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wissen.de Artikel

Teuflische Drahtesel

Vom „Massenselbstmord“ zum Massensport

"Teuflische Werkzeuge des Dämons der Finsternis" - so hart urteilte vor rund 100 Jahren ein amerikanischer Pfarrer über unser liebstes Sportgerät. Die Geschichte des Fahrrads ist voll von komischen Missverständnissen und wilden Abenteuern.

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Rausch der Geschwindigkeit

Vor rund 200 Jahren erfand der Freiherr von Drais ein neuartiges Verkehrsmittel - das Laufrad, genannt „Draisine“.
Während man Räder bisher nur von Ochsenkarren oder Kutschen kannte, konnte man nun darauf sitzen und sich mit den Beinen vom Boden abstoßen. Dabei kam man viel schneller von der Stelle als bisher zu Fuß.

Von nun an ging es mit der Entwicklung des Fahrrades rasant voran: Tretkurbeln, Ketten und Luftreifen gaben dem Rausch der Geschwindigkeit immer neuen Stoff.

 

„Massenselbstmord“

Das Fahrrad spaltete die Menschheit in begeisterte Anhänger und leidenschaftliche Gegner. Ärzte erklärten die neue Sportart zum „Massenselbstmord“.
Als Anzeichen des Fahrradfiebers stellten sie Herzrasen, Muskelkater oder Atemnot fest.

Frauen sollten lieber brav zu Hause sitzen statt sich auf das Zweirad zu schwingen. Man fürchtete die "Katzbuckel-Haltung" ebenso wie das "Bicycle-Gesicht".

 

Verrücktes Rennen

Doch der Siegeszug der Drahtesel war nicht aufzuhalten. Im Juli 1903 starteten in Paris 60 furchtlose Pedalritter zum „verrücktesten Radrennen der Welt“.

Heute ist die Tour de France das drittwichtigste Sportereignis der Welt - gleich nach den olympischen Spielen und Fußball-WM.

Die Mega-Fahrradtour führt jedes Jahr auf einer anderen Strecke durch Frankreich, endet aber immer auf der berühmten Pariser Prachtstraße Champs Elysées. Die bunten Trikots sind begehrte Siegeszeichen.

 

Fahrradpioniere

Vor 100 Jahren ging es bei der Tour de France ein bisschen zu wie im Wilden Westen. Da es noch keine geteerten Straßen gab, strampelten die Rad-Pioniere über holprige Feldwege und Kopfsteinpflaster.
Nicht alle saßen dabei sicher im Sattel: Ein Greenhorn hatte erst vor zwei Monaten das Radfahren gelernt.

Die Gangschaltung war noch nicht erfunden und ein Fahrrad wog rund 20 Kilogramm. Außerdem war die Strecke schlecht ausgeschildert.
So erreichten von den 60 Teilnehmern am Start nur 21 das Ziel.

 

Juckpulver und Schlägertrupps

Die Geschichten von den ersten Fahrradrennen sind haarsträubend. Um den anderen den Fahrtwind zu stehlen, schreckten manche Fahrradcowboys vor nichts zurück.

Sie ließen sich heimlich von Automobilen abschleppen, sägten fremde Räder an, schickten Gegnern Schlägertrupps auf den Leib, streuten Juckpulver in T-Shirts, Abführmittel ins Trinken oder Schlafmittel ins Essen, ...
Zuschauer verteilten Nägel auf dem Weg oder verprügelten unbeliebte Fahrer.

Heute wird streng über die Einhaltung der Spielregeln gewacht. Manchmal werden jedoch Sportler beim Doping erwischt. Das heißt, sie nehmen Medikamente, die ihren Körper auf Dauer krank machen, nur um bei Rennen einmal die Nase vorn zu haben.

 

Von Kairo bis Kapstadt

Die Tour de France ist das bekannteste Radrennen der Welt. Das längste Rennen ist jedoch die Tour d'Afrique. Sie führt auf einer Strecke von 11.500 Kilometern mitten durch Afrika - von Kairo bis Kapstadt.

Bei der Tour d'Afrique gewinnt jeder - die Fahrt ist ein unvergessliches Erlebnis. Sie dauert rund vier Monate und führt durch zehn Länder.
Von den Pyramiden geht es über Berg und Tal, Wüste, Steppe, Regenwald, Waschbrettpisten und Elefantenstraßen bis zum Kap der guten Hoffnung.

Auf der Reise kann man sehen, dass das unbekannte Afrika ein riesiger Kontinent ist mit Ländern, die sich stark voneinander unterscheiden - zumindest so wie z.B. Deutschland und die Türkei.

 

Ab geht’s

Radfahren ist eine runde Sache: Es ist das umweltfreundlichste Verkehrsmittel und eine optimale Sportart in einem.
Und von dem unvergesslichen Moment, in dem man gelernt hat, das Gleichgewicht zu halten, bis ins hohe Alter kann es eigentlich jeder.

Das Schöne daran: Jeder kann fahren wie er will - gemütlich durch die Landschaft rollen, sich querfeldein durchs Gelände kämpfen oder volle Pulle um die Wette strampeln. Wer lieber Gesellschaft hat, kann auf ein Tandem oder ein so exotisches Gefährt wie eine Fahrraddraisine umsteigen.

Also dann, schwingt euch auf die Bikes und ab gehts. Hier gibts Tipps für die Radtour!

 

Buch-Tipps

Hans Bauer
Heyne Kompakt Info, Nr.54, Fahrradreparatur
Heyne Juni 2000
95 Seiten
2,50 €

Rob van der Plas
Die Fahrradwerkstatt
BVA Bielefelder Verlag April 2004
144 Seiten
19,95 €

Hans-Christian Smolik, Stefan Etzel
Das große Fahrradlexikon
BVA Bielefelder Verlag November 2002
504 Seiten
49,95 €

Monika Wittmann
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