es beantwortet Fragen rund ums Studium im Ausland.
  • Allgemeine Studienberatung: Sie hilft bei allen Fragen zu Studieninhalten, Fächerkombinationen, Prüfungsordnungen, etc.
  • Alumni Netzwerke: Ein ganz wesentliches Element der Alumni ist, dass sie die Plattform für eine “Kontaktbörse" bilden. Von dieser Plattform profitieren – durch den direkten Draht zwischen Wirtschaft und Bildungsinstitution – ehemalige Studenten sowie die Universität selbst.
  • Amt für Ausbildungsförderung: Hier können Sie sich über BAfög informieren.
  • Beauftragter für Behinderte: Diese Einrichtung berät Behinderte, bietet Hilfe in allen studentischen Alltagssituationen und vertritt die Interessen Behinderter gegenüber der Hochschulverwaltung.
  • Berufsberatung: Berufsberater des Arbeitsamtes unterstützen bei der Berufswahl, dem Studium und beim Eintritt ins Arbeitsleben.
  • Bibliotheksverwaltung: Hier erhalten Sie Ausweise und Informationen für die Hochschulbibliotheken.
  • Fachstudienberatung: Jede Fakultät bietet eine spezielle Fachstudienberatung, die zu Inhalten, Verlauf und Prüfungen eines bestimmten Fachs beraten.
  • Frauenbeauftragte: Sie vertritt die Interessen der Studentinnen gegenüber der Hochschulverwaltung und vermittelt Informationen zu frauenbezogenen Aktivitäten.
  • Praktikantenamt: Es hilft bei der Suche nach Praktikumsplätzen und vermittelt zwischen Studierenden und Unternehmen. Häufig ist auch eine Praktikumsbörse im Internet zu finden.
  • Psychologischer Beratungsdienst: Diese Stelle bietet Studierenden Unterstützung bei psychisch bedingten Studienproblemen, aber auch bei Problemen in Familie und Partnerschaft.
  • Kultur- und Reisebüro: Studierende erhalten hier Informationen und Karten zu Kulturveranstaltungen und können Reisen bzw. Flüge buchen.
  • Rechtsberatung: Dieser Service des Studentenwerks bietet kostenlose Beratung bei Rechtsproblemen an.
  • Sozialberatung: Eine Servicestelle des Studentenwerks, die bei Problemen, wie Sicherung des Lebensunterhaltes, Kinderbetreuung o.ä. hilft.
  • Studentenkanzlei: Hier erhalten Sie alle Unterlagen bzgl. An- und Ummeldung, Studien- und Prüfungsordnungen, Studentenausweise, etc.
  • Studentische Arbeitsvermittlung: Die Jobvermittlung des Arbeitsamtes ist Ansprechpartner für Unternehmen und für Studenten, die einen Job suchen.
  • Wohnheimverwaltung: Eine Einrichtung des Studentenwerks, die Zimmer in Studentenwohnheimen vermittelt.
  • Zimmervermittlung: Eine Stelle beim Studentenwerk, die Privatzimmer und Wohnungen an Studierende vermittelt.
Total votes: 86
  • Send to friend
  • Diese Seite drucken

Post new comment


0 Kommentare

Filtered HTML

  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <blockquote> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd>
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA
This question is for testing whether you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.