Antarktis
Das Land
"Großer Gott, dies ist ein schrecklicher Ort", schrieb der britische Antarktisforscher Robert Falcon Scott (1868-1912), nachdem er im Januar 1912 nur einen Monat nach dem Norweger Roald Amundsen (1872-1928) als Zweiter den Südpol erreicht hatte. Die Antarktis ist der große Kühlschrank der Erde. Die Wärmebilanz ist ganzjährig negativ. In der russischen Wostok-Station, 1400 km landeinwärts, wurde am 21. Juli 1983 die tiefste Temperatur auf der Erde festgestellt: -89,2 °C! Am Südpol erreichte der Minusrekord "nur" -83 °C (23. Juni 1982). Die höchste, dort gemessene Temperatur betrug -13,6 °C (27. Dezember 1978). Im Inneren der Antarktis steigen die Temperaturen auch im Südsommer (November-Februar) selten über -20 °C an. In Küstennähe können die Höchsttemperaturen zeitweise bis nahe 0 °C ansteigen, jedoch muss auch dort jederzeit mit Temperaturstürzen auf unter -30 °C gerechnet werden.
Die extrem kalte Luft der Antarktis enthält nur wenig Wasserdampf. Relative Luftfeuchten örtlich bis weit unter 30% lassen die Nasenschleimhäute des Menschen bei sehr tiefen Temperaturen austrocknen und können böse Entzündungen verursachen. Vom wolkenarmen Himmel fällt sehr wenig Schnee - am Südpol sind es gerade 29 mm Wasseräquivalent pro Jahr. Die Antarktis ist eine eisbedeckte Trockenwüste. Antarktis-Stürme können schlimmer sein als ein Taifun. Besonders in Küstennähe sind die Fallwinde zeitweise mörderisch. Windgeschwindigkeiten bis über 300 km/h fegen alles ins Meer. Schon bei geringer Luftbewegung werden die trockenen, feinkörnigen Schneekristalle aufgewirbelt und verdriftet. Die Sicht sinkt auf Null. Im diffusen Licht, unter einer tief liegenden Wolkendecke, verlieren alle Konturen ihre Schärfe und der Horizont verschwindet im Allgemeinen Grauweiß. Eine Orientierung wird bei diesen sogenannten "White Out"-Bedingungen unmöglich und Gleichgewichtsstörungen lassenden Menschen hilflos straucheln.

Die Transportwege zum 14 Millionen km2 großen Eiskontinent und innerhalb des Inlandeises sind weit. Wer zum Südpol will, muss mindestens 1200 km Eis- und Schneewüste überwinden. Ohne Flugzeug und Hubschrauber wird jede Expedition zum qualvollen Abenteuer. Nur einmal wurde mit Raupenfahrzeugen die Antarktis durchquert. Wer sich von der Küste weg ins Innere wagt, findet keine essbaren Tiere mehr. Nur wenige eisfreie Gipfel und Täler (unter 5% des Kontinents) beherbergen noch ein paar Flechten- und Algenarten. Nahrungsmittel für den Menschen und Brennstoffe gibt es nicht. Die tödliche Kombination von Kälte, Sturm, Trockenheit und Höhe sowie die nicht vorhandenen Nahrungsquellen machen die kontinentale Antarktis zum lebensfeindlichsten Raum der Erdoberfläche. Eine Tatsache, die sich im Winter durch die monatelange Dunkelheit noch verstärkt.
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- Landschaft und Natur
- Der große Gegensatz Antarktis - Arktis
- Unvorstellbar große Eismengen
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- Seefahrer entdecken die kalte "Südsee"
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