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wissen.de Artikel

Studium – und dann?

Das Ziel ist erreicht: Sie haben Ihren Hochschul- oder Fachhochschulabschluss und wissen, was Sie wollen. Die ganze Welt steht Ihnen offen. Doch gerade das ist das Problem: Wo fangen Sie an? Welche Möglichkeiten gibt es, um in die geschlossene Gesellschaft Ihrer Wunschbranche einzusteigen?

Praktische Erfahrungen sind wichtig

Noch immer hängt Studenten das Vorurteil der weltfremden Theoretiker an. Deshalb müssen Sie sich am besten schon während des Studiums darum bemühen, praktische Erfahrungen im Arbeitsalltag zu sammeln. Personalchefs achten bei der Bewerbung sehr auf aussagekräftige Arbeitszeugnisse, deshalb sollten Sie diesen Aspekt wirklich ernst nehmen.

Eine Einstiegsmöglichkeit in Ihren Traumberuf kann ein Praktikum oder ein Volontariat sein. Manche Unternehmen ziehen sich mit besonderen Trainee-Programmen ihre zukünftigen Führungskräfte heran. Die höhere Beamtenlaufbahn ist ebenfalls eine Möglichkeit.

Vielleicht geraten Sie auch auf Umwegen an Ihren zukünftigen Arbeitsplatz: Suchen Sie sich zum Beispiel Nebenjobs mit Niveau, anstatt Pizza auszufahren.

Praktikum

Ein Praktikum verpflichtet zu nichts, bewirkt aber viel: Sie sammeln praktische Berufserfahrung, lernen ein Unternehmen von innen kennen, können sich selbst im Arbeitsalltag beobachten und einschätzen, wie Ihre Kollegen Sie wahrnehmen. Ihre persönlichen Stärken und Schwächen treten zu Tage und Sie können an Ihren Soft Skills feilen. Vielleicht winkt am Ende eine Festanstellung, schließlich sind Sie gut eingearbeitet. Gerade wenn Sie mit diesem Gedanken spielen, ist es besonders wichtig, einen guten Eindruck zu machen. Ein Praktikum kann sozusagen eine vorgezogene Probezeit sein. Unternehmen und Praktikant können prüfen, ob eine Zusammenarbeit künftig in Frage kommt.

Unternehmen nutzen das Praktikum, um aus der Flut von Bewerbern wirklich interessierte, motivierte und fähige Mitarbeiter herauszufinden.

Ablauf eines Praktikums

Optimal ist es, wenn einem ein Kollege als Ansprechpartner und Ratgeber zugeteilt wird. Am Anfang werden Sie meist mit Aufgaben betraut, für die keine großen Erfahrungen notwendig sind. Wenn Sie sich geschickt anstellen, können Sie nach und nach mehr Verantwortung übernehmen und sich Ihren eigenen Spielraum schaffen. Sorgen Sie aber dafür, dass Sie ordentlich eingearbeitet und nicht nur zum Kaffee-Kochen abgestellt werden!

Ein Praktikum unter acht Wochen wird von manchen Firmen nicht als echte Berufserfahrung gewertet. Am besten sind auch mehrere "Schnupperwochen" bei unterschiedlichen Firmen in unterschiedlichen Abteilungen. Schließlich wollen Sie auch feststellen, ob der Beruf wirklich etwas für Sie ist.

Die Bezahlung ist kaum mehr als ein Taschengeld, meist gibt es eine Pauschale, unabhängig von Alter und Ausbildung.

Die Auswertung

Am Ende lassen Sie sich ein aussagekräftiges Arbeitszeugnis ausstellen: Welche Abteilungen haben Sie besucht? Welche Aufgaben haben Sie übernommen? Wie bewertet Ihr Arbeitgeber das Ergebnis?

In Bewerbungsmappen macht es sich auch gut, wenn Sie Ablauf und Erfahrungen kurz selbst protokollieren. Setzen Sie sich mit Ihrem Ansprechpartner zusammen und erstellen Sie eine Liste Ihrer Stärken und Schwächen, damit Sie wissen, woran Sie noch arbeiten müssen.

Wie komme ich an ein Praktikum?

Man kann eigentlich überall ein Praktikum absolvieren, bei jedem Unternehmen, das auch zum Ausbilden berechtigt ist. Die Bewerbung sollte man etwa ein halbes Jahr vor Arbeitsbeginn einreichen. Am wirksamsten ist die Suche nach einem Platz im Internet. Etwa bei www.job.de oder bei www.berufsstart.de

Ein dickes Plus gerade bei international agierenden Firmen ist ein Praktikum im Ausland. Darum muss man sich etwas früher, etwa neun Monate vor Antritt, bemühen. Die Association International des Étudiants en Science Économique et Commercial (AIESEC) vermittelt weltweit Praktikumsplätze. Eine weitere gute Adresse ist der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD).

Volontariat

Im Volontariat heißt es "learning by doing". Diese Form von Einarbeitungs-Programmen (ähnlich wie ein Trainee-Programm) finden Sie im Verlagswesen, in der Werbung, im PR-Bereich und im Journalismus. Allerdings sind die Bestimmungen nur im letzten Fall in einer Art Vertrag festgelegt. Während das Journalismus-Volontariat zwei Jahre dauert, können in allen anderen Branchen die Lernziele, Inhalte und die Dauer von Fall zu Fall neu vereinbart werden. Wie viel es einem letztlich bringt, hängt stark von der eigenen Initiative ab.

Während Trainee-Programme darauf abzielen, künftige Mitarbeiter auszubilden, gilt eine anschließende Weiterbeschäftigung nach einem Volontariat nicht als selbstverständlich. Grundsätzlich ist es aber eine nützliche Form, sich berufliche Praxis anzueignen und Kontakte für sein persönliches Netzwerk zu knüpfen.

Trainee

Mit Trainee- oder auch Management-Development-Programmen wollen besonders Großunternehmen gezielt Studenten für ihre künftige Tätigkeit als Führungskraft trainieren. Diese innerbetrieblichen Ausbildungsprogramme dauern zwischen ein und zwei Jahren und bestehen aus Fortbildungsveranstaltungen und Arbeit im Betrieb. Manche sind allgemein ausgelegt, so dass der "Trainee" sich erst im Laufe des Programms seine künftige Position aussucht, oder sie setzen von vornherein den Schwerpunkt auf eine bestimmte Tätigkeit. Die Unternehmen können in dieser Zeit ihre Bewerber genau beobachten und am Ende nicht nur einem Studenten mit Fachwissen, sondern einer Top-Führungskraft, die weiß, "wie der Hase läuft", einen Arbeitsvertrag anbieten.

Die "kleine Version" von Trainee-Programmen ist "Training on the job", wo die Teilnehmer neben Schulungen nur in einen bestimmten Arbeitsbereich eingearbeitet werden. Im Anschluss bietet sich meist auch nur die Möglichkeit, von der veranstaltenden Firma in diesen Posten übernommen zu werden.

Ablauf und Qualifikationen

Die wichtigsten Soft Skills, wenn Sie ein Trainee-Programm absolvieren, sind Durchhaltevermögen, Selbstmanagement und vor allem zeitliche und räumliche Flexibilität. Meist durchlaufen Sie nicht nur mehrere Abteilungen und Bereiche innerhalb eines Betriebes, sondern werden an verschiedenen Standorten im ganzen Land eingesetzt. Das verlangt Ihnen ständige Höchstleistung ab, Sie müssen immer einen Überblick über Ihren Zeit- und Arbeitsplan haben.

Je mehr Abteilungen am Ende des Programms gewillt sind, Sie in ihren Reihen zu begrüßen, desto besser. Knüpfen Sie während der Ausbildungszeit fleißig an Ihrem Beziehungsnetzwerk und lassen Sie die Kontakte zu den einzelnen Stellen nicht abreißen: Wenn Sie Ihre Traumposition bereits am Anfang des Programms gefunden haben und nach einem Jahr dorthin zurück wollen, soll man sich möglichst an Sie erinnern.

Ihr Ausbilder erwartet ein hohes Maß an persönlichem Einsatz, auch unter großer Belastung. Am Ende soll der Trainee selbstständig und eigenverantwortlich handeln und mit seinem Arbeitsfeld vertraut sein. Sie selbst wollen, dass Ihr zukünftiger Arbeitgeber Vertrauen in Ihre Fähigkeiten gewinnt. Auch wenn es eine harte Zeit wird, denken Sie daran: Dem Einstieg ins Berufsleben steht nach Absolvierung eines Trainee-Programms kaum etwas im Wege.

... auf Umwegen

Nicht immer verläuft der Weg zum Traumjob so gradlinig, wie man sich das vorstellt: Manchmal erkennen Sie, dass die Arbeit, die Sie sich gewünscht haben, am Ende gar nicht so ist, wie Sie dachten, oder Sie finden nicht auf Anhieb einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz in Ihrer Branche. Sie müssen die Zeit überbrücken. Aber Sie können das mit Überlegung tun, Erfahrungen sammeln, Dinge kennen lernen, die vielleicht nicht konkret mit Ihrem Beruf zu tun haben, sich aber später als durchaus nützlich erweisen.

Niveauvolle Nebenjobs, Zeitarbeit, verschiedene zeitlich begrenzte Projekte, aktive Bürgerarbeit und ehrenamtliches Engagement, können sich in der Bewerbung sehr gut machen.

Nebenjobs mit Niveau

Für viele Studenten sind Nebenjobs als Geldquelle unverzichtbar. Allerdings wird Ihnen Kellnern in einem Eiscafé bei der späteren Bewerbung nicht hoch angerechnet. Mit ein wenig Fleiß und Ehrgeiz werden Sie sicher eine Nebentätigkeit finden, die Ihrer Karriere förderlich ist und auch besser bezahlt wird. Das können Jobs bei Werbeagenturen, bei Buchverlagen, Datenverarbeitungsfirmen oder Fernsehsendern sein. Sie können Texte korrigieren, Homepages entwerfen oder Recherchen betreiben. Voraussetzungen sind gute EDV-Kenntnisse und idealerweise ein eigener Internetanschluss, so dass Sie von zu Hause aus arbeiten können. In einigen Unternehmen ist es üblich, Studenten während des Studiums als Werkstudent zu "testen", und dann aus dem Pool die Nachwuchskräfte zu rekrutieren.

Natürlich sollte Sie der Nebenjob nicht so sehr in Anspruch nehmen, dass Sie Ihr Studium vernachlässigen, aber der Nachweis einer kontinuierlichen Mitarbeit kann bei der Bewerbung einen mittelmäßigen Abschluss wieder wett machen.

Adressen finden Sie nicht nur am Schwarzen Brett und beim Arbeitsamt, die Eigenrecherche im Internet, eine Kurzbewerbung oder ein Stellengesuch können noch wirksamer sein.

Zeitarbeit

Befristete Jobs, die von Mitarbeitern auf Zeit übernommen werden, lösen die "klassische" Festanstellung bis zum Rentenalter zunehmend ab. Hier bietet sich eine große Chance für Spezialisten.

Ein Beispiel: Sollen neue Gesetze eingebracht werden, gehen der Abstimmung immer mehrere Untersuchungen und Versuchsprojekte voraus, für die befristet Experten mit Fachkompetenz gesucht werden. Ortsamtsleiter oder Referatsleiter einer Behörde sind in der Regel die richtigen Ansprechpartner, wenn Sie eine solche Zeitarbeit suchen. Wenn die Stellen in der Zeitung ausgeschrieben werden, sind sie meist schon vergeben.

Solche befristeten Projekte bieten eine gute Chance, neue Kontakte zu knüpfen und die eigenen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.

Aktive Bürgerarbeit

Nicht elitäres Denken beeindruckt zukünftige Arbeitgeber, sondern Engagement außerhalb der Universität in Vereinen oder Initiativen. Ehrenamtlicher Einsatz beweist Eifer und Aktionsgeist, ganz davon abgesehen, dass Sie auf diese Weise die Möglichkeit bekommen, Ihre Studieninhalte praktisch in der Gruppe anzuwenden.

Sicher ist es nicht einfach, Studium, Job, Freunde und dann auch noch Vereinsarbeit unter einen Hut zu bringen. Auf der anderen Seite trainieren Sie so Ihr Zeitmanagement.

Es gibt eine solche Vielzahl von Bürgergruppen, dass garantiert jeder das Richtige für sich finden wird. Achten Sie auf Vereinsmitteilungen im Regionalblatt oder auf Aushänge über Informationsveranstaltungen.

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