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Alte Haustierrassen

Angler Sattelschwein, Meißner Widder oder gar Westfälische Totleger - wer von uns kann sich unter diesen Rassebezeichnungen überhaupt noch irgendein Tier vorstellen? Dabei bestimmten diese Haustierrassen noch Anfang des letzten Jahrhunderts das regionale Bild auf Weiden und Bauernhöfen. Beim Totleger handelt es sich übrigens um eine silber- oder goldfarben gesprenkelte, recht stattliche Hühnerrasse, und der Widder ist ein Kaninchen mit Hängeohren. Durch die gezielt einseitige und meist industriell ausgerichtete Zucht auf schnelle und größtmögliche Erträge sind immer mehr alte Haustierrassen verschwunden oder unwiederbringlich vom Aussterben bedroht. Doch warum sollte man sich überhaupt mit den alten Rassen beschäftigen? Ist ihre Zeit nicht schlicht und einfach vorbei und das Festhalten am Alten nicht bloße Schwärmerei, reine Nostalgie?

Massentierhaltung und Einfachnutzung

Bis zum Zweiten Weltkrieg wurden die meisten Haus- bzw. Nutztiere mehrfach genutzt. So wurden Rinder noch für die Feldarbeit eingesetzt und Kühe für die Milchgewinnung, ehe sie später als Fleischlieferanten dienten. Von Schweinen wurden nicht nur das Fleisch und die Innereien verwendet, sondern auch die Haut, um einfaches Leder herzustellen, oder das Fett als Brennmaterial für Lampen.

Doch diese heute nostalgisch anmutenden Zeiten sind lange vorbei. Das Konsumverhalten der Menschen in den stets reicher werdenden Industrienationen veränderte sich rasch und immer rascher. Vom Sonntagsbraten ging man zügig zum täglichen Fleischkonsum über. Und es sollte möglichst nur noch schieres Fleisch sein, wenig Fett - schließlich wollte man viel genießen, aber nicht dick werden.

Das führte rasch zur konzentrierten Massentierhaltung, bei der insbesondere Schweine, Rinder und verschiedene Arten von Geflügel in großer Zahl auf engem Raum gehalten, schnellstmöglich gemästet und frühestmöglich geschlachtet werden. Dementsprechend einseitig verlief die Zuchtauswahl. Gefördert wurden rasches Wachstum, hohe und schnelle Fleischproduktion, eine hohe Milchproduktion und viele große Eier. Dabei auftretende Degenerationserscheinungen wie ein schwacher Knochenbau bei Hühnern oder eine Anfälligkeit für Herzerkrankungen bei Schweinen fielen weitestgehend unter den Tisch. Meist werden die Tiere in der modernen Agrarindustrie nicht so alt, dass ihre körperlichen Mängel problematisch für die „Produktion“ wären. Die rein betriebswirtschaftliche Kostenrechnung macht die industrielle Massentierhaltung in der Erzeugung bis heute trotz technischem und medikamentösem Einsatz rentabler als die traditionelle Viehwirtschaft. Ob die Tiere dabei gesund bleiben, fällt kaum noch ins Gewicht.

Im Laufe dieser Entwicklung hat sich übrigens auch der Begriff Nutztiere für die ehemals als Haustiere betrachteten Lebewesen durchgesetzt, die zwar früher ebenfalls vom Menschen genutzt wurden, mit ihm aber mehr oder weniger in einer Art Gemeinschaft lebten.

  1. Massentierhaltung und Einfachnutzung
  2. Warum alte Haustierrassen?
  3. Eine genetische Schatztruhe
  4. Vom Wollschwein bis zur Skudde: Einige ausgesuchte Beispiele

Bibliografie:

  • Martin Haller: Seltene Haus- und Nutztierrassen, Graz 2000
  • Hans H. Sambraus: Gefährdete Nutztierrassen. Ihre Zuchtgeschichte, Nutzung und Bewahrung, Stuttgart 1999
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